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Bad Oldesloe : Unerreichtes Vorbild für viele Komiker

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Auf dem Oldesloer Friedhof wird dem 1997 verstorbenen Heino Jaeger gedacht.

von
erstellt am 05.Jul.2017 | 16:19 Uhr

„Wir haben ihn wohl nicht verdient“, schrieb Loriot über Heino Jaeger. Einen „Ohrenzeugen des Absurden“ nannte ihn sein Förderer Hanns Dieter Hüsch, Eckhard Henscheid, den „Mozart der Komik“ und Olli Dittrich sagte: „Ein Virtuose, ein ganz großer Meister, bis heute unerreicht.“ Hochbegabt, hochsensitiv, kriegstraumatisiert, alkoholgefährdet und ein Fall für die Psychiatrie. Heino Jaeger, 1938 in Harburg als Sohn eines Bildberichterstatters geboren, erlebte als Kind die Bombardierung Dresdens, studierte an der Hamburger Hochschule für bildende Künste, lebte von Gelegenheitsjobs, zeichnete und wurde durch eine Radiosendung zur Legende.

Mitte der 60er Jahre lernte Hans-Joska Pintschovius, Jaeger kennen, als beide im Schleswiger Landesmuseum arbeiteten. Und natürlich blieben ihm Jaegers Fähigkeiten nicht verborgen, sich andere Sprachen, Dialekte und Typen einzuverleiben, sie nicht nur zu imitieren, sondern zu kreieren.

Ein Vetter von Pintschovius, der fürs Radio arbeitete, riet Jaeger, daraus etwas zu machen. So entstanden die Satiresendungen wie die Lebensberatungspraxis oder „Fragen Sie Dr. Jaeger“. Damit wurde er zum Kult, in der Szene war Heino Jaeger, aber nicht berühmt. Dazu war Heino Jaeger zu unbequem, zu unangepasst, zu surrealistisch und politisch unpassend für die 60er und 70er Jahre. Er imitierte Spießer und Spinner aus der Provinz, scheute vor Nazis und Hitler nicht zurück und löste damit oft Ratlosigkeit oder sogar Empörung aus. Jaeger hatte kein Vorbild und hat bis heute keinen Nachahmer. Aber viele Komiker haben sich von ihm inspirieren lassen. Und auch als Maler und Zeichner hat er ein bedeutendes Werk hinterlassen.

Allerdings war Heino Jaeger auch ein anstrengender Mitbürger mit dem Hang zur Selbstzerstörung. Auf Liebeskummer, Alkohol und Depression folgten sozialer Abstieg, Verwahrlosung und Krankheit. „Jaeger äffte Polizei und Behörden, Ärzte, Seelsorger und Sozialhelfer noch nach, als er schon ihr Sorgenkind geworden war. Er biss die Hand, die ihn fütterte, verprellte Auftraggeber, Freunde und Gönner“, schrieb Martin Halter in der Stuttgarter Zeitung.

1983 hatte ein Feuer sein Atelier in Harburg vernichtet. Es war das Ende seiner künstlerischen Aktivitäten. 1987 wurde Heino Jaeger eingewiesen, aber noch in der Psychiatrie wollten die Ärzte ihn für ihre Partys engagieren, so Halter. Jaeger war in Bargfeld-Stegen und lebte dann zehn Jahre in einem Pflegeheim in Bad Oldesloe, bevor er 1997 starb.

Er war vergessen und wurde anonym in einem Sozialgrab auf dem Oldesloer Friedhof beigesetzt. Zehn Jahre dauerte es, bis er dort – in der Nähe von Raimund Harmstorf – einen Grabstein bekam. Eine Frau aus Ratzeburg hatte ihn gespendet, um damit ihrem Mann – einem großen Fan von Heino Jaeger – eine Freude zu machen.

Heute, wieder zehn Jahre später erinnern die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde und die Stadt Bad Oldesloe an den Kabarettisten, Maler und Grafiker. Am Freitag, 7. Juli, um 19 Uhr präsentieren Joska Pintschovius mit Jaeger-Experte Christian Meurer, Universalkünstler Rocko Schamoni und anderen Weggefährten Jaegers in der Friedhofskapelle ein Programm mit Musik, Lesungen und Reden. Ein Abend zur Erinnerung ohne Trauerpathos und rührselige Gedanken. Eintritt wird nicht verlangt, Teilnehmer müssen sich aber ein Ticket holen. Maximal zwei pro Person sind unter Tel. 504  199 im Kultur- und Bildungszentrum, unter www.kub-badoldesloe.de oder in der Stadtinfo erhältlich.

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