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Stormarner Tageblatt

26. September 2017 | 16:52 Uhr

Bargteheide : Viel Wind um den Lärm

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Chancen für den Bargteheider Bürgerwindpark am Glindfelder Weg schwinden. Die CDU stimmt gegen die Eintragung einer Dienstbarkeit, um zusätzliche Lärmbelastung zu verhindern.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Die Karten im Spiel um den Bürgerwindpark Bargteheide werden neu gemischt. Die Trumpfkarte „Dienstbarkeit“ wurde von der Verwaltung in der Sitzung des Stadtparlaments am Mittwochabend zwar gespielt. Sie hat bei Politik aber nicht gestochen. Damit ist die Möglichkeit, auf der 6000 bis 7000 m² großen Gewerbefläche im Windanlagen-Areal am Glindfelder Weg eine weitere gewerbliche Lärm-Quelle, wie berichtet, zu verhindern, vertan. CDU, WfB, FDP und eine Grüne stimmten gegen die Vorlage.

Daraufhin strahlten einige im Saal, anderen war zum Heulen zumute – wie Peter Anklam von der SPD: „Das ist das klassische Beispiel, wie die Energiewende kaputt gemacht wird“, erboste er sich mit Blick auf die CDU-Fraktion, für die ebenso Parteifreundin Susanne Danhier kein Verständnis hatte: „Nicht vorhandener Lärm lässt sie einknicken“, sprach sie Claus Christian Claussen ins Gewissen.

Der CDU-Fraktionschef hatte kurz zuvor die Beweggründe gegen die Einräumung einer Dienstbarkeit kundgetan. Der Sachverhalt sei heute anders, so Claussen. Das LLUR (das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, d. Red.) beziehe nun Vorbelastungen mit ein (Klärwerk, Bauhof). Die neuen „Anlagen machen mehr Lärm als bisher behauptet“. Die Grenzwerte seien nachts nicht einhaltbar. „Die Anlagen haben sich den Werten anzupassen, nicht umgekehrt.“ Aber genau das sieht er mit der Eintragung einer Dienstbarkeit im Grundbuch, die einer zusätzlichen Lärmquelle von 22 bis 6 Uhr einen Riegel vorgeschoben hätte. „Ich möchte nicht durch die Hintertür einen Windpark ermöglichen“, begründete Claussen das Nein. „Der Zweck heiligt nicht jedes Mittel“, verwies er auf den Anwohnerschutz.

„Bei anderen Unternehmungen mussten wir einiges ändern“, führte Danhier gegen Claussen ins Feld. Dabei könnten wir einen kleinen Beitrag zur Energiewende leisten. Der Windpark bleibe vielleicht erhalten, aber nicht mit Bürgern, sondern mit einem Investor – „sehr bitter“. Das findet ebenso Wiebke Garling-Witt, Grüne: „Wir geben heute das Gebiet für einen Investor frei. Gruselig, wie Sie mit der Verantwortung umgehen.“

Es gehe hier nur um 0,2 Dezibel mehr Lärm, merkte Andreas Bäuerle (SPD) an: „Dabei haben wir noch nicht die Dreifachvermessung“ zur Schallimmission der neuen Vestas-Windräder vom Typ V112. Die 3,3-Megawatt-Anlagen sollen, laut Hersteller, nicht mehr Lärm machen als 3,0 MW-Windräder – die neuen Werte könnten noch diesen Monat vorliegen.

Beim Betrieb von drei Rotoren im eingeschränkten Betrieb werden die Grenzwerte von 34 db(A) leicht überschritten – bei zwei Windrädern in Volllast aber unterschritten. Ob sich die Anlagen in dem Fall allerdings noch auszahlen, werde derzeit geprüft, sagte Bauamtschef Jürgen Engfer. Auch die Frage nach einer möglichen Beeinträchtigung des Denkmalschutzes (Barockpark Jersbek) sei völlig offen. Ein weiterer Punkt der Ungewissheit. Die Genehmigungsbehörde will bis Ende Mai entscheiden. Danach könnten die Karten wieder neu gemischt werden ...

 

 

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