Tödliche Schüsse auf Obdachlosen in Bad Oldesloe : Unterlassene Hilfeleistung? Polizisten stuften Lage als „hoffnungslos“ ein

Weiträumig abgesperrter Bereich: Polizei am Tatort.
Weiträumig abgesperrter Bereich: Polizei am Tatort.

Im Fall Robin L. aus Bad Oldesloe hat die Staatsanwaltschaft Lübeck jetzt Stellung zu den Vorwürfen genommen.

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09. Oktober 2018, 13:52 Uhr

Bad Oldesloe | Haben Polizisten einen Obdachlosen niedergeschossen und danach keine Erste Hilfe geleistet? Im Fall Bad Oldesloe hat die Staatsanwaltschaft Lübeck jetzt Stellung zu den Vorwürfen genommen, die von Anwohner erhoben wurden. Zudem zeigt ein Video, dass die Beamten lediglich neben Robin L. (21) stehen, der bäuchlings auf dem Bürgersteig liegt. Christian Braunwarth, Sprecher der Behörde, sagte: „Nach den uns vorliegenden Vernehmungen haben die Beamten die Vitalzeichen geprüft, wollten Erste Hilfe leisten. Aus dem Mund des Getroffenen kam jedoch ein gewaltiger Schwall Blut.“

Der psychisch kranke Obdachlose soll am Sonntag Polizisten mit einem Messer bedroht haben. Daraufhin hatte einer der Beamten zweimal auf den 21-Jährigen geschossen. Einen zuvor abgegebenen Warnschuss und den Einsatz von Pfefferspray soll der psychisch kranke Mann ignoriert haben. Warum die Situation derart eskalierte, ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft nach wie vor unklar. Die Ermittlungen dauern an.

Die spätere Obduktion habe ergeben, dass unter anderem die Lungenarterie getroffen worden und der Mann verblutet sei. Braunwarth: „Es herrschte große Unsicherheit über geeignete Erste-Hilfe-Maßnahmen, angesichts der Verletzungen wurde die Lage als hoffnungslos eingestuft.“

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Nach Kenntnis der Staatsanwaltschaft soll auch der Notarzt keine Reanimation mehr begonnen haben – was Zeugen beobachtet haben wollen. Braunwarth: „Er hat den Tod festgestellt, dazu die Leiche bewegt.“ Gleichwohl werde geprüft, ob sich ein Anfangsverdacht auf unterlassene Hilfeleistung gegen die Polizisten vor Ort ergebe. Dazu sollen Ermittler das Video beschlagnahmen.

„Der Tod von Robin L. muss lückenlos aufgeklärt werden“, forderte Lorenz Gösta Beutin, Landessprecher der Linken in Schleswig-Holstein. „Es muss geklärt werden, ob die Polizei wirklich keine Alternative zur Anwendung tödlicher Gewalt hatte. Und es muss festgestellt werden, ob Robin L. nach den Schüssen die Hilfe bekam, die er brauchte.“ Ebenfalls sei es zynisch, den Vorfall für eine Diskussion zur Aufrüstung der Polizei zu missbrauchen, sagte Beutin. Die Gewerkschaft der Polizei hatte am Dienstag gefordert, Elektroschockpistolen zu erproben.

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