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Schüler-Workshop Thema Datenschutz : „Verzicht ist auch keine Lösung“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz diskutiert mit Oldesloer Schülern über Daten im Internet und deren Missbrauch: „Ich bin öffentlich ganz privat“.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 06:00 Uhr

Wenn der Bundestagsabgeordnete und Obmann im NSA-Untersuchtungsausschuss Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen) auf das Thema Facebook angesprochen wird, äußert er eine klare Meinung. „Ich halte gar nichts vom Geschäftsmodell, das Facebook betreibt. Ich habe viel mit den Lobbyisten von denen zu tun, und es geht denen ganz klar nur um den wirtschaftlichen Nutzen“, sagte er dann auch, als er in einer großen Diskussionsrunde in der Oldesloer Ida-Ehre-Schule auf dieses Thema angesprochen wurde.

50 Schüler hatten sich in Workshops mit dem Thema Datenschutz im Internet auseinander gesetzt und unter dem Motto „Ich bin öffentlich ganz privat“ Thementafeln erstellt. In einer Diskussionsrunde konnten sie von Notz eine Stunde lang Fragen stellen. Eingeladen hatte der Kreisjugendring Stormarn zu dieser besonderen Veranstaltung. Schnell waren die Themen auf dem Tisch, die die Schüler der Oberstufe – mittlerweile alle „Digital Natives“ die mit dem Internet aufgewachsen sind – auf den Nägel brennen. Das ging von persönlichen Problemen wie der Frage danach, ob Snapchat Bilder speichert oder nicht, über eher moralische Diskussionen bis hin zu den Fragen der Zukunft des Internets. „Ich finde das Internet an sich eine tolle Sache. Irgendwelche Grenzen sollte man dort auch nicht einführen“, stellte sich Notz gegen den Vorschlag, dass man Facebook einfach die Datenwege nach Deutschland abschneiden könnte.

„Allerdings ist es eine interessante und wichtige Frage, ob dieser Datenaustausch quasi einem Handel gleichzusetzen ist“, so von Notz. „Whatsapp wird für 29 Milliarden aufgekauft, hat aber nur 37 Mitarbeiter, weshalb die Wettbewerbsaufsicht gar nicht so genau hinschaut. Da läuft was schief“, so von Notz.

„Es wäre schon allen geholfen, wenn Unternehmen wie Google oder Facebook Steuern zahlen müssten. Oder wenn man sagt, dass sie es hier in Deutschland müssten. Wenn dann der nächste Facebook-Manager landet und es wurden keine Steuern bezahlt, wird er verhaftet“, schlug von Notz vor, der ankündigte, dass seine Partei ein Gutachten über den wirtschaftlichen Wert von Datentransfers in Auftrag geben wolle.„Daten sind das Rohöl des 21. Jahrhunderts. Das ist vielen Unternehmen in dem Bereich klar.“

Manche Schüler wollten wissen, was der Bundestagsabgeordnete von dem Hacker-Netzwerk Anonymous hält, das sich nicht nur den Online-Kampf gegen den IS auf die digitalen Fahnen geschrieben hat. „Man weiß nicht, wer hinter Anonymous steckt. Die deutsche Facebook-Seite ist von Rechtspopulisten unterwandert. Das hat was von Pegida. Davon kann ich nur abraten. Ansonsten ist das anonyme Handeln auch kompliziert. Man weiß ja nicht, wen man dort unterstützt“, warnte er.

Allgemein gelte für Onlinenetzwerke aus seiner Sicht generell, dass Verzicht keine Lösung sein dürfe. „Was legal erreicht werden kann, sollte auch relativ sorgenlos genutzt werden dürfen. Dafür setzt ich mich ein.“

 

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