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Bad Oldesloe : Von gestürzten Fahrschülern und lebensgefährlichen Fahrzeugen: Tüv-Leiter fährt in den Ruhestand

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Nach 23 Jahren als Fahr- und Tüv-Prüfer kann Ralf S. Müller auf einige Kuriositäten zurück blicken: Vom Sturz in der Fahrprüfung bis zu verkehrt verbauten Bremsklötzen .

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 02.Sep.2015 | 06:00 Uhr

Seit mehr als 23 Jahren ist Ralf S. Müller das Gesicht von Tüv Nord in Bad Oldesloe, Mölln und Umgebung. Das wird sich nun bald ändern, denn nach rund 18.000 Haupt- und 13.000 Abgasuntersuchungen, mehr als 11.000 technischen Abnahmen und insgesamt mehr als 70.000 Führerscheinprüfungen geht er Ende September in den Ruhestand.

Die Tüv Nord Group ist mit über 10  000 Mitarbeitern einer der größten technischen Dienstleister und weltweit in 70 Ländern aktiv. Zu den Geschäftsbereichen gehören Industrie Service, Mobilität, IT, Bildung.

Sein Faible für Autos und Kfz-Technik entdeckte der heute 63-Jährige früh. „Damals, in der alten DDR, habe ich nach der Schule eine Lehre zum Kfz-Schlosser gemacht“, blickt Müller zurück. Anschließend ging es zur NVA, den Streitkräften der ehemaligen DDR. Mit der Wiedervereinigung wurde er beim damaligen Bundesgrenzschutz (BGS) eingestellt. Während seines Dienstes beim BGS kam er dann auch mit dem Tüv Nord in Kontakt und bewarb sich. Mit Erfolg.

Seit dem 1. Mai 1992 trägt er den blauen Kittel von Tüv Nord, der anfangs noch grau war. Zunächst übernahm er für sechs Jahre Fahrerlaubnisprüfungen zwischen Kiel, Lauenburg, Lübeck und Segeberg. „Einmal hatte ich einen Prüfling fürs Motorrad, der leider auf nassem Grund gestürzt war. Glücklicherweise hatte er sich nicht verletzt und fragte noch liegend ganz sachlich ‚Wann ist die nächste Prüfung?’“, erinnert sich Müller.

Mit den Erlebnissen seiner Fahrprüferzeit könnte er Bücher füllen. Anschließend ging er in den Außendienst und nahm die TÜV-Prüfung vor Ort in den Werkstätten ab. Mit dem neuen Jahrtausend übernahm er schließlich die Leitung der Tüv-Station Bad Oldesloe. Gut 13 Jahre verbrachte er an der Station am Rögen 40, bevor er vor zwei Jahren noch einmal nach Mölln wechselte. „Trotzdem war ich noch regelmäßig in Bad Oldesloe, weil ich weiterhin die technischen Abnahmen vornahm, für die man amtlich anerkannter Sachverständiger sein muss“, erklärt Müller.

Und auch an Geschichten aus seiner Zeit in den Prüfgassen in Bad Oldesloe und Mölln mangelt es ihm nicht. Zirka sechs Autos hat er in seiner Karriere komplett stilllegen müssen. Am besten ist ihm ein 7,5-Tonner in Erinnerung geblieben. „Als ich ihn auf der Bühne anhob, ist direkt der Spurstangenkopf rausgesprungen. Das hätte auch bei jeder Bodenwelle passieren können. Lebensgefährlich! Das Bauteil ist essenziell, um das Fahrzeug bei Fahrt in der Spur zu halten. Da wurde dem Fahrer auch mulmig“, so der Tüv-Experte.

Aber auch andere Kuriositäten, wie falsch herum verbaute Bremsklötze, brachten Müller immer wieder ins Staunen. „Aber egal, was es war: Ich musste nie groß mit den Kunden diskutieren, denn ich habe sie direkt unter das Fahrzeug geholt und es ihnen gezeigt und erklärt.“

Generell hat der Möllner Stationsleiter immer gern mit Menschen zusammengearbeitet. Viele seiner Kunden kennt er, seitdem sie den Führerschein gemacht haben. „Und dass mir die Kunden über all die Jahre immer treu geblieben sind, verschafft schon ein gutes Gefühl“, ist Müller stolz.

Vielleicht liegt es auch daran, dass der Tüv-Experte seinen Beruf immer mit großer Leidenschaft ausübte. „Manchmal waren die Kunden schon überrascht, wenn ich sie um 20 Uhr noch anrief, weil mir eine Idee zu ihrem Tuningvorhaben gekommen ist.“ Für den Auto-Fan nichts Besonderes. Seine Leidenschaft zeigt sich auch an seiner Sammlung alter Tüv-Andenken, wie seinen ersten Kittel, Schilder, Wimpel, Anstecker und noch mehr.

Ralf S. Müller war viel unterwegs. Mehr als 260.000 Kilometer sind dabei zusammengekommen. Und so ist es wirklich nicht verwunderlich, dass der Mann, der jeden Morgen drei Kilometer joggt, auch seine Zukunft nach dem Tüv nicht auf der Couch verbringen wird, sondern eher im Unruhestand ...

 

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