Über 87 Brücken musst du gehen ...

Eisenbahnbrücke am Travewanderweg.
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Eisenbahnbrücke am Travewanderweg.

Gerd Manzel spürte alle Überführungen im Oldesloer Stadtgebiet auf und hat sie fotografiert / Kleine Broschüre kostenfrei

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06. Dezember 2017, 09:41 Uhr

Wer weiß eigentlich, wie viele Brücken es in Bad Oldesloe gibt? Einer weiß es jetzt ganz genau: Gerd Manzel kennt jede Brücke im Stadtgebiet. Innerhalb eines halben Jahres hat der Oldesloer jede Brücke der Kreisstadt fotografiert – einige mehrmals – und ist auf eine erstaunliche Anzahl gekommen: Sage und schreibe 87 Brücken hat Gerd Manzel gezählt. Diese stattliche Zahl überrascht wahrscheinlich auch alteingesessene Oldesloer, die glauben, ihre Heimatstadt sehr gut zu kennen. Allerding sind nicht alle Bauwerke auch gleich als „echte“ Brücken zu erkennen. Gerd Manzel hat auch sieben Autobahn- und 13 Bahnbrücken sowie sechs kleine Privat-Brücken mitgezählt. Und vielleicht versteckt sich ja doch noch der ein oder andere Steg, den der „Brückenpapst“ tatsächlich übersehen haben sollte.

Und wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Brückenexpedition? „Die Idee entstand eigentlich zufällig, als ich im April auf Spaziergängen Fotos gemacht und zuhause festgestellt habe, dass da auch viele Fotos mit Brücken dabei waren“, erzählt Gerd Manzel. Da kam dem 79-Jährigen eine interessante Idee: Warum nicht alle Brücken von Bad Oldesloe fotografieren, so lernt man auf eine ganz neue Art und Weise seine Heimatstadt kennen. Gedacht – getan.

Fortan machte er sich ein- bis zweimal die Woche auf den Weg, ausgerüstet mit einem guten Stadtplan und kam schnell ins Staunen, wie riesengroß das Oldesloer Stadtgebiet ist. Der gebürtige Oldesloer glaubte, das Stadtgebiet sehr gut zu kennen, wurde aber immer wieder eines besseren belehrt. Die Fläche beträgt nämlich 52,6 Quadratkilometer und ist damit wesentlich größer als beispielsweise das Stadtgebiet von Ahrensburg, das nur 35 Quadratkilometer groß ist. Flächenmäßig ist Bad Oldesloe damit die größte Stadt in Stormarn, was Gerd Manzel auch bald zu spüren bekam.

Von seinem Zuhause im Stoltenrieden bis zum nördlichsten Stadtrand bei Seefeld nahm er dann doch lieber das Auto, um sein Ziel zu erreichen. Aber ansonsten bevorzugte er „Schusters Rappen“ und wanderte zu Fuß durch die schöne und abwechslungsreiche Landschaft, immer auf der Suche nach einer Brücke. Zunächst ging er ganz systematisch vor, irgendwann musste er die Brücken regelrecht aufspüren. „Zum Teil war es schon sehr abenteuerlich, die Brücken aufzustöbern“, erzählt Gerd Manzel. Er verlief sich dabei nicht nur einmal, ging bisweilen in die falsche Richtung oder im Kreis, bis er die gesuchte Brücke entdeckte oder musste sich querfeldein durch Gestrüpp und Unterholz kämpfen. „Einige Wege führten ins Nichts, andere wurden dicht gemacht und ich kam nicht mehr weiter“, sagte er.

Manche Brücken musste er mehrmals aufsuchen und fotografieren, weil im entscheidenden Moment der Akku leer oder das Bild unscharf war. Die Namen der kleinen Bäche, die von den Brücken überquert wurden, musste sich der Oldesloer manchmal auch zusammensuchen. Viele der Bächlein enden auf der Endung „bek“, wie die Butterbek, die am Butterberg entspringt oder die mehr als zwei km lange Pulverbek, die zwischen Dornkaten und Schadehorn entspringt, um Seefeld herum fließt und bei Nütschau in die Trave mündet.

Die südlichste Brücke entdeckte Gerd Manzel in der so genannten Pölitzer Schweiz, wo sie über die Barnitz führt. Die nördlichste Brücke ist die so genannte „Blaue Brücke“ in Seefeld, die in den 1990er Jahren von der Firma Blohm & Voss neu gebaut wurde und über die Pulverbek führt. „Es gibt viele schöne Erfahrungen, die ich gemacht habe. Meist war ich als einsamer Wanderer unterwegs, aber ich habe auch einige Leute getroffen und mich nett mit ihnen unterhalten. Auf diese Art und Weise habe ich Bad Oldesloe ganz anders kennengelernt. Und ich konnte die Trauer über den Tod meiner Frau viel besser verarbeiten“, erzählt der gelernte Industriekaufmann.

Gerd Manzel hat eine kleine Broschüre mit den Fotos und kurzen Wegbeschreibungen von Brücke zu Brücke verfasst. Diese Broschüre gibt es für Interessierte kostenfrei als Powerpoint-Version. Wer Interesse daran hat, kann sich bei ihm melden unter der E-Mail: gerd.manzel@gmx.de oder unter Telefon: (04531) 679 833.




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