Verfahren gegen Pastor H. wird neu aufgerollt

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30. April 2013, 03:59 Uhr

Ahrensburg | Nun also doch: Das Disziplinarverfahren gegen Ruhestandspastor H. wird neu aufgerollt. Dem Einspruch des Landeskirchenamts gegen die Einstellung des Verfahrens hat die Vertreterkammer des Disziplinargerichts stattgegeben. Sie wird die mündliche Verhandlung wieder eröffnen, ein Termin soll aber noch nicht festgesetzt sein.

Ruhestandspastor H. ist eine der umstrittenen Personen im Ahrensburger Missbrauchsskandal. Das Landeskirchenamt hatte ihn wegen "schwerwiegender Amtspflichtverletzungen" vor dem unabhängigen Kirchengericht angeklagt. Anders als bei Pastoren im aktiven Dienst, bei denen eine ganze Reihe von abgestuften Disziplinarmaßnahmen denkbar sind, vom schriftlichen Verweis bis beispielsweise hin zur Gehaltsrückstufung, gibt es diese Möglichkeiten bei Ruhestands pastoren nicht - sie können, wenn ihre Schuld festgestellt wird, nur aus dem Dienst entfernt werden, was einen Verlust der Versorgungsansprüche zur Folge hätte.

Das Disziplinargericht war dem Antrag des Kirchenamts aber nicht gefolgt, sondern hatte das Verfahren nach der Anhörung per Beschluss eingestellt - ein Verfahrensfehler. Weil ein eröffnetes Verfahren nur mit einem Urteil enden dürfe, hatte das Kirchenamt Widerspruch eingelegt.

"Das Landeskirchenamt begrüßt die Entscheidungen des Disziplinargerichts und fühlt sich in seiner Rechtsauffassung bestätigt. Angesichts der Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung erhofft sich das Landeskirchenamt, mit seiner Sicht der Vorfälle vom Disziplinargericht gewürdigt zu werden", sagte gestern Nordkirchensprecher Mathias Benckert auf Nachfrage.

"Man kann einen Prozess nicht so sang- und klanglos zumachen", machte Anselm Kohn, Vorsitzender des Vereins "Missbrauch in Ahrensburg" deutlich: "Die heiße Kartoffel ist jetzt in jemandes anderen Händen." Er persönlich verspricht sich nur wenig von dem Verfahren. "Es kann lediglich der Kirche oder dem beteiligten Pastor Gerechtigkeit widerfahren, nicht den Opfern", so Kohn. Er wiederholte seine Kritik an dem Verfahren: "Man wird da in einer Art und Weise vorgeladen, dass man sich selber schuldig fühlt. Das ist ein wenig einfühlsamer Umgang mit den Opfern."

Andere Vereinsmitglieder sähen das allerdings differenziert, für sie könne es durchaus eine Genugtuung sein, wenn der Geistliche verurteilt werde und seine Bezüge verliere. Für Kohn sei die "gesellschaftliche Bewertung" wichtiger.

Beim Kirchentag ist Anselm Kohn ist zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, der Verein betreibt einen Info-Stand und darf einen Workshop anbieten. "Der Ahrensburger Missbrauch ist in Deutschland angekommen", findet Kohn. Große Hoffnung setzt er auf den Bericht der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des Skandals.

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