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Viel Lob und wenig Kritik für die Gleichstellungsbeauftragte

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Jahresbilanz von Birte Kruse-Gobrecht: Frauen noch lange nicht gleichberechtigt behandelt

Ein besonders herausragendes Jahr für die Frauen in Deutschland erwähnte Stormarns Gleichstellungsbeauftragte Birte Kruse-Gobrecht in ihrer siebten Jahresbilanz. Die Einführung der Frauenquote sei zwar kein explizit Stormarner Thema, aber eines, dass auch auf Stormarn eine großen Einfluss haben werde. „Eine Quote allein bringt nichts. Sie muss überall und damit auch in Stormarn mit Leben gefüllt werden. Die Einführung kann ähnlich wichtig sein, wie es die Einführung des Frauenwahlrechts war“, sagte sie.

Daher habe sie diesen Punkt in ihre Bilanz aufgenommen, obwohl es kein rein lokales Ereignis darstelle. In Stormarn selbst seien die unterschiedlichen Frauennetzwerke und Aktionen auf einem sehr guten Weg. Man müsse aber immer weiter am Ball bleiben. Denn in der Lebensrealität würde sich immer wieder zeigen, dass Frauen eben noch lange nicht gleichberechtigt behandelt oder bezahlt werden.

Quer durch die Fraktionen gab es Lob für die engagierte Arbeit von Kruse-Gobrecht. Es sei in den letzten Jahren vieles entstanden und das zeige sich auch im ausführlichen, schriftlichen Bericht. „Besonders gut gefällt mir das Programm, mit dem Frauen für die Lokalpolitik fit gemacht und begeistert werden können“, so Sigrid Kuhlwein (SPD), Vorsitzende des Schul- und Kulturausschusses des Kreises. „Wir haben ja bereits eine Quote in unserer Partei. Leider kommt es aber manchmal zu der Situation, dass wenig Frauen da sind, die die Ämter auch besetzen könnten. Es wäre schön, wenn sich das ändert“, so Kuhlwein.

Deutliche Kritik kam von der FDP. Diese stieß auf hörbaren Applaus und Kopfnicken bei manchen Männern der CDU-Fraktion. „Wir finden, dass Gleichberechtigung immer beide Geschlechter beinhalten muss. Leider hören wir zu wenig über Programme, die sich an Jungs oder Männer richten. Es entsteht so der Eindruck, dass Gleichberechtigung nur Einsatz für Frauen bedeutet. Das ist falsch. Gleichberechtigung heißt ja eben gleichberechtigt. Wer sich nicht genau damit auseinandersetzt, könnte eine Benachteiligung von Männern empfinden“, so Thomas Bellizzi (FDP). So sei es auch bei der Quote. „Wir als FDP sind strikt gegen eine Quote. Das haben wir immer gesagt und das sagen wir auch jetzt. Das wissen Sie auch. So wie es jetzt auch wieder formuliert wird, entstehe der Eindruck, dass Männer um ihre Jobs fürchten müssen, weil sie mit Frauen besetzt werden sollen. Ich weiß, dass Sie das nicht so wollen und sehen. Aber es wird nicht richtig klar. Und wer sich nicht damit in der Tiefe beschäftigt, wird diesen Eindruck bekommen“, so Bellizzi weiter.

Dass angeführte Beispiel der Quote bei den politischen Ämtern der SPD zeige ja, dass es nicht so einfach sei. Genau dieser Hinweis sei der ungewollte Beweis, was gegen eine Quote spreche. „Außerdem finde ich es interessant, dass es aus den Reihen der SPD quasi fragend erwähnt wurde, ob der nächste Landrat nicht auch eine Frau sein könne. Ja, warum denn nicht? Da zeigt es sich doch. Wir würden als Landrat immer den geeignetsten Menschen vorschlagen. Wenn das eine Frau ist, ist das doch toll. Wird es wieder ein Mann, ist es auch okay“, sagte Bellizzi.

„ Ich stimme in einigen Kritikpunkten sogar mit Ihnen überein“, antwortete Birte Kruse-Gobrecht. „Tatsächlich ist es wichtig, auch Männer und Jungen im Blick zu behalten. Das liegt mir auch besonders am Herzen. Ich hätte das in meinem Bericht auch noch besser und prominenter herausstellen können“, gab die Gleichstellungsbeauftragte zu.

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erstellt am 29.Sep.2015 | 16:30 Uhr

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