Bad Oldesloe : Verkehrskasper droht die Streichung

Bald Geschichte? Auch die Stormarner Bühne soll auf der Streichliste des Innenministers stehen.
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Bald Geschichte? Auch die Stormarner Bühne soll auf der Streichliste des Innenministers stehen.

Der Innenminister will morgen seine Kürzungspläne für 122 Stellen bei der Polizei bekannt geben. Auf der Liste könnte auch der erfolgreiche und beliebte Verkehrskasper aus Bad Oldesloe stehen.

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15. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Wie geht man richtig über die Straße und wie bringt man das seinen Kindern am besten bei? Seit sechs Jahrzehnten lautet in Schleswig-Holstein die Antwort darauf: mit dem Verkehrskasper der Polizei. Doch damit könnte in Kürze Schluss sein. Morgen verkündet das Innenministerium, an welcher Stelle die Polizei sparen will. 122 Stellen sollen bis 2020 gestrichen werden. Darunter sind laut Tageblatt-Informationen auch die insgesamt acht Stellen der drei Polizeipuppenbühnen – davon eine im Bereich Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Obwohl die Beamten jedes Jahr 35  000 Kinder in ganz Schleswig-Holstein erreichen, droht die Schließung.

Der Stormarner „Verkehrskasper“ Ed Kretz schaut mit Sorge auf die Diskussion: „Jedes Kind, das sich selbstbewusster und sicherer im Straßenverkehr bewegt und jeder Unfall der verhindert wird, ist für uns Bestätigung, dass unsere Arbeit wichtig ist.“

Der neue Innenminister Stefan Studt (SPD) betonte bereits, dass in den Kernbereichen der Polizei nicht gestrichen werden soll. Prävention hingegen könnte so wie IT, Wasserschutzpolizei und Verkehrsüberwachung darunter sein. Näher möchte sich Studt nicht äußern.

Die Elternvertreter von Kitas im gesamten Land haben gemeinsam mit den Kita-Leitungen einen Brief an das Innenministerium verfasst, in dem sie für die Verkehrskasper kämpfen. Das wichtigste Argument für den Erhalt sei, dass die Authentizität und Erfahrung der echten Polizeibeamten erst die richtige Wirkung des Puppenspiels entfalte.

„Studien belegen, dass der Einsatz von Handpuppen als Medium zur Vermittlung unterschiedlicher Themen bei der Zielgruppe Kind optimal ist. Den Job kann aber tatsächlich nicht jeder machen. Man muss dazu schon den Draht zu den Kindern haben und Lust darauf. Meine Kollegen und ich übernehmen die Aufgabe sehr gerne auch in Zukunft“, so Kretz .

Oft sei der Kontakt mit dem Verkehrskasper die erste Begegnung der Kinder mit echten Polizisten. Eventuelle Ängste oder Vorurteile gegenüber uniformierten Beamten könnten abgebaut werden. „Auf diesem positiven Erstkontakt lässt sich vielfach später aufbauen“, ist Kretz überzeugt. Die Verkehrsprävention sei dabei nur ein Einstieg in weitere wichtige Maßnahmen wie Drogen- und Gewaltprävention. „Wir werden so lange mit vollem Engagement und Elan mit unseren Bühnen in die Kindergärten fahren, wie man uns lässt. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“, sagt Kretz, der betont, dass er und seine Kollegen auf keinen Fall Streichungen in anderen Bereichen der Polizeiarbeit als Ausgleich für besser halten oder fordern. Studt macht Kretz und seinen Kollegen ein wenig Hoffnung. Er habe vier Kinder, die alle den Verkehrskasper erlebt haben, und habe daher eine sehr gefestigte Meinung zu dem Thema, sagte er gegenüber der dpa.

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