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Stormarner Tageblatt

18. November 2017 | 18:53 Uhr

Ahrensburg : „Vertrauen ist der Schlüssel“

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Verein für Schulbegleitung in Stormarn zieht eine positive Bilanz – und sucht weitere Mitstreiter

von
erstellt am 26.Okt.2017 | 06:00 Uhr

„Je früher die Schüler Unterstützung erhalten, desto größer ist die Möglichkeit, das Schulleben aller positiv zu beeinflussen“ heißt es auf der Seite des Vereins für Schulbegleitung in Stormarn. Der war im Oktober 2009 von Eltern, Schulleitern und Lehrern für das Einzugsgebiet des Ahrensburger Förderzentrums gegründet worden, das für Grund- und weiterführende Schulen – außer Gymnasien – auch in Großhansdorf und Hoisdorf zuständig ist.

Ziel des gemeinnützigen Vereins, der sich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert, ist es, Kinder mit „herausfordernden Verhalten“ zu unterstützen, die keinen Anspruch auf eine Begleitung nach dem Jugendhilfegesetz haben. Landesweit hat laut Landesrechnungshof jedes vierte Kind Probleme in der Schule.

Bei Autismus oder dem Asperger-Syndrom werden Assistenzen gewährt, weil die gesetzlichen Voraussetzungen einer Behinderung vorliegen. Das ist bei Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität oder psychischen Störungen nicht der Fall. „Diese Kinder, die zum Beispiel aufgrund einer schwierigen Lebenssituation ihr Verhalten nicht angemessen steuern können, gab es schon immer“, sagt Gabriele Haase-Umbach. Die Sonderpädagogin der Fritz-Reuter-Schule hatte den Verein 2009 mitgegründet und ist seitdem die Vorsitzende.

2011 waren sechs Schulbegleiter im Einsatz, zurzeit sind es zehn, „und ich könnte auf Schlag mehr einsetzen, habe aber weder das Geld noch die Leute“, sagt die 59-Jährige. Trotzdem sucht der Verein ständig neue Mitstreiter. Die Arbeitszeit bei dem 450-Euro-Job beträgt monatlich 14 Stunden am Vormittag und passt deshalb gut zum Alltag mit Schulkindern.

Weil die Begleiterinnen natürlich auch für die Aufgaben qualifiziert werden, haben sie zurzeit durchaus gute Chancen auf einen Schulassistenten-Job, Wer mehr arbeiten möchte, ist dann auch mal schnell weg. „Der Markt ist leergefegt“, sagt Gabriele Haase-Umbach. Trotzdem zieht sie ein positives Fazit: „Es wurden schon zahlreiche Schüler professionell begleitet. Die Schulgemeinschaft, die Eltern und die Kinder selbst wissen dieses Angebot sehr zu schätzen.“

„Gerade in dem Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung ist Inklusion in vielen Fällen nur mit einer guten Schulbegleitung machbar“, sagt Birgit Graumann-Delling, Schulleiterin in Bünningstedt. Vorrangiges Ziel sei es, die Schüler zu befähigen, selbstständig das Lern- und Arbeitsverhalten sowie ihre Sozialkontakte so zu gestalten, dass alle eine gute Schulzeit haben, beschreibt Kinder- und Jugendpsychiaterin Jeska Baack das Ziel, die 2. Vereinsvorsitzende ist. Die Schulbegleiterinnen empfänden ihre Arbeit als Herzensaufgabe. Gemeinsam mit den Eltern werde eine positive Beziehung zur Schule entwickelt und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt.

Bei den Problemschülern handelt es sich meistens um Jungen, im Betreuer-Team gibt es „aber leider nur einen Mann“, bedauert Gabriele Haase-Umbach. Gerade bei Jugendlichen fehle die notwendige Distanz bei gleichzeitigem Haltgeben, sagt Herbert Tietz: „Vertrauen ist der Schlüssel, mit dem man viele schwierige Schulsituationen gut meistern kann.“

„Finanziell handelt es sich um einen Mini-Job, emotional aber um eine sehr bereichernde Herausforderung, die uns im Team wachsen lässt. Hinhören, beobachten, verstehen, Ressourcen finden und so allen das Schulleben zu erleichtern, macht einfach Spaß“, sagt Sylvia Sommerkamp, die seit der Vereinsgründung begeistert dabei ist.

Für die Arbeit brauche man Beharrlichkeit, Geduld und viel Empathie, so Daniela Bürger. Umso schöner sei es, wenn es sich am Ende bezahlt macht. „Wobei es auch nicht so leicht ist, ein Kind gerade dann loszulassen, wenn es nun endlich richtig gut läuft.“ Anja Franz lobt vor allem den Austausch im Team und die Unterstützung durch den Vorstand sowie durch Fortbildungen. „Man fühlt sich mit seiner Arbeit am Kind nie allein gelassen“, so Anja Franz.

Der Verein sucht ständig und dringend Personen, die sich auf die Anforderungen einlassen wollen und ins Team passen. Informationen zur Arbeit des Vereins finden sich auch auf der Homepage www.schulbegleitung-stormarn.de.

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