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Stormarner Tageblatt

18. August 2017 | 15:08 Uhr

Ahrensburg : Videokunst aus der Röhre

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Eine Doppel-Ausstellung im Ahrensburger Marstall und der Trittauer Wassermühle widmet sich der Videokunst.

Ein junger Mann sitzt vor einer Spielekonsole. Die Kamera ist auf sein Gesicht gerichtet. Was auf dem Bildschirm vor ihm passiert, sehen wir nicht. Nur, dass es offensichtlich ein Star-Wars-Spiel ist, das ihn in seinen Bann zieht, lässt sich an der Musik erkennen. Er „durchleidet“ minutenlang die Höhen und Tiefen eines Videospiels. Das filmische Ergebnis dieser Aufnahmen ist eines der Kunstwerke der Ausstellung „Bewegte Bilder“, die am 26. Oktober im Ahrensburger Marstall und im Atelier der Trittauer Wassermühle parallel eröffnet wird.

Auf die Beine gestellt wurde das Projekt von der Sparkassen Kulturstiftung gemeinsam mit dem Kurator und Künstler Jorn Ebner. „Damit betreten wir Neuland. Video- und Filmkunst gab es in Stormarn in dieser Form noch nicht zu sehen“, erklärt die Referentin der Kulturstiftung, Katharina Schlüter. Von vielen Menschen werde Videokunst immer noch ein wenig stiefmütterlich behandelt oder so, als sei sie gerade erst als neuer Trend aufgekommen. „Das ist im Prinzip erstaunlich, weil die ersten stilbildenden Werke dieser Art bereits in den 1960er Jahren entstanden. So jung ist diese Richtung also wirklich nicht mehr“, sagt Ebner, der in diesen Tagen noch mit dem Aufbau und der Installation der Werke der neun ausstellenden Künstler beschäftigt ist.

Natürlich sei die Kunstform im Vergleich zu klassischen Werken deutlich jünger, was aber nicht bedeute, dass sie auch hauptsächlich ein jüngeres Publikum anspreche. Im Gegenteil. „Man denkt ja oft auch, dass mit diesem Medium junge Menschen eher erreicht werden, als mit Malerei. Aber das ist eigentlich nicht so. In der Schule wird noch sehr häufig ein sehr traditionelles Kunstverständnis unterrichtet. Da gibt es dann Bilder von Monet, Picasso und vielleicht etwas Popart. Videokunst kommt selten vor. Daher besteht dort oft wenig Bezug“, bedauert Ebner. Schüler seien daher manchmal erstaunt und fragen, ob das denn überhaupt Kunst sei. In Zeiten, in denen viele Jugendliche selbst mit ihren Smartphones täglich Filmchen und Videos drehen, haben sich die Sehgewohnheiten allerdings auch tatsächlich enorm verändert. Angesichts einer über 50-jährigen Geschichte der Video-Kunstform, scheint eine eigenständige Ausstellung allerdings vielleicht auch gerade daher tatsächlich überfällig. Die Frage ist, wie so oft: Wo fängt Kunst an? Was muss Kunst können?

„Es geht uns bei dieser Ausstellung gerade darum, zeitgenössische Kunst in dieser medialen Form zu zeigen, um dafür ein Forum zu schaffen und auch die Aufmerksamkeit der Stormarner auf sie zu lenken. Das Ganze eben abseits von Skulpturen und Malerei. Jetzt müssen nur noch möglichst viele Besucher kommen“, erklärt Schlüter die Motivation der Organisatoren.

In der Videokunst geht es oft um die Auseinandersetzung mit dem technischen Material und der Art Darstellung der Werke selbst. Genau das ist auch für Ebner ein entscheidendes Thema. „Wir haben Projektionen, aber auch alte Röhrenfernseher, Youtube-Filme und die 16-mm-Rolle“, sagt er. Für ihn sei es aus Künstlersicht unverständlich, warum eine Darstellungsform wie eine hochauflösende HD-Projektion immer die alten Formen ersetzen müsse. „Ich finde dieses Nebeneinander reizvoll.

Manche Videos funktionieren besser auf den alten Bildschirmen, die eine gewisse Unschärfe haben. Andere Werke leben von der Kühle der scharfen Projektionen, auf denen man alles genau erkennt. Warum muss eine Veränderung oder Erfindung im technischen Bereich immer das Vorhandene verdrängen?“, fragt sich Ebner.

Für den Besucher der Ausstellung in der Wassermühle und im Marstall – auch diese Parallelität ist eine Premiere – bietet sich eine multimedilale, audiovisuelle Reise durch die unterschiedlichen Darstellungsformen der Stilrichtung, aber auch der geographischen Verortung des Gezeigten. Vom Petersdom in Rom über einen Flughafen und Menschen , die durch eine irische Stadt laufen, bis hin zum Konsolen-Spiel-King in London – der Bogen spannt sich. „Auch wenn manche gezeigten Werke nicht narrativ sind, habe ich beim Aussuchen der Künstler darauf geachtet, dass sie sich mit dem Kino an sich auseinandergesetzt haben“, so Ebner. Im Bereich der Videokunst sei der Übergang zum Experimental- und Konzeptfilm schließlich oft fließend. Jetzt bleibt abzuwarten, ob die neugierigen Kunstfans im Kreis bereit sind, sich auf diese Medienschau einzulassen.

Eröffnung der Ausstellung im Ahrensburger Marstall, Sonntag, 26. Oktober, um 11.30 Uhr mit Landrat Klaus Plöger, anschließend um 14 Uhr in der Wassermühle Trittau.

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erstellt am 23.Okt.2014 | 12:23 Uhr

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