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Forschungsgegenstand Fisch : Von der Erdbeere zum Fischfutter

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Thünen-Institut feiert 50 Jahre Forschungsstandort Ahrensburg. Die Bedeutung der Aquakultur wächst weltweit

Karpfen sind im Grunde auch nichts anderes als schwimmende Erdbeeren. So oder ähnlich mag Reinhold von Sengbusch, damals Direktor des Ahrensburger Max-Planck-Instituts für Kulturpflanzenzüchtung, vielleicht gedacht haben, als er sich in den 1960er Jahren entschloss, mit diesem Speisefisch zu experimentieren. Zuvor hatte er sich unter anderem mit der Züchtung der Erdbeersorte Senga Sengana einen Namen gemacht.

Genervt hatte den renommierten Wissenschaftler und Fischliebhaber, dass Karpfen – eigentlich ideale Zuchttiere für die Aquakultur – so genannte Zwischengräten haben, die sich durch das Fleisch ziehen und den Fischgenuss erheblich schmälern. Diese müssten doch wegzuzüchten sein. Auf diese Weise kam der Forschungsgegenstand „Fisch“ nach Ahrensburg.

Offenbar verhalten sich Karpfen züchtungstechnisch störrischer als Erdbeeren. Sie haben noch immer Zwischengräten, und die Selektion grätenfreier Varianten ist in Ahrensburg schon lange ad acta gelegt – ebenso wie die Forschung an Erdbeeren und anderen Kulturpflanzen. Doch der Fisch als Forschungsgegenstand ist geblieben.

Seit genau 50 Jahren ist Ahrensburg Forschungsstandort für Fisch: Bis 1968 Sitz des Max-Planck-Instituts für Kulturpflanzenzüchtung, danach Übernahme in die Ressortforschung des Bundes. Der Bereich Aquakultur, hier verstanden als Produktion von Fischen in Zuchtbehältern, schwimmenden Käfigen oder Netzgehegen, kam zur Bundesforschungsanstalt für Fischerei und gehört seit 2008 zum Thünen-Institut, und zwar als Teil des Fachinstituts für Fischereiökologie.

Die Aquakultur ist ein immer wichtiger werdender Baustein zur Versorgung der Menschen mit tierischem Eiweiß. Der Fischreichtum der Meere ist endlich, und so stammen heute bereits fast 50 Prozent der auf dem Weltmarkt gehandelten Speisefische aus Aquakultur. Vorreiter ist dabei Asien. Doch so verlockend der Gedanke auch sein mag, Fische ähnlich wie landwirtschaftliche Nutztiere zu züchten und zu vermehren – die meisten Fische, die wir essen, sind Raubfische. Für ihre Fütterung wird wiederum Fisch gebraucht. Hier stellt sich für die Ahrensburger Wissenschaftler eine entscheidende Frage: Wie kann es gelingen, den Anteil an Fischmehl und Fischöl im Futter durch pflanzliche Komponenten zu ersetzen? Auch anderen Fragen widmen sich die Forscher um Prof. Ulfert Focken im Ahrensburger Institutsteil. Verstärkt in den Fokus der Arbeiten rücken wird künftig das Thema Tierwohl in der Aquakultur. Aktuell sind auch ökologische Aspekte bei der Integration von marinen Aquakulturanlagen in offshore-Windparks. Ein weiterer Schwerpunkt mit Blick auf die Binnenfischerei sind Untersuchungen zu Wanderfischarten, besonders dem Europäischen Aal, um wissenschaftliche Grundlagen für den Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung dieser wichtigen, aber gefährdeten Fischart zu erarbeiten.

Am Montag, 14. Oktober, begehen die Fischereiforscher des Thünen-Instituts das 50-jährige Jubiläum des Forschungsstandorts Ahrensburg mit einem Festakt. Neben Fachkollegen werden auch hochrangige Vertreter der Fischereiwirtschaft erwartet. Und wenn die Jahreszeit nicht dagegen spräche, würde es dabei vielleicht sogar Erdbeeren geben.

 

Kontakt: Außenstelle des Thünen-Instituts für Fischereiökologie Wulfsdorfer Weg 204, Telefon: (04102) 70860-15.

 

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erstellt am 12.Okt.2013 | 00:35 Uhr

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