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Viele Probleme auf kleiner Fläche : Vivawald kritisiert Prüfbericht

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Bürgerinitiative nimmt mit ehemaligem Forstdirektor Waldflächen in Reinfeld genau unter die Lupe. die Initiative kritisiert Kahlschlag und Schäden durch schwere Maschinen.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2014 | 12:03 Uhr

Die Bürgerinitiative Vivawald setzt sich für die Wälder rund um Reinfeld ein. Die Mängelliste der Bürgerinitiative war so lang, dass im November eine außerplanmäßige Begehung rund um die Försterei Fohlenkoppel in Reinfeld stattfand, die von einer unabhängigen Zertifizierungsorganisation durchgeführt wurde. „Wir sind sehr erstaunt über den Bericht der Prüforganisation und die einseitige Darstellung durch die Landesforsten“, sagen Burghard Beese und Katrin Schweim von Vivawald. Es sei der Eindruck vermittelt worden, im Reinfelder Wald sei alles in bester Ordnung. „Das sehen wir anders“, betonen die Mitglieder der Bürgerinitiative.

Jetzt unternahm Vivawald zusammen mit Dr. Lutz Fähser, Leitender Forstdirektor a. D., eine erneute Begehung, um zu diskutieren, ob die Bewirtschaftung des Reinfelder Waldes in Übereinstimmung von FSC-Vorschriften und EU-Richtlinien stattfindet. Gemeinsam fand man viele Unklarheiten zwischen dem Bericht und den tatsächlichen Gegebenheiten im Wald. „Das haben wir der Zertifizierungsorganisation geschrieben und natürlich auch die Landesforsten und das Umweltministerium informiert“, sagt Katrin Schweim.

So formuliert der Bericht der Prüforganisation sechs „Anforderungen zur Korrektur“ und sechs „Beobachtungen“, die vom Forstbetrieb zu korrigieren sind. „Untersucht wurden aber nur einige Hundert Hektar Wald“, heißt es seitens der Bürgerinitiative. „Wenn man auf dieser kleinen Fläche schon zwölf Problemfelder erkannt hat und das auf die Gesamtfläche der Landesforsten von rund 50 000 Hektar hochrechnet, stehen wir vor erheblichen Problemen.“

So hat Vivawald wiederholt auf die Verletzungen und die Verdichtung des Bodens hingewiesen, die beim Rücken von Holz mit schweren Maschinen verursacht werden, was im Prüfbericht auch bestätigt wurde. An mehreren Stellen unterschreiten die Abstände der Rückegassen die vorgeschriebenen 40 Meter deutlich, was der Bericht ebenfalls vermerkt. Dass aber die geringen Abstände laut Vorschrift vorher hätten beantragt werden müssen, dazu sage der Bericht nichts, bedauert die Bürgerinitiative, die den Bericht auch in weiteren Teilen kritisiert: Obwohl es das Ziel des FSC sei, standortgerechte Wälder zu haben, die so weit wie möglich natürlichem Wald gleichen, würden in einigen Gebieten große Lichtungen geschlagen, in denen nun alte Bäume fehlten Entlang einer Bachschlucht, einem gesetzlich geschützten Biotop und alten Waldstandort, wurden die Hänge und ein Teil der Hangschulter kahl geschlagen und das Unterholz dabei zerstört. „Dazu enthält der Bericht keine Korrekturanforderung“, wundert sich Katrin Schweim.

Ein großes Defizit sieht Vivawald auch im Steinkampsholz, einem besonders geschützten Gebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union. Dort wurden auf einer Teilfläche alle älteren Bäume abgeholzt, was der Prüfbericht jedoch nicht beanstandet. Ersatzweise junge, dünne Bäume als Biotopbäume auszuweisen, darf in solchen Schutzgebieten nach FSC-Kriterien nicht vorkommen.

Zum Schluss gibt es aber auch Versöhnliches zu melden: „Wir haben uns sehr gefreut zu lesen, dass in Reinfeld neuerdings auch Rückepferde für den Abtransport des Brennholzes eingesetzt werden“, betonen die Mitglieder der Initiative. „Wir hoffen, dass das kein Einzelfall bleibt und künftig nach allen Fällungsarbeiten bodenschonend gerückt wird.“

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