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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 08:40 Uhr

Bad Oldesloe : Vogelschießen ohne König

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bruch mit Tradition: Der Zeltbetreiber ist nach 70 Jahren nicht mehr bei der Feier auf dem Exer erwünscht.

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erstellt am 20.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Das klingt weniger nach Feststimmung als nach großem Knatsch. Das traditionsreiche und beliebte Oldesloer Vogelschießen soll ein „optimiertes Konzept“ bekommen. Das könnte sich für die bislang beteiligten Firmen nachhaltig negativ auswirken.

„Wir machen das Zelt beim Vogelschießen seit 70 Jahren. Ich jetzt in der dritten Generation, und mein Sohn hätte das bestimmt auch irgendwann übernommen. Aber jetzt gibt es einen neuen Verein und dessen erste Amtshandlung ist, uns rauszuschmeißen“, ist Zeltbetreiber Henning König verärgert: „Wir haben uns nie was zuschulden kommen lassen, haben immer viel Geld in die Kapellen und Geschenke für die Kinder investiert. Wir haben alles organisiert und jetzt sowas.“ Rolf Niehuesbernd, der seit 50 Jahren das zweite Zelt auf dem Exer betreibt ergänzt: „Jahrzehntelang gab es eine harmonische und konstruktive Zusammenarbeit mit den einzelnen Akteuren dieses besonderen Events in Bad Oldesloe.“

In einem schnöden Schreiben hat die Stadt König informiert, dass der Vogelschießerverein einen Koordinator mit der Ausrichtung der Veranstaltung beauftragt hat. „Bei Bedarf wird der Koordinator Sie für eine erneute Teilnahme gewinnen“, heißt es in dem Schreiben. Der Brief endet mit der Ankündigung, dass sich Schausteller und Zeltwirte, die sich nicht an diese Vereinbarung hielten, „der Fläche verwiesen“ werden.

„So geht man doch nicht mit langjährigen Partnern um“, findet Henning König. Koordinator ist der Zeltverleih Sesiani – da braucht es nicht viel Vorstellungskraft, um sich auszumalen, dass es für König und seinen Kollegen Rolf Niehuesbernd keinen Bedarf mehr geben wird. Henning König: „Früher haben wir noch Geld dafür bekommen, das zu machen. Dann kam der Bürgermeister und sagte, die Stadt sei klamm, ob wir das nicht auch alleine wuppen können. Inzwischen müssen wir Platzgeld bezahlen.“ Der Geschäftsmann macht aber auch keinen Hehl daraus, dass der Laden brummt und sich der Einsatz lohnt. „Es ist ja auch immer ordentlich was los“, so König.

Angeblich sollen auch die anderen Schausteller, die dort alljährlich für Jahrmarktatmosphäre sorgen, vor dem Aus stehen. „Wenn Sesiani das macht, kommt er doch mit seinem eigenen Stamm – ob Bierstand, Crèpes oder Wurstbude, das hat er doch alles an der Hand. Die wird er doch als erstes fragen“, so König.

Eines der betroffenen Unternehmen könnte Delikatessen Peters sein. Der Innenstadtladen ist seit ewigen Zeiten mit einer Wurstbude auf dem Vogelschießen. „Einfaches Angebot weil es schnell gehen muss. Nur Bratwurst oder Currywurst zum Sonderpreis, weil wir da wir wirklich Massen durchhauen. Getränke dürfen wir nicht verkaufen“, erklärt Christian Schmidt. „Mit der Stadt lief das immer wunderbar, die war sehr umgänglich“, sagt der Verkäufer. Dass es Änderungen geben soll, hat er auch schon gehört. Schmidt: „Nach meinen Informationen ist der neue Koordinator gehalten, Gespräche mit denen zu führen, die das schon seit Jahren machen. Bei uns hat er sich noch nicht gemeldet.“ Delikatessen Peters stehe natürlich wieder bereit, „wenn es bezahlbar bleibt“, schränkt Schmidt ein.

Bürgermeister Tassilo von Bary windet sich aus der Verantwortung. Früher gab es für die Organisation den Vogelschießer-Ausschuss. Die Stadt habe das Kinderfest nur übergangsweise für einige Jahre übernommen. Jetzt sei der Vogelschießer-Verein alleiniger Veranstalter. Die Verwaltung sei damit für das Fest und was damit zusammenhänge, nicht mehr zuständig. Der Verein habe zwei große zentrale Änderungswünsche: Organisation aus einer Hand und mehr Angebote für Familien und Kinder am Nachmittag.

Warum darüber nicht mit König und Niehuesbernd verhandelt worden ist, bleibt offen. Beide Unternehmer signalisieren Gesprächsbereitschaft. Von dem Schreiben an König und Niehuesbernd weiß er nichts: „Das war in meinem Urlaub.“

In einer Mail an die beiden Unternehmer stellt es Vereinsvorsitzende Sabine Prinz, Rektorin der Stadtschule, etwas anders dar: „In verschiedenen Arbeitssitzungen hat der Verein gemeinsam mit der Stadt Bad Oldesloe die Wünsche aller Beteiligten der Sitzung durchgesprochen und die Umsetzung vorbereitet. Hierzu gehörte von Seiten der Stadt Bad Oldesloe auch der Einsatz eines Koordinatoren für die Ausstattung des Festplatzes. Die Wahl dieser Koordinatoren liegt in den Händen der Stadt Bad Oldesloe als Eigentümer des Platzes.“

Noch im Februar hieß es im Sozialausschuss, als es um eine Neuausrichtung des städtischen Verantstaltungsmanagements ging, das Vogelschießen sei eine „Traditionsveranstaltung mit Bindungskraft für alle Generationen“ Es biete sich „zur Weiterführung durch das städtische Veranstaltungsmanagement an.“

Sabine Prinz war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ihre Stellvertreterin Meike Harder (KGS) wollte inhaltlich keine Stellung beziehen. „Wir werden uns erst äußern, wenn intern alle informiert sind. Wenn Menschen unzufrieden sind, müssen Gespräche geführt werden – ob das zu einer Änderung führt, kann ich nicht sagen.“ Am Montag tagt der Vogelschießer-Verein.

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