Von Brutkästen im Gotteshaus

'Lebensraum  Kirchturm' - Nabu-Vorsitzender  Klaus Graeber und Pastor Diethelm Schark mit der Plakette. Foto: srp
"Lebensraum Kirchturm" - Nabu-Vorsitzender Klaus Graeber und Pastor Diethelm Schark mit der Plakette. Foto: srp

Nabu und Kirche machen gemeinsame Sache beim Umweltschutz / Drei Projekte in Angriff genommen

Avatar_shz von
12. Juni 2013, 03:59 Uhr

Bad Oldesloe | Was hat Kirche mit Naturschutz zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel, doch die Kirchengemeinde Bad Oldesloe hat sich jetzt ganz dem Schutz der heimischen Natur vor ihren Kirchentüren verschrieben. Der Oldesloer Naturschutzbund (Nabu) möchte künftig eng mit der Kirchengemeinde in Sachen Naturschutz zusammenarbeiten und hat bereits drei besondere Projekte in Angriff genommen.

Anstoß gab eine in die Jahre gekommene Traueresche hinter der Kirche, die bereits abgestorben ist und eigentlich hätte gefällt werden müssen. Doch Peter Parlowski hatte eine bessere Idee. Der Betriebsmeister der Kirchengemeinde ließ den mehr als 60 Jahre alten Baum stehen, und um der Verkehrssicherheit zu genügen, wurde die umgebende Wiese einfach mit einem Holzzaun abgesperrt. "Für den sterbenden Baum gibt es kaum einen geeigneteren Platz, als den alten Kirchhof, der früher Friedhof war", so Parlowski.

Diese Maßnahme rief auch Klaus Graeber auf den Plan. "Wir haben uns natürlich sehr über diese Eschenabzäunung gefreut", erzählt der Vorsitzende des Nabu, der daraufhin eine Kooperation mit der Kirchengemeinde in Sachen Naturschutz anregte. Die Zusammenarbeit erwies sich als außerordentlich fruchtbar, denn die Kirchtürme in Bad Oldesloe, Tralau und Rethwisch sollen nun zu Lebens- und Bruträumen für Vögel und Fledermäuse werden. Der Turm der Peter-Paul-Kirche wurde bereits mit drei großen Nistkästen für Turmfalken oder Dohlen bestückt und unter dem Dach des Kirchenschiffes wurden Brutkästen für Fledermäuse und Singvögel aufgestellt. "Die Tiere auf dem Kirchberg sollen auch ihr Lebensrecht bekommen", so Pastor Diethelm Schark.

Der Glockenturm und der Dachboden der Martin-Luther-Kirche in Tralau beherbergt Fledermäuse und Singvögel, so dass dort und auf dem Friedhof noch zusätzliche Nistkästen aufgehängt wurden. An der Christus-Kirche in Rethwisch erhalten Eulen, Mehlschwalben und Höhlenbrüter zusätzliche Brutmöglichkeiten. So viel Einsatz für den Naturschutz belohnte der Nabu jetzt mit einer besonderen Plakette "Lebensraum Kirchturm" und einer Urkunde für die Kirchengemeinde Bad Oldesloe. "Bisher hat der Nabu in Schleswig-Holstein erst neun Kirchen damit ausgezeichnet", so Klaus Graeber.

Ein weiteres Projekt ist die Pacht und Nutzung des Pastoratsgartens am Ufer der Beste, der viele Jahre verpachtet war und immer mehr verkam und vermüllte. Nachdem dann auch noch eine Laube abgebrannt war, haben Peter Parlowski und zwölf Nabu-Helfer zwei große Anhänger voller Müll und Brandschutt aus dem Grundstück entfernt. "Wir haben 50 Säcke Müll gesammelt, es ist erstaunlich, was man dort alles findet", sagt Graeber, der den alten Baumbestand möglichst erhalten und vielleicht einige Bäume etwas freistellen möchte, um noch Reste des alten Pastoratsgartens erkennbar zu machen.

Die Kinder der Naturschutz-Jugendgruppe (JUNa) erhalten nun die einmalige Gelegenheit, sich hier zu treffen, Beete anzulegen und kleine Naturschutzprojekte zu verwirklichen. "Wir könnten aus den Holzresten, die wir hier finden, ein Insektenhotel bauen", überlegt Margit Baumann, Leiterin der JUNa-Gruppe. Der Nabu sammelt noch Infos über die Geschichte des Pastoratsgartens. "Vielleicht können wir Strukturen einer alten Gartenanlage erkennbar machen oder die Salzquelle reaktivieren und Salzwasser pumpen", hofft Klaus Graeber. Denn am Ufer der Beste steht eine alte Pumpe, die wieder in Schuss gebracht werden könnte.

Diesen Sonntag kann der Pastoratsgarten von 15 bis 18 Uhr von Besuchern des Musikfestes auf dem Kirchberg besichtigt werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen