Drogenzucht beendet : ... und niemand hat was bemerkt

Die Mercedes-Limousine vor dem Haus, wo die Brüder Cannabis-Pflanzen züchteten.
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Die Mercedes-Limousine vor dem Haus, wo die Brüder Cannabis-Pflanzen züchteten.

Polizeibeamte räumen große Cannabis-Plantage und Ausrüstung im Wohngebiet ab. Die Nachbarn zeigen sich vom kriminellen Treiben in ihrer Straße überrascht.

shz.de von
15. Februar 2014, 06:00 Uhr

Von der Nachbarschaft völlig unbemerkt haben zwei Hamburger (42 und 32) in einem Einfamilienhaus in einer ruhigen Wohnsiedlung in Bad Oldesloe Cannabis gezüchtet. Am Montagabend hatten Fahnder die beiden Brüder festgenommen. Jetzt schleppten Beamte 800 Cannabispflanzen aus dem Haus. Auch die technische Ausrüstung wie Lüfter, Bewässerungsanlage, Speziallampen und vieles mehr wurde sichergestellt.

Einen halben Tag brauchten die Beamten, um alles zu registrieren und auf einem 7,5-Tonner zu verstauen. Die schwere Mercedes Limousine der Brüder blieb in der Einfahrt des Hauses zurück. Gegen den 42-Jährigen, der bereits einschlägig polizeilich bekannt ist, erließ der Richter einen Untersuchungshaftbefehl. Sein Bruder wurde nach der polizeilichen Vernehmung zunächst auf freien Fuß, gesetzt.

Die Menschen in der Nachbarschaft haben zu den Brüdern, die sich vor etwa zwei Jahren dort eingemietet hatten, keinen Kontakt. Die Beiden seinen zumeist nur abends oder nachts dort gewesen, sagt ein Nachbar. Ein anderer Anwohner äußert den Verdacht, dass ein Puff in dem Haus untergebracht sei, weil dort immer Licht brannte. Das habe man an den Oberlichtern des Flachdaches erkennen können.

Mülleimer hätten die beiden Männer so gut wie nie an die Straße gestellt, obwohl sich der Müll im Garten ansammelte. Und auch die Grünanlagen am Haus hätten sie kaum gepflegt. Die mehr als mannshohe Hecke sei nie geschnitten worden, der Rasen sei nur hin und wieder gemäht worden.

Allerdings seien von den Männern große Scheinwerfer installiert, diverse Kameras an den Hausecken und im Eingangsbereich angebaut worden. So wollten die beiden offenbar vermeiden, dass sich ungebetene Gäste dem Gebäude unbemerkt nähern konnten.

Einige der Nachbarn schauten sich die Aktion der Polizei an, erkundigen sich auch, was dort los sei. Doch Antworten bleiben spärlich. „Aha, denke ich, monatelang die Miete nicht bezahlt, oder sind es gar Mietnomaden?“, äußert eine Frau von gegenüber und nähert sich vorsichtig, um zu sehen, was dort vor dem Haus los ist. Einer der Polizisten kommt aus dem Haus. Die Nachbarin vermutet zunächst Diebesgut, als viele technische Dinge auf dem Lkw verladen werden. Doch ein Beamter klärt sie auf: „Die Röhren sind zur Belüftung, die vielen Trafos für die Beleuchtung und Hochdrucklampen. Das kann man alles beim Elektronikversand bestellen.“ Dass es sich um eine illegale Hanfplantage handelte, eingerichtet nicht nur im gesamten Wohnbereich, sondern auch im ganzen Keller, dementiert keiner der Beamten.

Es scheint klar, dass die beiden Männer ihre Anlage ständig erweitert hatten, sagt ein anderer Nachbar. Selbst am Tag des Polizeieinsatzes sei wieder ein großes Paket angeliefert worden. Schon lange sei den Anwohnern in der Siedlung das Haus aufgefallen, und man sei sich ziemlich sicher gewesen, dass dort merkwürdige Dinge vor sich gehen. Doch niemand habe die Polizei darüber informiert. Schließlich habe man nicht als „Nachbarschaftsquerulant“ gelten wollen.

Möglicherweise hätte man den Männern ihr Geschäft schon vor einiger Zeit verderben können. Vielleicht hätte die Polizei den Hinweis aber auch nicht beachtet. Jetzt sind sich die Nachbarn allerdings sicher: „Man sieht, dass die Abenteuer des Alltags unmittelbar vor der eigenen Haustür geschehen, und man ahnt es noch nicht einmal. Hauptsache, sie bleiben auch vor der Haustür!“

Erfolgsgeschichte Drogen Ermittlungsgruppe

Im Rahmen der Umstrukturierung der Kriminalpolizei innerhalb der Polizeidirektion Ratzeburg wurde eine Ermittlungsgruppe Rauschgift ins Leben gerufen. Sie  wird von Ahrensburg aus geführt.

Im Ortsteil Mühlenbrook in der Gemeinde Steinhorst hob die Kripo eine Marihuana-Zucht aus. 450 erntefähige Pflanzen wurden sichergestellt. Allein der Wert der technischen Ausrüstung betrug etwa 10000 Euro. Zudem wurden noch drei Hanfplantagen in einem Schuppen aufgespürt und einige Pflanzen wuchsen wild auf dem Grundstück. Im November 2012 fand die Polizei eine Haschplantage in einem Einfamilienhaus in Kastorf. Dort hatten ebenfalls zwei Hamburger in der gesamten oberen Etage 150 Cannabis-Pflanzen gezüchtet.

In Reinbek entdeckte die Polizei im April 2013 in einer Halle in einem Industriegebiet 400 Cannabispflanzen.

Im Juni 2013 stellen Beamte auf einer 120 Quadratmeter großen Fläche inmitten eines Maisfeldes bei Groß Schretstaken fast 500 Cannabispflanzen sicher.


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