Voll digital: Oho soll umgerüstet werden

Klassische Handarbeit im Vorführraum: Heinz Wittern hofft auf gute Filme ab Mai 2011. Foto: Olbertz
Klassische Handarbeit im Vorführraum: Heinz Wittern hofft auf gute Filme ab Mai 2011. Foto: Olbertz

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03. Januar 2011, 11:10 Uhr

Bad Oldesloe | Der Rückblick auf das Kinojahr 2010 treibt Heinz Wittern, Chef des Oho-Kinos, die Sorgenfalten auf die Stirn: "Dieses Jahr war unterirdisch." Schneekatastrophe zu Beginn des Jahres, im Sommer eine Hitzewelle und dann auch noch die Fußball-WM, reißt er einige negative Rahmenbedingungen an. "Während der WM sind die Verleiher nicht mit einem einzigen Bundesstart rausgegangen", bemängelt der Kinobetreiber. Und wenn keine Filme auf den Markt kommen, kann er nichts zeigen. Das, was in die Kinos kam, konnte durchweg die Erwartungen nicht erfüllen. "A-Team und wie sie hießen - alles nur Durchschnittsware. Die stärksten Filme waren Eclipse und immer noch Avatar, obwohl der aus 2009 stammt. Rapunzel läuft zurzeit sehr gut", erklärt Heinz Wittern.

Damit ist in Grundzügen auch die hiesige Kinowelt skizziert. Heinz Wittern: "Oldesloe ist keine Action-Stadt - das läuft hier gar nicht." Bei Kinder- und Familienfilmen sei das Oho-Kino hingegen stark. Das wirke sich darauf aus, wann er Filme von den Verleihfirmen bekomme - große Blockbuster, die mit 700 Kopien starten, seien nicht schwierig. Aber Produktionen, wie beispielsweise Wallstreet, die der Verleih mit 300 oder gar nur 200 Kopien ins Rennen schickt, weil sich mehr nicht rechnen, da wird es schwierig. "Wenn du dann auf Rang 320 stehst, hast du ein Problem", so Wittern.

Er profitiert als kleiner Kinobetreiber von der großen Cinestar-Kette. Deren langjährige Geschäftsführerin Marlis Kieft stammt aus Zarpen. "Durch sie bin ich in die Kinobranche gekommen", erzählt der 50-Jährige. Erst sei er Vorführer gewesen, dann habe er das Oho-Kino von ihr gepachtet und schließlich gekauft. Von Marlies Kieft habe er einen wichtigen Tipp bekommen: "Du musst dafür sorgen, dass die Leute nicht nur einfach ins Kino gehen, sondern dass sie zu Heinz Wittern ins Kino gehen. Dann wirst du überleben."

Trotz aller Verluste in diesem Jahr blickt er optimistisch in die Zukunft. Der Jahresbeginn sei noch schwach, aber ab Mai kämen die gute Filme: Hangover II, Fluch der Karibik IV und das Harry Potter-Finale - "Wir haben viele gute Produkte am Markt", schwärmt Wittern. Und die will er 2011 in modernster Technik präsentieren. Das Oho soll digital ausgestattet werden. Die Umrüstung eines Saals schlägt mit 100 000 Euro zu Buche - drei Säle hat das Film-Center - das Geld muss erst mal eingespielt werden. Der Oldesloer hofft deshalb auf Zuschüsse vom Land. Wittern: "Die großen Ketten haben die Auszahlung der Mittel lange verhindert, aber jetzt wurde ein Weg gefunden." Bei der Antragstellung könnte es sich als hilfreich erweisen, dass im Oho-Kino nicht nur kommerzieller Mainstream gezeigt wird, sondern in Kooperation mit der VHS, dem Seniorenbeirat, der Migrationsberatung, Schulen oder der Hospizbewegung auch Filme zu sehen sind, die sonst nur in den Programmkinos der Großstädte laufen.

Server, Projektor und Leinwand - alles muss bei Umrüstung auf Digitaltechnik neu angeschafft werden. So ganz glücklich ist der Kinobetreiber damit nicht: "Die Industrie drückt uns da rein. Die Zahl der 35mm-Kopien wird immer weiter zurück gehen und auslaufen." Gleichwohl sieht er auch die neuen Möglichkeiten wie deutlich bessere Bild- und Tonqualität, Übertragung von großen Sportereignissen oder Konzerten und eben 3D.

Doch auch Filmen mit dreidimensionalen Effekten steht er etwas kritisch gegenüber. "Es wird jedes Jahr eine Handvoll Filme geben, bei denen sich das wirklich lohnt, aber es muss nicht jeder Kinderfilm in 3D geguckt werden", meint er. Gerade junge Filmfans seien mit den zusätzlichen Effekten schnell überfordert. Im 1. Quartal soll der Einstieg in die neue Kinowelt erfolgen. "Fluch der Karibik will ich in 3D zeigen. Die Pläne sind fertig, ich will da ran und muss jetzt zusehen, dass ich das finanziell gewuppt bekomme."

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