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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 12:26 Uhr

Ünnerste Schublad

vom

"Dat is mi unangenehm, dat hier to schrieben"

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2013 | 03:59 Uhr

In Loop vun ein Minschenleben kann sick veel ännern. Ock in de Spraak! Ick jedenfalls zuck bet ton hüütigen Dag tausoamen, wenn se in Fernsehn vun "geile Sendung" un "geilen Upptritt" snackt. Sogoar uns Lütten in Kinnergoaren secht sowat: "Die neue Tante ist echt geil!" In miene Jugend hätt dat Wurd "geil"sowat wie hocherotisch, sexuell überhitzt, oder "Spitz wie Nachbars Lumpi" heiten. Wenn du ass Kind sonn Würr in den Mund noahmen hest, denn harr dat licht sien kunnt, dat du ein fixen Backs kreegen hest.

Dat gräsigste Wurd in uns Spraak hett schienboar ein rechte Upwertung kreegen. Freuher weur "Scheiße" (dat is mi unangenehm, dat hier to schrieben, ick heff rein ein Krampf in de Fingern kreegen), also freuher weur dat Wurd "ünnerste Schublad". Hafenarbeiter sähn dat, Fleetenspucker un Kauhviezen. Hüütgendags wendt dat ock de edelsten Damen, de seutesten Deerns an. Ward ein Sportlerin blot Veirte: "Scheiße, dummgelaufen". Versnackt sick ein Edeldame bi ein Talkschow: "Scheiße". Wenn de Kinner freuher sonn Wurd secht harrn, denn hett de Modder schimpt: " Nu mal flink in de Bahstuv un den Mund öllich mit Seip uutwaschen!"

Ick finn geigen dat Hochdüütsch nimmt sich dat Platt veel weiker uut. "Schiete" hüürt sich doch beeder an ass dat hochdüütsche Wurd.

Ännert hett sick dat ock bi de Eetkultur. Les ick doch nüülich in uns Zeitung , jeden vun uns itt man döttig Kilo Kantüffel int Joahr. Ja Kinners, hüüt is de Kantüffel ein Gemüsebilag. Gröttere Mengen itt man blot ass Pommes to de Curreywust. Ick erinner mi noch gaud an de Tied, ass de Kantüffel noch dat Hauptnahrungsmittel weur.

Ick weur to de Tied "Eisten jungen Mann" bi Buer Max Schwark up den Sieker Barg. Wi hebb Kantüffel bet Ahrensburg un Schmalenbek henleebert. Ganzen hochgepackten Wagen mit Zentnersäck, twei Peer daför, un los güng dat an freuhen Morgen. Ick alleen mit de ganze Verantwortung! Familie Schulz, tein Zentner. Familie Birguleit, achtein Zentner. Sonn Mengen hebb de affnoahmen.

Meit müss ick de Säck ein winklige Kellertrepp dal sleepen un bannig uppassen, dat ick kein Weckglääs ümstöten däh. De Lüüd weurn all anstännig un ihrlich. All harrn se dat Geld affgetellt parat. Un ick heff för mien Schlepperie noch ein lütt Trinkgeld kreegen. Dat keum mi bannig gelegen, denn mienen Monatslohn 125 DM heff ick all för mien Studientied an de "Högere Landbauschaul" upspoart.

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