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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 00:16 Uhr

Von Montevideo nach Wagadugu

vom

Andreas Möller entwickelte Webstuhl und Webmethode / Der Bargteheider reist um die Welt und ist jetzt beim Kunsthandfest zu Gast.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Barnitz | Gerade kommt Andreas Möller aus Burkina Faso zurück. Dort hat er in nur zehn Tagen gemeinsam mit acht Frauen aus der Hauptstadt Wagadugu zehn Webstühle gebaut. Vorher flog er nach Montevideo - seine Frau ist in Uruguay geboren -, um auch dort seinen selbst entwickelten Webstuhl zu bauen. Ab Donnerstag ist er zum zweiten Mal beim Kunsthandfest in Barnitz zu Gast und stellt dort seine eigenen Kreationen vor - vor allem fein gewebte Schals und erste Webarbeiten seiner Frau. Zu sehen sein werden aber auch gewebte Handtücher aus Äthiopien - schön anzusehen, praktisch, robust und gebrauchsfertig.

"Seit 2007 engagiere ich mich im Rahmen der Entwicklungshilfe in Äthiopien", erzählt der 48-jährige Weber. Vor Ort erkannte er, wie wichtig es ist, ein Entwicklungsprojekt nicht mit viel Geld anzuschieben und die Menschen danach ohne Know-How wieder allein zu lassen. "Ich habe dort viele Webstuhl-Leichen gefunden, denn die Leute wussten ihn nicht zu bedienen", erzählt Möller. Er entwickelte einen speziellen Webstuhl - klein, handlich, kompakt, aus Bauholz konstruiert und vor Ort aufzubauen.

Außerdem brachte er den Äthiopiern das Weben bei. Auch hierfür entwickelte er eine spezielle Webmethode, die das traditionelle, oft schwierig zu erlernende Handwerk vereinfacht und die gleichzeitig die Web-Geschwindigkeit erhöht. Baumwolle gibt es vor Ort. "Das ist Entwicklungshilfe, die praktisch greift", weiß Möller aus Erfahrung. So profitiert unter anderem Esmael Jemal aus Äthiopien davon, der im Laufe der Jahre ein guter Freund von Andreas Möller geworden ist. Er betreibt inzwischen eine kleine Werkstatt in Adis Abeba, wo die Handtücher hergestellt werden, die am Wochenende in Barnitz zu bewundern und zu kaufen sind.

Fünf Familien können von Esmaels Verdienst leben. "Ich bin der Hauptverkäufer der Webwaren aus Äthiopien, und es läuft gut", freut sich der preisgekrönte Bargteheider - einer von nur drei männlichen Webern deutschlandweit.

Fyling-8 nennt er seine Webmethode, und er reist fast um die halbe Welt, um anderen Webern die vereinfachte Form beizubringen. "Nur in Asien und Australien war ich noch nicht", schmunzelt er. Aber das könne ja noch kommen. Gern gibt er sein Wissen weiter - zum einen, um sinnvolle Entwicklungshilfe zu leisten, zum anderen, damit auch in Europa dieses alte Handwerk nicht vollkommen ausstirbt. Er setzt sich für ein "besseres Weben" ein, damit "der Weber nicht so leiden" müsse, die Produktion sich lohne und auch noch Zeit für andere Dinge bleibe. Seit 20 Jahren betreibt Andreas Möller seine eigene Werkstatt in Hamburg. Nach dem Abitur am Kreisgymnasium Bargteheide machte der in Südafrika Geborene eine Weberlehre und wurde bereits 1988 Bundessieger, diverse Auszeichnungen folgten - zuletzt 2010 der Ehrenpreis für sein Handtuch-Projekt.

Zwölf seiner speziellen Webstühle gibt es schon weltweit: in Burkina Faso, in Sierra Leone, in Estland, in Dänemark, in der Schweiz, in Kanada, auf Haiti und in Neuseeland. Sein nächstes Projekt soll ab August in Ghana starten. Möller mit einem Augenzwinkern: "So webe ich mir die ganze Welt um mich herum."

Andreas Möller ist von Donnerstag, 9., bis Sonntag, 12. Mai, jeweils von 11 bis 18 Uhr zu Gast beim Kunsthandfest in Barnitz. Am Freitag, 10. Mai, um 15 Uhr hält er einen Vortrag über "www - weltweit weben" bei Goldschmiedin Rea Högner an der Trenthorster Straße 5.

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