Viele Vorwürfe, aber was ist wahr?

Justitia  vor dem Eingangsbereich des Amtsgerichts in Ahrensburg. Drinnen werden alle  Aussagen  genau abgewogen, und es wird Recht gesprochen. Foto: st
Justitia vor dem Eingangsbereich des Amtsgerichts in Ahrensburg. Drinnen werden alle Aussagen genau abgewogen, und es wird Recht gesprochen. Foto: st

Ein 18-jähriger Ahrensburger ist angeklagt wegen Raub unter Androhung von Gewalt, Fahrzeugdiebstahl und Beamtenbeleidigung

Avatar_shz von
01. September 2011, 07:27 Uhr

Ahrensburg | Wie schwer die Wahrheitsfindung zuweilen ist, zeigt ein aktueller Fall vor dem Amtsgericht Ahrensburg. Angeklagt ist der 18-jährige Mehmet K. (Name geändert) aus Ahrensburg. Das Gericht wirft ihm u.a. Raub unter Androhung von Gewalt, Fahrzeugdiebstahl und Beamtenbeleidigung vor. Dreimal soll er Opfer "abgezogen" haben. Dabei geht es um Beträge zwischen fünf und 15 Euro. Mehr als sechs Stunden dauert die Verhandlung, die am 13. September fortgesetzt wird.

Mehmets Vater hat inzwischen die Betreuung seines Sohnes übernommen. "Ich gehe ohne ihn nicht mehr aus dem Haus, höchstens Brötchen holen", sagt Mehmet. Weil er mehrfach versucht, Aussagen seines Sohns zu beeinflussen, muss der Vater die Anklagebank verlassen und im Saal Platz nehmen.

Zunächst tritt ein 16-jähriger Zeuge auf, der behauptet hatte, vom Angeklagten zum Ladendiebstahl gezwungen worden zu sein. Das Amtsgericht hatte das Verfahren gegen ihn vorläufig eingestellt. "Er hat mich mit einer Pistole bedroht und Geld verlangt", sagt der Zeuge. Nur deshalb habe er im Famila-Markt Elektronik im Wert von 200 Euro geklaut und wurde erwischt. Unter den Vorhaltungen des Staatsanwalts wird diese Geschichte immer unglaubwürdiger. Mehmet habe ihm eine silberne Kette weggenommen, mit einer Pistole bedroht und Geld verlangt, das er aus Angst durch den Diebstahl beschaffen wollte.

"Das alles haben sie vor der Polizei nicht ausgesagt. Was stimmt denn nun?", fragt der Staatsanwalt nach. "Bei der Polizei habe ich gelogen", gibt der 16-Jährige zu, der jetzt mit einem Verfahren wegen Falschaussage rechnen muss. Der Angeklagte Mehmet K. bestreitet den Vorwurf, es gibt auch keinen anderen Zeugen dafür. Auch bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei keine Waffe.

Ein weiterer Zeuge ist trotz Ladung nicht erschienen. Der Angeklagte habe ihn auf der Ladestraße am Bahnhof "abgezogen", hatte er ausgesagt. Erschienen ist nur seine damalige Freundin. Sie habe von Weitem gesehen, wie der Angeklagte in die Umhängetasche ihres Ex-Freundes langte. Er soll sich dabei fünf Euro angeeignet haben. "Dass er das freiwillig herausgab, schließe ich aus", sagt die junge Frau.

Mehmet sieht das anders: "Das Geld hatte ich ihm vorher geliehen." Er bestreitet auch die anderen Vorwürfe. Nur den Diebstahl eines Kleinkraftrads räumt er ein.

Sein Kumpan dabei - ein Oldesloer - sitzt inzwischen in Haft. Der hatte vor der Polizei ausgesagt, er sei nach Ahrensburg gefahren, um sich Haschisch zu besorgen. Am Bahnhof habe er den Angeklagten mit dem von ihm gestohlenen Roller getroffen. Der bot ihm die Beschaffung der Droge an. Tatsächlich kurvten sie nur mit dem Zweirad herum und stellten es schließlich bei McDonalds ab. Ein pensionierter Polizei- Beamter beobachtete das Duo, rief die Polizei. Die stellte die Diebe wenig später.

Der Angeklagte sieht das Geschehen dieses Tages weiderum ganz anders: Sein Kumpel habe nach einem Treffen das Fahrzeug aufgebrochen und ihn zur Fahrt eingeladen. Er sei lediglich auf dem Sozius mitgefahren.

Der Angeklagte macht es dem Gericht nicht einfach, wenn er andtwortet: "Dazu sage ich nichts." Der Sachverständige bemüht sich vergebens, Brücken zu bauen, "damit das Gericht Sie besser verstehen kann".

Mehmet K. hat hinreichend Bekanntschaft mit der Polizei gemacht. "Insgesamt 186 Mal ist er in irgendeiner Weise in Erscheinung getreten", sagt ein Polizeibeamter aus. Immer wieder war er bei Streitigkeiten und Ruhestörungen in der Nähe oder auch mal an Diebstählen beteiligt. "Er war Einpeitscher und Aufreizer", urteilt ein anderer Beamter, "schon als er nicht strafmündig war".

Sein Kollege hatte den Angeklagten nach einem Handtaschendiebstahl im Famila-Markt durchsucht. "Er war in unmittelbarer Tatortnähe", sagt er. "Dann bin ich ausgerastet", räumt der Angeklagte ein. Nachdem die Polizei ihre Ermittlungen zum Diebstahl abgeschlossen hatte, blockierte er den Einsatzwagen, stellte sich hinter das vorwärts eingeparkte Auto.

Als die Beamten ausstiegen, beschimpfte er sie. Konsequenz: Anzeige wegen Beamtenbeleidigung. "Eine Belehrung vor der Durchsuchung wäre wohl angebracht gewesen", kritisiert der Verteidiger das Vorgehen der Polizei in diesem Fall. Der Prozess wird am 13. September fortgesetzt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen