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Stormarner Tageblatt

18. November 2017 | 05:47 Uhr

Lütjensee : Viel Rauch um nichts?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Waldspaziergänger sind über die „Zerstörung“ entsetzt. Förster Andreas Körber spricht von „normalen Maßnahmen“.

Wer im Hainholz spazieren geht, dem fallen die vielen Holzstapel auf, die am Wegesrand lagern. Auch Christiane Hinsch und Maria Lefevre sind öfter im Waldstück zwischen Hoisdorf und Lütjensee unterwegs und entsetzt von der Zerstörung, wie sie es nennen: „Wir meinen, dass hier viel zu viel Holz geschlagen wurde. Teilweise liegt es schon über ein Jahr im Wald wie ein Birkenstapel am Hauptweg. Und der Harvester hat den Waldboden völlig zerstört, der braucht Jahrzehnte, um sich zu erholen“, bemängeln die Frauen die Vorgehensweise.

Dicke Furchen zeugen in den Nebenwegen am Hauptweg Fuhrwegen von der Arbeit des Fahrzeugs und viele Holz- und Geäststapel lassen den Wald sehr unaufgeräumt wirken. „Es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld. Hier kommen Fußgänger, Kinderwagen und Reiter nicht mehr sicher durch“, kritisieren die beiden Hoisdorferinnen. „Wollen wir so mit unserem Wald umgehen?“ Die Frauen berichten von schonenden Möglichkeiten der Forstwirtschaft, wie sie im Harz und Schwarzwald ausprobiert werden und verweisen auf einen Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohllleben. „Waldwirtschaft geht auch anders. Es kommt uns hier besonders radikal vor.“

Der zuständige Förster Andreas Körber versteht die Aufregung allerdings nicht: „Das sind ganz normale Maßnahmen, die durch den milden Winter verzögert wurden. Wir schlagen Holz ,auf Vertrag’ , nichts bleibt ungenutzt“, erklärt er. Wenn „unbeliebtere“ Hölzer geschlagen werden müssen, um Platz für andere zu machen, geht dieses Holz, wie der beanstandete Birkenstapel, in die energetische Verwertung in Biomassekraftwerke. Der normale Ablauf sei im Herbst zu schlagen und bei Frost abzutransportieren. Nur Frost gab es in diesem Winter sehr wenig, so dass der Harvester mehr Furchen hinterließ und sich auch mal festgefahren hatte. „Aber es sind keine neuen Wege entstanden. Im Gegenteil, nach der FSC- und PEFC-Zertifizierung sind wir gehalten, bestimmte dauerhaft markierte Rückegassen immer wieder zu benutzen, um den Wald zu schonen. Die fallen diesmal nur mehr auf, weil der Boden so aufgeweicht war“, erläutert Körber. Er verweist auf regelmäßige Kontrollen.

200 Hektar groß ist das Hainholz. Zehn Prozent der Fläche sind im Sinne der schonenden Waldwirtschaft stillgelegt. Hier werden nur Sicherungsarbeiten durchgeführt. Fällt hier ein Baum um, muss er liegen gelassen werden, um zu verrotten. Die anderen 90 Prozent sind ein Wirtschaftswald. „Wir arbeiten nicht gegen, sondern mit der Natur“, betont Körber. Nach Pfingsten sind weitere Aufräumarbeiten und Abtransporte geplant. Wege werden für Spaziergänger wieder hergestellt.


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