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Bad Oldesloe : Viel Aufregung um eine CDU-Aussage

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Aygün Caglar empfiehlt indirekt, Bäume zu vergiften und löst damit heftige Kritik aus.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Eine Linde wurde in einem Neubau-Wohngebiet gepflanzt. Allerdings übersahen die Planer dabei, dass der Standort nicht sehr glücklich gewählt wurde, weil diese Linde bis zu 40 Meter hoch werden könnte und auch ihre Wurzeln sich dementsprechend entwickeln. So geschehen am Sachsenring in Bad Oldesloe. Anwohner sind seit Monaten besorgt, dass das Wurzelwerk nicht nur die Auffahrt weiter beschädigen könnte, sondern auch die umstehenden Häuser selbst. Sie fordern daher die Fällung der Linde. Auch eine ausufernde Esche ist in ihr Visier geraten.

Die Verwaltung hatte sich bereits vor Ort ein Bild der Situation gemacht. „Beide Anwohner möchten nicht länger von Wurzeln, Laub und Schatten der Linde beeinträchtigt werden. Gleichzeitig wollen sie aber auch keine der vorgeschlagenen Maßnahmen zur Reparatur dieser Schäden auf ihren Grundstücken akzeptieren“, so die Ausführungen. Die Mitglieder des Umweltausschuss machten sich daher ein eigenes Bild vor Ort. Sollte man der Empfehlung der Verwaltung folgen, die Bäume zu erhalten oder den Sorgen der Anwohner nachgeben? Die Meinungen darüber waren sehr unterschiedlich.

„Wir sollten die entsprechenden Bäume jetzt noch fällen. Eine Fällung wird problematischer, wenn sie noch weiter wachsen“, erklärte FBO-Vertreter Carsten Wirth, der selbst beruflich in der Forstwirtschaft tätig ist. Horst Müller von der CDU sah es ähnlich. „Wir sollten jetzt handeln, bevor die Schäden größer werden und womöglich Schlimmeres passiert. Bei der Linde wäre ich für eine Fällung, bei der Esche sehe ich das nicht ganz so. Aber lieber jetzt etwas tun, als immer wieder Reparaturen durchführen zu müssen“, war die eindeutige Meinung des Christdemokraten.

Die Sozialdemokraten sahen das ganz anders. „Es handelt sich um gesunde Bäume und die Schäden sind nicht mal eindeutig der Linde zuzuordnen. Wir können nicht anfangen, gesunde Bäume zu fällen. Wenn es jetzt heißt, wir nehmen jeden nicht mehr standortgerechten Baum runter, dann geht das immer so weiter. Die SPD folgt daher dem Vorschlag der Verwaltung. Die Bäume bleiben“, so Maria Herrmann deutlich.

Auch die Grünen sahen keinen Grund für eine Beseitigung der Pflanze. „Die Schäden werden behoben und gut ist. Die Bäume bleiben“, so Wilfried Janson. Und auch Hendrik Holtz von der Partei Die Linke bezog Position für den Baum. „Das würde ansonsten auch nur weitere Beschwerden von Anwohnern Tür und Tor öffnen. Das ist gewachsenes Leben. Das sollten und können wir nicht einfach töten“, sagte er.

Für große Aufregung sorgten die Aussagen von CDU-Mann Aygün Caglar. Bei der Begehung vor Ort war aufgefallen, dass zwei Bäume abgestorben und weitere erkrankt sind, die als Ersatz für bereits gefällte größere Bäume gepflanzt worden waren. Caglar hatte eine erstaunliche Erklärung dafür: „Wenn mich als Hausbesitzer so ein Baum stört und die Politik macht nichts, dann finde ich doch Wege, wie der Baum langsam stirbt. Nicht so auffällig, sondern was unauffälliges, vielleicht Säure oder irgendwas. Da muss man doch nur im Internet nachschauen“, so Caglar. Er könne diesen Gedankengang verstehen und würde es im Zweifel auch so machen, wenn es sein Garten wäre und ein Baum, der Schäden an seinem Grundstück anrichtet. „Ich mag Bäume und Natur. Aber wenn der Baum dort falsch ist, muss er doch weg. Als Besitzer wäre mir dann irgendwann egal wie“, sagte er.

Der ehemalige schleswig-holsteinische Justizminister und seit neuestem wieder Mitglied des Umwelt-Ausschusses, Klaus Klingner, zeigte sich höchst erstaunt über diese Aussage. „Das ist ja wohl ein offener Aufruf, Straftaten zu begehen“, sagte er kopfschüttelnd. Auch Herrmann war fassungslos. „Das kann ich nicht glauben. Das muss im Protokoll eindeutig vermerkt werden. Werden hier wirklich Bürger aufgefordert, so zu handeln?“, fragte sie laut.

Die Aussagen Caglars wurden ins Protokoll eingetragen und könnten sogar noch juristische Konsequenzen nach sich ziehen, sollten Bürger diesem Tipp folgen. „Wir haben immer wieder Beschädigungen an Bäumen und anderen Pflanzen. Wir müssen deutlich machen, dass das auch ganz einfach eine Sachbeschädigung ist und dass wir diesen Dingen in Zukunft auf den Grund gehen, mit allen Konsequenzen, die das dann für die Verursacher haben kann“, verlangt Herrmann. Mit den Stimmen von Grünen und SPD wurde entschieden, dass die Bäume nicht gefällt werden und die entstandenen Schäden auf Stadtkosten beseitigt werden sollen.


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