Viel Gegenwind für möglichen Windpark

Sagt 'Nein' zu Windanlagen bei Hammoor: Ingeborg Dahlke in der   Diskussionsrunde. Fotos: Stolten
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Sagt "Nein" zu Windanlagen bei Hammoor: Ingeborg Dahlke in der Diskussionsrunde. Fotos: Stolten

Die Bürger von Hammoor haben gesprochen und im voll besetzten Mehrzweckhaus ein klares Votum gegen die Ansiedlung eines Windparks abgegeben.

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30. Januar 2009, 10:30 Uhr

Hammoor | Wer Wind sät, wird Sturm ernten: So war es bei der Einwohnerversammlung am Mittwoch abend im übervollen Mehrzweckhaus. Heiko Mescher und Dirk Kronziel, Projektleiter der Hamburger Firma e3, die liebend gerne bis zu 150 Meter hohe "Energie-Türme" auf Hammoorer Terrain platzieren würden, und selbst Bürgermeister Helmut Drenkhahn blies der Wind kräftig ins Gesicht.

Dabei zweifelte niemand an der Wichtigkeit der erneuerbaren Energiequelle, aber viele am Standort. "Die Sinnhaftigkeit wird nicht angezweifelt. Aber: Warum muss man die Dinger vor unser Dorf setzen?", so der Einwand eines Zuhörers. Andere stießen ins gleiche Horn: "Wir kämpfen seit Jahren für eine Umgehungsstraße und Schallschutzwände. Und jetzt noch die Windanlagen. Wir sind nicht glaubhaft." Für Hammoor sei das eine Katastrophe. Ein weiterer meinte: "In diese Anlagen müssen wir einsteigen. Aber warum diesseits der Autobahnen und nicht zwischen der A 1 und 21?"

Die mögliche Fläche (nördlich Hammoor/westlich A 21) war bereits 1997 Gegenstand von Gesprächen. Damals habe Hammoor aber abgewunken, meinte Drenkhahn. Doch nun habe bei zahlreichen Landbesitzern ein Umdenken stattgefunden.

Das Gros der Zuhörer befürchtet durch den Windpark auch heute einen Wertverlust ihrer Häuser. Zudem schlügen die in etwa 500 Meter Entfernung installierten Anlagen Schatten, seien unansehnlich und zu laut. Die Argumente wollte Dirk Kronziel anhand von Studien entkräften und auch der Bürgermeister versuchte, den Gegnern ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen ("ob die Anlagen kommen, ist noch gar nicht raus"). Aber so gänzlich trauten die Einwohner dem aufgetischten Braten nicht. Als Helmut Drenkhahn dann noch erklärte, dass er am Schipp horster Windpark in einer Entfernung von 500 Metern nichts von den Windrädern gehört habe, wurde er mit dem Vorwurf konfrontiert, die Windenergieanlagen, aus welchen Gründen auch immer, durchdrücken zu wollen.

Es gab jedoch auch gut 20 Befürworter. So meinte eine Mutter: "Man muss an die Zukunft denken. Wir wollen es warm haben und Strom nutzen. Dann müssen wir dafür auch bereit sein." Und ein junger Zuhörer sagte: Windenergieanlagen seien richtig. "Wir haben Glück, dass wir keine Kohle und keine Kraftwerke haben."

Obwohl es Helmut Drenkhahn am Anfang nicht wollte, ließ er am Ende dann doch über die Ausweisung einer Windenergiefläche abstimmen, um ein klares Bild zu erhalten. Die klare Windpark-Absage nahm er tags darauf mit in die Gemeindevertretetung. Bis zum 1. Februar braucht der Kreis die Rückmeldung, die er dann bis zum 1. März ans Land weiterleitet. Letztendlich entscheidet Kiel, welche befürworteten Bereiche ausgewiesen werden. Zielvorgabe: 1,0 Prozent der Landesfläche (bisher 0,8 % = 12 300 Hektar) soll als Windenergiegebiete ausgewiesen werden. Das entspricht einer Größe von 15 800 Hektar. Fehlen also landesweit noch 3500 Hektar.

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