zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

21. Oktober 2017 | 15:00 Uhr

Vom „Rackerberg“ zum Biotop

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ingo Hartung hat ein Buch über das Bargteheider Moor veröffentlicht: „Es gibt dort 197 Pilz- und 116 Vogelarten“

Unter älteren Bargteheidern ist eine Teilfläche noch als der „Rackerberg“ bekannt. Jahrzehntelang wurden dort im Bargteheider Moor Abfälle deponiert. Immer wieder entzündete sich der Abfall durch Verrottungshitze und die Feuerwehr musste ausrücken. Heute ist das Moor ein wichtiges Biotop mit vielen geschützten Tieren und Pflanzen. Darüber hat Ingo Hartung recherchiert und jetzt ein Buch veröffentlicht.

Intensiv hat er das Gebiet südlich des Hammoorer Wegs studiert. „Es gibt dort 197 Pilzarten, die alle unter Schutz stehen und 116 Vogelarten“, sagt er. Außerdem zählte er acht Amphibienarten, darunter Moorfrosch und Kammmolch und vier Reptilienarten wie Kreuzotter und Waldeidechse. 150 seltene Pflanzen und fast 700 Insektenarten sind Hartung ebenfalls aufgefallen. In den Gräben finden sich Muscheln und zuweilen nutzt ein Seeadler das Gebiet als Schlafplatz.

Das Bargteheider Moor ist vergleichsweise jung und erst vor etwa 900 Jahren entstanden, schätzt der Autor. Es sei durch Versumpfung entstanden. Heute ist es dem Untergang geweiht. „Die Kernfläche trocknet aus und verbuscht, der gewölbte Moorkörper sackt zusammen.“ In 20 bis 25 Jahren sei die etwa ein Hektar große Kernfläche verschwunden. „Der ökologische Wert des Gebiets bleibt aber erhalten“, sagt Bürgermeister Dr. Henning Görtz. Er hat Hartungs Projekt unterstützt.

1975 wurde der bis neun Meter hohe „Rackerberg“ geschlossen und mit einer Bodenschicht abgedeckt. Unter Luftausschluss bilden sich hier Deponiegase und Methan, weshalb ein Betreten der Fläche nicht erlaubt ist. „Die Qualität des Sickerwassers wird ständig kontrolliert“, sagt Görtz, „eine Ge-fahr besteht derzeit nicht.“

Etwa 125 000 Kubikmeter Abfall wurden hier verkippt, vor allem Hausmüll. „Die Entsorgung würde heute 2,5 Millionen Euro kosten“, schätzt Hartung. Ein Betreten des Moors ist wegen der komplizierten Eigentumsverhältnisse nur begrenzt möglich. Vom Wanderweg gegenüber der Firma „Unipool“ geht’s am Moor vorbei, eine Sackgasse zweigt links davon ab und führt hinein.

Auch über Moore allgemein schreibt der Verfasser. Hartung hat viele Fachpublikationen ausgewertet und sich auch mit dem radioaktiven Fallout nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl beschäftigt. Der sammelt sich besonders in Pilzen. Zumindest für die Region Bargteheide gibt er da Entwarnung: „Sie ist als radioaktiv unbelastet einzustufen.“

Das Buch hat 125 Seiten und zahlreiche Abbildungen. Als Hardcover ist es in der Arkaden-Buchhandlung in der Bahnhofstraße erhältlich, es kostet 18 Euro. Auf Bestellung ist es auch als fester Einband zu haben, dann kostet es 43 Euro. Bestellungen nimmt Ingo Hartung per Mail entgegen: ingo.hartung@gmx.de.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen