Vom Stofftiger bis zum schicken Brautkleid

Dörte Siebert, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Kleiderkiste, hat jede Menge Spiele, Bücher und sogar Schulranzen im Angebot.
Dörte Siebert, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Kleiderkiste, hat jede Menge Spiele, Bücher und sogar Schulranzen im Angebot.

Die Kleiderkiste bietet drei Mal in der Woche Second-Hand-Kleidung zu unschlagbar günstigen Preisen an

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11. Dezember 2014, 12:29 Uhr

Wer die Kleiderkiste im 1. Stock über dem Sky-Center in der Ratzeburger Straße 17 besucht, der wird nicht nur von freundlichen und hilfsbereiten Damen begrüßt, sondern auch von einem fast lebensgroßen Stofftiger, der es sich ganz oben auf dem Schrank mit den Schließfächern bequem gemacht hat. „Viele Kunden wollten ihn schon kaufen, aber unser Tiger ist unverkäuflich“, sagt Ilse Siebel, Leiterin der Kleiderkiste, die zum Verein „Essen für Alle“ (EfA) gehört und drei Mal in der Woche geöffnet hat. Bis zu 150 Kunden kommen pro Woche in den Kleidermarkt, der neben Kleidung und Schuhen auch Haushaltsgegenstände, Geschirr, Spielzeug, Bett- und Tischwäsche sowie viele Accessoires passend zur Weihnachtszeit im Angebot hat.

Im August konnte die Kleiderkiste ihre Verkaufsfläche auf nunmehr 235 Quadratmeter erweitern. Es gibt einen neuen Verkaufsraum für Damenbekleidung und auch die Herren haben inzwischen einen eigenen Raum mit Hemden, Hosen und Anzügen. Außerdem gibt es weitere Zimmer mit Tisch- und Bettwäsche, Kinderbekleidung, einen Raum für Schuhe und einen mit Geschirr, Spielzeug und Weihnachtsdeko – sogar ein rotes Weihnachtsmannkostüm kann erworben werden.

Manchmal können sich Ilse Siebel und ihre mehr als 30 ehrenamtlichen Helferinnen kaum noch retten vor Kisten, Säcken und Koffern voller Kleidung, Spielzeug und Haushaltsgegenständen. „Die Leute bringen uns gern ihre ausgedienten Sachen, denn sie wissen, dass bei uns nichts weg kommt und alles weitergegeben und weiterverwendet wird“, erzählt die Seefelderin. Manchmal ist der Inhalt der Kisten frisch gewaschen und ordentlich gebügelt, manchmal leider auch muffig und schmutzig. Dann müssen die Frauen, die im Lagerraum die Wäsche sortieren, auch mal zum Bügeleisen oder zur Bürste greifen. Die Preise für die angebotenen Waren sind äußerst knapp kalkuliert, obwohl die Kleiderkiste jetzt einen dreistelligen monatlichen Betrag für Miete an den Besitzer der Räume, die Coop in Kiel, berappen muss. „Trotzdem werden wir unsere unschlagbar niedrigen Preise nicht erhöhen“, verspricht Ilse Siebel, denn sie weiß, wie sehr ihre Kundschaft auf die Kleiderspenden angewiesen ist. „Wir kennen inzwischen fast alle unsere Kunden, darunter sind viele Groß-, Flüchtlings- und Migrantenfamilien. Aber bei uns darf natürlich jeder einkaufen. Wer einmal kam, kommt in der Regel auch wieder. Letztens hat sich eine syrische Flüchtlingsfamilie jede Menge Gläser, Geschirr und Bestecke geholt, weil sie hier einen neuen Hausstand gründen müssen“, betont die Seniorin. Eventuelle finanzielle Überschüsse gibt die Kleiderkiste an den Verein EfA zwecks Unterstützung sozialer Projekte weiter.

Was nicht verkauft werden kann, geht im Dreiwochenrhythmus in großen 40-Tonnern nach Moldawien, um dort Waisenkindern und mittellosen Senioren zu helfen. Und ein 60 Jahre altes Brautkleid - eine Rarität und Dachbodenfund - geht demnächst als Kostüm an den Verein „Bad Oldesloe macht Theater“. Wer noch preisgünstige oder urige Weihnachtsgeschenke sucht, zum Beispiel Spielzeug, Puppen oder Dekogegenstände, dürfte in der Kleiderkiste garantiert fündig werden. Besonders stolz ist Ilse Siebel auch ein fast neues und hochwertiges Hochzeitskleid, was die frisch gebackene Ehefrau eines Stadtverordneten nach der Hochzeit der Kleiderkiste schenkte. Inzwischen wurde es zwecks Trauung bereits ein Mal ausgeliehen und wird demnächst zum dritten Mal Hochzeit feiern.

Ab 7. Januar bietet die Kleiderkiste leicht geänderte Öffnungszeiten an. Neben die Vormittagsstunden am Dienstag und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr wird die Kleiderkiste mittwochs etwas später, nämlich von 16 bis 18.30 Uhr öffnen, um auch Berufstätigen den Einkauf zu ermöglichen.

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