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Härtester Sport : Von Mollhagen nach Abu Dhabi

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein Stormarner Feuerwehrmann ist einer der 15 deutschen Teilnehmer bei der „World Firefighter Challenge“ in Abu Dhabi. Er geht mit der WM-Staffel am Start. Nach gut zwei Minuten ist der Wettkampf schon vorbei.

Christian Schütt ist einer der stärksten, schnellsten und fittesten Feuerwehrmänner Deutschlands. Am Sonnabend fliegt er nach Abu Dhabi, um dort bei der World Firefighter Challenge vom 15. bis 17. März sein Können unter Beweis zu stellen. „Ich gehöre noch lange nicht zur Weltelite, dafür bin ich nicht schnell genug“, meint der 28-Jährige aus Mollhagen bescheiden.

Doch wer sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert hat und sich dort mit Teilnehmern aus 20 Nationen misst, muss schon so einiges vorweisen können. Immerhin erreichte er im vergangenen Jahr in Berlin den 50. Platz bei 350 Teilnehmern, absolviert jetzt seinen 18. Wettkampf und ist einer der 15 deutschen Teilnehmer. „Ich bin immer noch genauso nervös wie beim ersten Wettkampf“, sagt Schütt. Und der war 2011 in den Vereinigten Emiraten.

Christian Schütt arbeitete dort als Feuerwehrausbilder und war auch bei Bränden im Einsatz. „Die deutsche Feuerwehr mit ihren vielen Freiwilligen Wehren ist weltweit die beste und sehr geachtet. Die Emirate holten uns, um von unserem Wissen zu profitieren“, erklärt der Mollhagener seinen zweijährigen Einsatz dort. „Zur Teilnahme an der World Firefighter Challenge in Abu Dhabi hat man mich damals quasi gezwungen“, erinnert sich der zweifache Vater, der bei seinen Wettbewerben tatkräftig von seinen Kindern, seiner Frau und den Kameraden der Mollhagener Wehr unterstützt wird.

Seitdem habe er „Lunte gerochen“ und nimmt jährlich an vier bis fünf Wettkämpfen teil. „Für mich ist die Weltmeisterschaft in Abu Dhabi quasi ein Heimspiel“, schmunzelt er. Der Familienvater, der sich seit seinem elften Lebensjahr in der Feuerwehr engagiert und als Beamter bei einer Hamburger Behörde arbeitet, weiß also, was es heißt, bei 30 Grad in voller Montur und mit Atemmaske und Schutzgerät anzutreten. „Ich erinnere mich an Einsätze bei 60 Grad – und kein Schatten in Sicht.“

Er hat sich bestens auf die Weltmeisterschaft vorbereitet, bei der sechs Stationen, die der Einsatz-Realität nachempfunden sind, in kürzester Zeit – bei Fehlern gibt es Strafpunkte – absolviert werden müssen: In voller Montur mit Atemschutzgerät (30 Kilogramm) mit einem 20 Kilogramm schweren Schlauchpaket auf einen zwölf Meter hohen Turm laufen, von dort aus eine Schlauchrolle (24 Kilogramm) herunterlassen, anschließend mit einem Spezialhammer ein 72 Kilogramm schweres Gewicht bewegen, dann einen Slalomlauf absolvieren und einen gefüllten Wasserschlauch 23 Meter weit ziehen und das Ziel treffen, abschließend eine Rettungsaktion mit einem Dummy ( 80 Kilogramm) über 30 Meter. Kaum zu glauben, dass die Durchschnittszeit für alle sechs Aufgaben bei zwei Minuten liegt.

„Ich schaffe es in 2,20 Minuten“, sagt der 1,94-Meter-Mann. Der Weltrekord ist 1,20 Minuten. Er hofft, in Abu Dhabi seine persönliche Bestzeit zu knacken und acht Sekunden weniger zu schaffen – wie sein Feuerwehrfreund Gerrit Feddern aus Barmstedt, der den Rekord mit 2,12 Minuten in Schleswig-Holstein hält. Beide bilden in Abu Dhabi gemeinsam mit zwei Feuerwehrmännern aus Baden-Württemberg und Bayern eine Staffel.

Schütt: „Die Staffel ist das adrenalingeladene Highlight.“ Zwei Minuten Wettkampf – und hinterher sei er so erschöpft, wie nach einem Zehn-Kilometer-Lauf. Nicht ohne Grund wird der Wettkampf als „ the toughest two minutes in sports ever“ bezeichnet. In Schleswig-Holstein gibt es nur fünf Teams, die für die Firefighter Challenge trainieren. Christian Schütt hofft, dass der aus den USA stammende Feuerwehrwettkampf auch in Europa noch populärer wird: „Unser Sport gewinnt langsam an Aufwind.“

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erstellt am 10.Mär.2016 | 06:00 Uhr

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