Bargteheide : Verteidiger legt Revision ein

Nach den tödlichen Schüssen auf seine Ex-Freundin war der Täter geflüchtet, später in Ammersbek gefasst worden. Im November wurde Sven S. vom Schwurgericht in Lübeck zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Verteidiger hat jetzt Revision beantragt.
Nach den tödlichen Schüssen auf seine Ex-Freundin war der Täter geflüchtet, später in Ammersbek gefasst worden. Im November wurde Sven S. vom Schwurgericht in Lübeck zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Verteidiger hat jetzt Revision beantragt.

Der Bargteheider Mordfall geht nach der Urteilsverkündung Ende November nun in die nächste Runde.

shz.de von
04. Januar 2018, 06:00 Uhr

Der Prozess dauerte fast ein Jahr, wurde wegen eines Verfahrensfehlers zwischenzeitlich unterbrochen und dann wieder neu aufgerollt - eine Geduld- und Nervenprobe für die Eltern und Angehörigen der jungen Frau, die im August 2016 von ihrem ehemaligen Freund mit drei Schüssen niedergestreckt und getötet wurde. Sven S. aus Bargteheide war angeklagt, seine ehemalige Freundin Svea T. getötet zu haben. Er lockte die junge, lebenslustige 28-Jährige mit einer List in seine Wohnung und eröffnete das Feuer auf sie. Getroffen von drei Schüssen verstarb sie noch am Tatort. Sven S. meldete sich anschließend bei der Polizei und gestand am Telefon die Tötung seiner Ex-Freundin, flüchtete dann aber. Gestellt wurde er von einer Spezialeinheit der Polizei in dem Auto eines Bekannten auf einem Campingplatz in Ammersbek. Das Opfer arbeitete auf dem Erdbeerhof Glantz in Delingsdorf und war bei allen äußerst beliebt, war als hilfsbereite sympathische junge Frau und Pferdeliebhabern bekannt. Ihr Tod erweckte große Anteilnahme, die bis heute anhält.

Die Verteidigung plädierte auf Totschlag, die Staatsanwaltschaft auf Mord. Während des endlos langen Prozesses ging es darum, ob der mehrmals vorbestrafte Gerüstbauer und Bodybuilder, der bereits eine fünfjährige Haftstrafe abgesessen hatte, aus niederen Beweggründen und vorsätzlich handelte oder im Affekt auf Svea T. schoss. Über 40 Zeugen wurden gehört. Der Angeklagte äußerte sich im Gerichtssaal nicht zu seiner Tat, schrieb aber Briefe an die Eltern des Opfers. Das Urteil wurde am 30. November letzten Jahres im Lübecker Landgericht verkündet. Der vorsitzende Richter Christian Singelmann verurteilte den 36-Jährigen zu einer lebenslangen Haftstrafe und sah die für einen Mord relevanten Motive Heimtücke, Vorsatz und niedere Beweggründe als erwiesen an.

Stichwort: Berufung - Revision

Berufung und Revision sind Rechtsmittel, die binnen einer Woche nach der Urteilsverkündung eingelegt werden können.  Mit ihnen können Urteile angefochten werden.  Die nächsthöhere Instanz  entscheidet anschließend nochmals über den Fall.

Mit einer Berufung können Urteile des Amtsgerichtes der ersten Instanz angefochten werden. Dabei erfolgt nochmals eine Überprüfung des gesamten Falles in einer Gerichtsverhandlung im Landgericht. Es besteht die Möglichkeit, noch nicht bereits verwendete Beweismittel und Tatsachen anzuführen.

Bei einer Revision  wird davon ausgegangen, dass Fakten und gewonnen Kenntnisse über den Fall richtig sind. Es findet keine Tatsachenfeststellung mehr statt. Geprüft wird nur, ob die juristische Bewertung des Falls korrekt ist und ob es während des Prozesses zu  rechtlich relevanten Fehlern gekommen ist. Bei erstinstanzlichen Urteilen des Landgerichts    – wie in dem Bargteheider Mordfall –, die vor  der großen Strafkammer oder  vor dem  Schwurgericht verhandelt wurden,  bleibt als rechtliches Mittel nur die Revision zum Bundesgerichtshof. Eine Berufung ist in diesem Fall nicht möglich.

Doch zur Ruhe kommen die Eltern und Angehörigen der ermordeten Svea T. noch immer nicht. Denn Verteidiger Dr. Jan Markus Schulte aus Kiel legte nun Revision gegen das Urteil ein. Weil der Pflichtverteidiger langfristig erkrankt war, musste der Prozess komplett neu aufgerollt werden. Der Angeklagte hatte immer wieder auf einen neuen Verteidiger gedrängt. Dr. Schulte hatte auf zeitlichen Totschlag plädiert und dem Gericht die Entscheidung über das Strafmaß überlassen. Bei einer Revision wird die Entscheidung des Gerichtes auf Rechtsfehler überprüft, jedoch wird der Fall nicht erneut aufgerollt. Der Bundesgerichtshof (BGH) muss nun entscheiden, ob er der Revision stattgibt. Sollte es tatsächlich zu Verfahrensfehlern gekommen sein, wäre es möglich, dass der Fall an das Landgericht – vermutlich sogar das in Lübeck - zurückverwiesen wird. Verhandeln müsste dann allerdings eine andere Strafkammer. Lehnt der BGH allerdings den Antrag der Verteidigung ab, wird das Urteil rechtskräftig und Sven S., der sich bis dahin noch in U-Haft befindet, muss seine Haftstrafe antreten.

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