Kunstturner Jürgen Bischof : Unvergessen: Tag mit Peter Alexander

 Unvergesslicher Nachmittag: Der ehemalige Turnprofi Jürgen Bischof (links) und Sohn Sven erinnern sich gern an den Nachmittag mit Entertainer Peter Alexander.  Foto: Röhrs
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Unvergesslicher Nachmittag: Der ehemalige Turnprofi Jürgen Bischof (links) und Sohn Sven erinnern sich gern an den Nachmittag mit Entertainer Peter Alexander. Foto: Röhrs

Eine Tragödie führte den Itzehoer Kunstturner Jürgen Bischof und Peter Alexander zusammen. Mit dem Tod des Entertainers wurden Erinnerungen wach.

shz.de von
27. Februar 2011, 12:26 Uhr

Kreis steinburg | Mit Peter Alexander hatte Jürgen Bischof (69) in den 60er Jahren nicht viel zu tun. Er hörte seine Lieder gern, mehr aber auch nicht. Peter Alexander machte Schlagzeilen mit Hits und Filmen, er als erfolgreicher Kunstturner bei Europa- und Weltmeisterschaften und sogar Olympia. Wenige Jahre später, 1974, kreuzten sich die Wege der beiden Männer. Eine der größten Tragödien in der deutschen Sportgeschichte brachte sie zusammen. Mit dem Tod des Entertainers wurden die Erinnerungen bei Familie Bischof an dieses "unvergessliche Treffen" wieder wach. Peter Alexander stand dem Turntalent damals bei, als das Schicksal unerbittlich zuschlug und für Jürgen Bischof ein neues Leben begann:
Es war der 15. März 1969, als der Itzehoer Kunstturner Jürgen Bischof bei einem Bundesligawettkampf zu einer Sprungfolge beim Bodenturnen ansetzte. Die Achillessehne riss, er wurde operiert. Als er wieder aufwachte, gab es den alten Jürgen Bischof nicht mehr. Er hatte einen Herzstillstand, das Gehirn war mehrere Minuten nicht mit Sauerstoff versorgt. Seitdem kann Bischof nicht mehr richtig sprechen, seine Bewegungen sind beeinträchtigt.
Ein zweites Leben voller Schatten
Nach Glanz, Glamour, Erfolg begann für den damals 27-Jährigen sein zweites Leben, ein Dasein voller Schatten. Aber es gab auch Lichtblicke. Der 28. Februar 1974 war so ein Tag. Da kam Peter Alexander höchstpersönlich in Oldendorf vorbei, wo die Familie Bischof damals lebte. Er überreichte der Familie Bischof Ausbildungs-Sparverträge in Höhe von jeweils 7500 Mark für die Söhne Sven und Dirk, damals acht und sechs Jahre alt. Peter Alexander hatte der Deutschen Sporthilfe seine 30.000-Mark-Gage, die er für seinen Auftritt beim Ball des Sports erhielt, zur Verfügung gestellt, die mehreren Kindern zugute kam. "Das war eine gute Starthilfe ins Berufsleben. Das werde ich Peter Alexander nie vergessen", betont der mittlerweile 45-jährige Sven Bischof.
"Das ganze Dorf war in Aufregung, als Peter Alexander kam", erinnert sich Bärbel Bischof, die Ex-Frau des einstigen Kunstturners. Die Familie lernte Peter Alexander nicht als Star, sondern als Menschen kennen. "Er war ganz natürlich." Und eines müsse sie einmal klar stellen: "Allem Gerede zum Trotz trug er damals kein Toupet." Das habe sie sich genau angesehen, als er zu Kaffee und Kuchen in der Küche der Familie saß. Nur die zwei Jungs machten dicke Backen. "Sie hatten Mumps! Das durfte aber keiner wissen, sonst wäre der Peter Alexander ja gar nicht gekommen", verrät Bärbel Bischof. Bei der Erinnerung lacht die 67-Jährige schallend. "Die Jungs mussten alles aus dem Nachbarhaus beobachten..." "...während sich alle anderen Kinder Autogramme holten", weiß auch Dirk Bischof noch genau. "Das ganze Wohnzimmer war voller Reporter, aber Peter Alexander hat sich Zeit für uns genommen", lobt Bärbel Bischof die "Liebenswürdigkeit" des Entertainers. "Ich bin ihm so dankbar, er war so ein toller herzensguter Mensch. Es war einer der schönsten Tage unseres Lebens nach dem Unfall."
Ein Stück heile Welt für einen Nachmittag
Für einen Nachmittag brachte er ein Stück heile Welt zurück in das Leben von Jürgen Bischof. "Er blühte zum ersten Mal seit langem wieder auf. Mein Vater war oft frustriert, er haderte sehr mit seinem Schicksal." Bei den einfachsten Dingen brauchte er Hilfe, aber im Innersten ist er bis heute der erfolgreiche Kunstturnmeister geblieben. Wenn seine sportlichen Erfolge zur Sprache kommen, dann kehrt die Lebensfreude sofort zurück. So war es auch in jenem Februar 1974. "Er zeigte Peter Alexander stolz seine Turnerbilder." Aufnahmen eines jungen, muskulösen Mannes im Handstand an den Ringen, beim Flickflack, auf dem Barren. Jürgen Bischof und Peter Alexander lachten zusammen. Ein Reporter hielt den innigen Moment voller Lebensglück fest.
37 Jahre später hält Jürgen Bischof das Erinnerungsfoto in seinen Händen. "Peter Alexander", bringt er über die Lippen. Sprechen fällt ihm schwer, aber seine Augen strahlen. Mit seinem über alles geliebten Vater hat er noch vor einigen Jahren im Auto seine Lieder mitgesummt. Mittlerweile ist er an den Rollstuhl gefesselt, aber er hat sich mit seinem Schicksal arrangiert und sich seine eigene kleine heile Welt im Ahsbahstift in Krempe eingerichtet. "Er fühlt sich hier sehr wohl", weiß Sven Bischof, der ihn regelmäßig besucht. An den Wänden hängen alte Aufnahmen von ihm als Sportler. Dazwischen soll nun das Foto mit ihm und Peter Alexander einen Platz bekommen. Hier in seinem Zimmer bleiben der Entertainer Peter Alexander und der Kunstturnmeister Jürgen Bischofs unvergessen.

(kri, shz)

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