zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

15. Dezember 2017 | 23:09 Uhr

Trauer um ein Original : Tschüs Leonhard!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Leonhard Hundsdoerfer ist mit 82 Jahren in Großensee verstorben, das zu seiner zweiten Heimat geworden war.

von
erstellt am 30.Mär.2016 | 17:12 Uhr

Leonhard Hundsdoerfer ist tot. Der Landwirt, ehemalige Bürgermeister und Plattdeutsch-Kolumnist des Stormarner Tageblatts starb wenige Wochen nach seinem 82. Geburtstag in Großensee, das zu seiner Heimat geworden war. Die Familie stammte aus dem Salzburger Land und hatte bei Königsberg das Gut Rathstal aufgebaut.

Bei der Flucht aus Ostpreußen fuhr er mit zehn Jahren das Gespann. So hat er es selbst beschrieben: „Tein Joahr old, ein jämmerlichen Dwarg, un denn in den endlosen Treck feuhrn. Föfftein Stunnen, fiefuntwintig Grad Frost! Ick weur total stievfroren, un de Fruens geben mi „Kutscherwien“ dat ick dörchhollen kunn. Dicht achter uns weur de Front un wi hüürten all de Ketten vun de russischen Panzer.“ Aber er schaffte es!

 Kurz nach Weihnachten 1945 kamen die Reste der Familie nach 14 Tagen Irrfahrt im Güterwaggon in Altona an. Mit der U-Bahn ging es nach Schmalenbeck und von dort zu Fuß nach Großensee. „Der Herrgott hat es gut mit uns gemeint, als er uns in Großensee stranden ließ“, schrieb er 1989 für das Stormarner Tageblatt.

 Dazwischen lagen fast zehn Jahre als Bürgermeister, mehr als 40 aktive Jahre in der Freiwilligen Feuerwehr, die ihn zum Ehrenmitglied ernannte. 17 Jahre war Leonhard Hundsdoerfer zudem Vorsitzender des Gewässerpflegeverbands Bille und zehn Jahre Schiedsmann des Amts Trittau. Als er stellvertretender Bürgermeister war, zeichnete er das Großenseer Wappen. Dafür wurde er verlacht. In seiner Zeit als Bürgermeister wurde es dann mit dem Segen der Heraldiker beschlossen. Er gab auch grünes Licht für das Feuerwehrgerätehaus, ließ das Freibad bauen und machte das Dörphus zum Gemeindezentrum.

 Nicht allein in Stormarn ist Hundsdoerfer bekannt für seine Geschichten und seine Scherze. „Der Ostpreuße liebt humorvolle besinnliche Gedichte und Geschichten mit überraschend kräftiger Schlusspointe. Einen Witz trägt er in voller epischer Breite und mit schauspielerischem Können vor“, hat er selbst mal beschrieben, wofür ihn die Menschen liebten. Mehr als 30 Jahre schrieb er die Plattdeutsch-Kolumnen für das Stormarner Tageblatt und ließ die Leser dadurch an seinem Leben teilhaben.

 Hundsdoerfer erzählte von seinen Lehrjahren in Niedersachsen und Oberbayern, von seiner Frau Anneliese, die er 1956 heiratete, nachdem er als studierter Agraringenieur aus Hildesheim zurückgekommen war und mit der er den Hof in Großensee führte. Seine Leidenschaft galt immer auch den Pferden, nicht den Trakehnern seiner Kindheit, sondern den Holsteinern, so wie ihm Stormarn und Holstein zur Heimat geworden war (bis aufs Wetter). 1987 übernahmen seine Tochter Sabine und ihr Mann Maik Pokupic den Hof, von denen die Tageblatt-Leser ebenso viel erfahren durften wie von Enkel Philip, der 1988 geboren wurde, und von Monika Fuchs, die nach dem Tod seiner Frau an der Seite von Leonhard Hundsdoerfer war.

Als er 1945 in Großensee ankam, wähnte er sich fast schon in Dänemark, weil er nichts verstand, was die Menschen redeten. Er hat sich das Niederdeutsche nicht nur zu eigen gemacht, sondern auch lieben gelernt. Mit dem Platt begann er auch die Geschichten aufzuschreiben und vorzutragen, zunächst für Hochzeitszeitungen und Nachbarn. Der „Durchbruch“ kam mit der Reportage über die „verrückte Kuh Suleika“ 1974, die ausgebrochen und zur Insel im Großensee geschwommen war, von wo sie sich zwei Tage lang nicht retten lassen wollte. Bis Leonhard Hundsdoerfer sie auf einem selbst gebauten Floß an Land holte. „Das Stormarner Tageblatt hat sie gedruckt, obwohl ich bei meinem Vorstellungsgespräch in Stallklamotten und Gummistiefeln keinen guten Eindruck hinterlassen habe“, erzählte er später grinsend. Zwei Bücher „Hunsdoerfliches“ hat er geschrieben und Hörbook-CDs eingelesen. 2014 war er noch auf Lesungen unterwegs.

 Seinen 80. Geburtstag feierte Leonhard Hundsdoerfer vor zwei Jahren mit mehr als 100 „Freunden und Verwandten, mit denen ich ein ganzes Leben verbracht habe“. Es war ein erfülltes Leben. Und vermutlich bringt das Stormarner Original mit dem Schalk im Nacken nun die Engel im Himmel zum Lachen. Mach’s gut, Leonhard Hundsdoerfer!


>Die Trauerfeier findet am Freitag, 8. April, um 14 Uhr in der Tymmo-Kirche zu Lütjensee statt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen