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Köthel : Verschmutzte Bille: Vorwürfe gegen den Kreis Herzogtum Lauenburg

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Mehrere Anwohner aus Köthel haben eine „Bille-Schutzgruppe“ ins Leben gerufen, die bei erneutem Auftreten von Verschmutzungen umgehend Proben entnehmen will.

Nach den Verschmutzungen der Bille, die in den Gemeinden von Köthel bis Grande festgestellt wurden und die vermutlich aus dem Quellbereich der Bille Sierksfelde, Linau und Köthel stammten, werden die Vorwürfe gegen den Fachdienst Wasserwirtschaft des Kreises Herzogtum Lauenburg lauter. Mehrere Anwohner aus Köthel haben eine „Bille-Schutzgruppe“ ins Leben gerufen, die bei erneutem Auftreten von Verschmutzungen umgehend Proben entnehmen will. Ein Kötheler Bürger hat Strafantrag gegen den Fachdienst des Kreises gestellt.

Joachim Schubert, Diplom-Biologe für Fischerei- und Gewässerökologie aus Köthel, wirft der lauenburgischen Behörde vor, Analyseergebnisse falsch interpretiert und bestimmte Sachverhalte überhaupt nicht beachtet zu haben: „Es wurden Falschaussagen über den wahren Wasserschaden und seine Ursache veröffentlicht“, so Schubert, der sich auf Analyseergebnisse des Diplom-Biologen Martin Purps vom Landessportfischerverband Schleswig-Holstein beruft.

Beide Biologen sehen das Ausbringen von Fäkalien aus der Tierhaltung vor dem Starkregen am 8. Juli als wesentliche Ursache der Bille-Verschmutzung und widersprechen damit aber der Ansicht des lauenburgischen Fachdienstes. Der hatte Nährstoffe als Übeltäter ausgemacht, die beim Faulungsvorgang überschwemmter Gräser freigesetzt worden seien. „Das stimmt einfach nicht“, sagt Schubert: „Empfindliche überstaute Pflanzen wie Getreide sterben tatsächlich innerhalb von drei bis zehn Tagen ab. Bei Gräsern dauert dies allerdings länger und für solche Pflanzen, die an die im Oberlauf der Bille vorkommenden feuchten Standorte angepasst sind, ist dies sicherlich nicht zu erwarten.“

Der Fachdienst-Aussage, dass es sich „nicht um einen einmaligen Vorfall, sondern um ein länger andauerndes Ereignis mit großflächiger Auswirkung“ handelte, stimmen Schubert und Purps zu. Die Belastung mit Ammonium-Stickstoff und die Sauerstoffwerte sehen die beiden Diplom-Biologen als „über einen längeren Zeitraum sogar ganz erheblich“ an. Folgeschäden auf die im Wasser lebenden Organismen seien nicht untersucht worden. Für die Behörde seien die gemessenen Ammonium-Stickstoff-Werte von 1,34 mg/l für ein Gewässer mit landwirtschaftlichem Einzugsgebiet nichts Außergewöhnliches, so Schubert: „Nach der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser entspricht dies allerdings der Güteklasse III-IV und ist ein Anzeichen für eine hohe Belastung“, und liege vierfach über dem Orientierungswert für einen guten ökologischen Gewässerzustand. Diplom-Biologe Purps habe sogar einen Maximalwert von 2,31 mg/l in der Bille ermittelt.

Die im Auftrag des Fachdienstes Wasserwirtschaft durch das Kieler Labor UCL analysierten Proben würden zudem zeigen, dass die Belastungen am 22. Juli noch drastischer gewesen seien als die von Purps, der am 23. Juli mit mit seinen Messungen und Analysen begann.

Die vom Fachdienst zwischen Linau und Köthel festgestellten Sauerstoffwerte von 1,1-1,2 mg/l seien nicht, wie die Behörde schreibt, „glücklicherweise noch im positiven Bereich“, sondern fatal. Die für Fische kritische Sauerstoff-Konzentration liege bei 3 mg/l, so der Dipl.-Biologe weiter. Unterhalb dieses Wertes träten Schädigungen der Lebewesen und Fischsterben auf, was nicht nur für empfindliche oder sehr sauerstoffbedürftige Arten gelte.

Schubert: „Die Bille oberhalb von Köthel zeichnete sich bis Juli durch den landesweit größten Bestand der Mühlkoppe aus. Hier war auch der Lebensraum von Bachmuscheln und Bachforellen, allesamt Arten mit einem hohen Sauerstoffbedarf.“ Es wäre „mehr als bedauerlich, wenn nach diesem Vorfall diese Referenzarten den aus Mitteln der Europäischen Union aufgehobenen Bille-Stau im Dorfbereich von Köthel nicht mehr passieren, weil sie nun auf weiten Gewässerstrecken verschwunden sind.“

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erstellt am 14.Aug.2014 | 06:00 Uhr

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