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Kernkraftwerk bei Geesthacht : Vattenfall will weiteres Atommüllager in Krümmel bauen

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Schwach- und mittelradioaktive Abfälle sollen dort gelagert werden, ehe sie zum Schacht Konrad gebracht werden.

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erstellt am 20.Sep.2017 | 13:55 Uhr

Geesthacht | Der Energiekonzern Vattenfall hat den Bauantrag für ein weiteres Zwischenlager für radioaktiven Abfall aus dem Kernkraftwerk Krümmel auf dessen Gelände am Geesthachter Elbufer gestellt. Die neue Lagerstätte soll den Namen „LasmAaZ“ (Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Zwischenlager) tragen. Gebaut werden soll es neben dem bestehenden Standortzwischenlager (SZL), in dem die Brennelemente in Castor-Behältern auf ihre Endlagerung warten, östlich des Kraftwerks. Dafür soll eine alte Halle abgerissen werden.

Das Kernkraftwerk Krümmel steht seit mehr als zehn Jahren nahezu ununterbrochen still, ist seit Mitte 2009 dauerhaft abgeschaltet und hat mit der Atomgesetzänderung von 2011 die Berechtigung zum Leistungsbetrieb verloren. Vattenfall hatte daraufhin im August 2015 bei der schleswig-holsteinischen Reaktorsicherheitsbehörde die Stilllegung und den Abbau des Kernkraftwerks Krümmel beantragt und im Mai 2016 den Sicherheitsbericht und einen Vorschlag für den Rahmen einer Umweltverträglichkeitsuntersuchung eingereicht.

„In der Planung ist eine Abmessung für die Halle von 56 Metern Länge, 60 Metern Breite und 23 Metern Höhe“, erklärt Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger. „Zweck der Halle ist es, schwach- und mittelradioaktiven Abfall bis zu deren Abtransport in den dafür als Endlager vorgesehenen Schacht Konrad einlagern zu können“, sagt sie. Das ist nötig, um mit dem 2015 beantragten Rückbau des ehemals leistungsstärksten Siedewasserreaktors der Welt starten zu können. Die Baukosten schätzt der Energiekonzern auf etwa 30 Millionen Euro.

Vattenfall hofft, im zweiten Quartal 2019 mit dem Bau beginnen zu können. Ende 2020 soll das LasmAaZ dann betriebsbereit sein. „Es muss zeitnah gebaut werden, damit die beim Rückbau des Kraftwerks anfallenden Materialien eingelagert werden können“, erklärt Andreas Pagel, der Leiter der städtischen Bauaufsicht. „Das Verfahren wird sehr aufwendig“, sagt er.

Neben der reinen Baugenehmigung ist auch eine atomrechtliche Genehmigung der Aufsichtsbehörde in Kiel nötig. Wie lange der Betrieb nötig sein wird, ist unklar. „Das hängt von der Annahmebereitschaft von Schacht Konrad ab“, erklärt Sandra Kühberger.

2016 hatte Vattenfall bei der schleswig-holsteinischen Reaktorsicherheitsbehörde den Antrag zum Umgang mit den radioaktiven Stoffen im zu errichtenden Lager für schwach- und mittelradioaktive Stoffe am Standort Krümmel gestellt. Bei dem LasmAaZ soll es sich nach den Vorstellungen des Unternehmens um ein Lagergebäude mit einem angebauten Funktionsgebäude handeln.

Zu den Abfällen und Reststoffen aus dem Betrieb und dem Abbau am Standort Krümmel sollen auch die noch in den Stauräumen des Kernkraftwerks wie Kavernen und Fasslager sowie in externen Einrichtungen gelagerten Abfälle und Reststoffe untergestellt werden. Vattenfall hatte sich mit dem Antrag davon verabschiedet, diese Abfälle in einem abgetrennten Bereich innerhalb des Kernbrennstofflagers aufzubewahren. Auch die Option einer Lagerung an einem anderen Ort als dem Kernkraftwerksgelände wurde damit fallengelassen.

Die Reaktorsicherheitsbehörde wird  im Laufe des Verfahrens prüfen und bewerten, ob das geplante Lager dem Stand von Wissenschaft und Technik unter besonderer Berücksichtigung der „Leitlinien für die Zwischenlagerung von radioaktiven Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung“ der Entsorgungskommission des Bundes entspricht. Technische Einbauten werden Zu- und Abluft regeln, außerdem muss ein Platz für Dekontaminationen betroffener Mitarbeiter vorgehalten werden.

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