Stormarner Wochenschau : Verstand ist auch keine Lösung

Karikatur: Wiedenroth
Karikatur: Wiedenroth

Unser Rückblick auf die Fußgängerzone, den Kita-Streik und die S4.

Andreas Olbertz. von
30. Mai 2015, 12:00 Uhr

Geht das?

Ach da isser ja wieder – ein alter Bekannter tauchte jetzt erneut im Hauptausschuss auf: Autos raus aus der Oldesloer Fußgängerzone. Eine Forderung mit einem soooo langen Bart.

Der gesunde Menschenverstand sagt: Es geht nur eines, Autos oder Fußgängerzone. Okay, vereinzelt mögen Ausnahmen Sinn machen, aber in Oldesloe scheinen Autos mittlerweile fast die Regel zu sein.

Der gesunde Menschenverstand würde sagen: Da muss mehr kontrolliert werden, dann hat sich das bald erledigt. Leider ist es in der Realität nicht so einfach. Polizei und Verwaltung schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu: Der eine kann nicht kontrollieren und schuld ist jeweils der andere. Salopp gesagt.

Der gesunde Menschenverstand sagt: Da muss sich doch eine Lösung finden lassen. Vernünftige Beschlüsse, die mit entsprechenden Pollern untermauert werden. Dann sind regelmäßige Kontrollen möglich und schon sollte sich das Problem zügig gelöst haben. Theoretisch. Praktisch wird es an zahlreichen Widerständen scheitern. Die Omas, die sich nicht mehr am Laden abholen lassen können. Die Besoffenen, die nicht mehr vor der Kneipe ins Taxi gehievt werden können, Paketboten, Lieferanten, Handwerker, Fußlahme und Gehfaule – sie alle werden was dagegen haben. Nicht zu vergessen, die Kaufleute, die um ihre Existenz fürchten. Ganz zu schweigen davon, dass es natürlich auch noch politische Verwirbelungen geben kann, wenn sich erst mal eine Fraktion positioniert hat. Aber wie heißt es so schön: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Es muss halt nur eine Mehrheit geben, die bereit ist, ihn zu gehen.

Bequem

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Manche behaupten sogar, dass eine der negativsten Eigenschaften des prinzipiell vernunftbegabten Zweibeiners die Fähigkeit ist, sich auch an üble Sachen zu gewöhnen und sie normal zu finden. Stimmt irgendwie, wie hätte man sonst TV-Dinner erfinden können. Aber der Mensch gewöhnt sich nicht nur an das Schlechte, sondern viel lieber an das Gute und Bequeme. Das kann auch mal eine Triebfeder für tolle Erfindungen wie das Rad oder das Internet sein. Oder in gefühlter Überforderung enden. So macht der Kita-Streik nicht nur jenen zu schaffen die Beruf und Kinder nicht unter einen Hut bringen können (was ohne externe Hilfe auch nicht möglich ist), sondern auch die, die nicht arbeiten gehen. Die haben das Kind nun plötzlich 24 Stunden am Tag um sich. Und das kann so anstrengend sein. Es würde ja ohnehin niemand Kinder bekommen, wenn er vorher wüsste, wie viel Arbeit, Stress und Ausgaben da auf ihn zukommen. Aber eigentlich ist der Mensch ein Gewohnheitstier und bekommt es gebacken. Man darf ihn nur nicht an was Bequemeres gewöhnen.

Rotstift

Könnte das Aus für die S  4 drohen oder ist das nur politisches Geplänkel? Vermutlich weder das eine noch das andere. Nur mit der S-Bahn ist die dringend nötige Entlastung des Hamburger Hauptbahnhofs möglich. Rechnen muss sich der Ausbau aber trotzdem. Es dürfte aber genug Möglichkeiten geben, den Rotstift anzusetzen, Teurer als auf dem Papier werden solche Projekte ohnehin immer.
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