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Fremde Sitten : Trotz Heimweh freut sich Trisnanto auf Weihnachten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Indonesier Ary Trisnanto, Badmintonspieler des TSV Trittau, lernt bei Familie Persson die deutsche Gepflogenheiten kennen. Weihnachten wird in seiner Heimat nicht gefeiert. Doch in Deutschland freut sich der 22-Jährige auf das Fest.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 16:00 Uhr

Normalerweise würde Ary Trisnanto Weihnachten nicht feiern. Doch tausende Kilometer von seiner Heimat Indonesien entfernt, bleibt ihm fast keine andere Wahl. „Ich finde das aber sehr interessant, auch weil ich dadurch andere Religionen besser verstehe“, sagt der 22 Jahre alte Badminton-Spieler des TSV Trittau.

Seit 2011 spielt Trisnanto für den TSV und ist damit nach Nikolaj und Jonathan Persson der dienstälteste Spieler im Bundesliga-Team. Sportlich ist er kaum noch wegzudenken. In der zweiten Liga gewann er zwischen 2011 und 2013 23 seiner 25 Einzel, in Deutschland zählt er seit langem zu den besten Spielern – war unter anderem Ranglistenbester 2012/13 – und ist nun auch die Nummer eins in Trittaus Bundesliga-Mannschaft. Besonders wichtig für den Club ist, dass Trisnanto eben kein typischer Badminton-Import ist, der nur zu den Punktspielen eingeflogen wird und danach gleich wieder verschwindet. Trisnanto trainiert täglich in Trittau, kann den Talenten so helfen und das Niveau deutlich anheben.

Ursprünglich hatte er nur ein Jahr bleiben wollen, nachdem er die indonesische Nationalmannschaft verlassen musste, weil sich sein Club die teuren Auswärtsfahrten nicht mehr leisten konnte. Doch Trisnanto und Trittau das passte – sportlich und menschlich. 2011/12 lebte er bereits bei den Perssons und besuchte einen Sprachkurs in Oldesloe. Nachdem er während der vergangenen Saison beim ältesten Sohn des Persson-Clans Joachim, der früheren Nummer sechs der Welt, in Dänemark wohnte, kehrte Trisnanto im Sommer nach Stormarn zurück und begann eine Ausbildung zum Zahntechniker. Die ist sehr zeitintensiv, besonders die Phase an der Berufsschule in Neumünster. Dort muss er mit Übersetzungen arbeiten, um alles zu verstehen. „Ich muss hart arbeiten und fleißig sein“, sagt Trisnanto, bislang laufe es gut. Sein großes Ziel ist es, auch danach in Deutschland zu bleiben – obwohl er seine Familie in der Heimat „jeden Tag“ vermisse. Zuletzt hat er sie im Sommer gesehen und auch im kommenden Juni möchte er wieder nach Indonesien reisen, um dort Ramadan zu feiern. Plagt ihn das Heimweh zu sehr, nimmt er per Skype oder SMS Kontakt auf.

Spaß bereitet dem Muslim die Weihnachtszeit aber auch. Beim Plätzchenbacken mit der Familie Persson hat er schon tatkräftig geholfen. Und auf „das Tanzen, Singen, den Weihnachtsbaum und natürlich das Raclette-Essen freue ich mich auch schon“, sagt Trisnanto. Mit den Geschenken haperte es aber noch bis zum Schluss. „Ich werde an Heiligabend noch shoppen gehen müssen“, lacht der Indonesier – bislang fehlte ihm die Zeit.

Wegen der vielen Verpflichtungen bleibt auch die Freizeit meist auf der Strecke. Er gehe zwar gerne Shoppen, Schwimmen oder einen Eiscafé trinken, oft komme das allerdings nicht vor. In seinem Steckbrief auf der TSV-Homepage steht zudem noch Kino als Hobby. Da sei er aber schon lange nicht gewesen, lacht Trisnanto: „Dafür fehlt mir die Freundin.“

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