Trittauer Medikamente für die Welt

Patrick Lever zeigt Wirtschaftsminister Jost de Jager und WAS-Chef Norbert Leinius eine frisch produzierte Ampulle.  Foto: Blase
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Patrick Lever zeigt Wirtschaftsminister Jost de Jager und WAS-Chef Norbert Leinius eine frisch produzierte Ampulle. Foto: Blase

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18. Februar 2011, 09:14 Uhr

Trittau | Als die französische Panpharma 1999 Rotexmedica in Trittau übernahm, "war das eine große Herausforderung", sagt Geschäftsführer Patrick Lever, "Panpharma war damals kaum größer als Rotexmedica, und in Trittau waren jahrelang rote Zahlen geschrieben worden". Von 154 auf 70 Mitarbeiter wurde die Belegschaft damals reduziert, "heute haben wir 170 Mitarbeiter, mehr als damals", sagt Lever.

Entwickelt wird in Trittau nichts, das Unternehmen stellt so genannte Generika her, wirkstoffgleiche Kopien eines Medikaments, für die zwar noch Zulassungen, aber keine keine klinischen Testreihen mehr erforderlich sind. "Wir versuchen, die Mittel auf dem Markt zu bringen, sobald das Patent abgelaufen ist, um so schnell wie möglich einen großen Marktanteil zu erobern", so Lever.

Das Geschäft lässt sich nur über die Masse machen, weil die Preise nach der Patentfreigabe schnell fallen. In Trittau werden vor allem Antibiotika, Corticoide und Anästhetika hergestellt, flüssig oder als Suspension. 90 Millionen Ampullen bis 25 ml und 20 Millionen Flaschen bis 100 ml verlassen jährlich den Betrieb. Produziert wird rund um die Uhr in drei Schichten, zeitweise auch sonnabends, um Spitzen abzudecken.

Ein Viertel der Produktion geht an die Mutter, weil sich Panpharma auf feste Medikamente, Trittau auf Flüssigkeiten spezialisiert hat. Von den restlichen 75 Prozent geht die Hälfte in den Export, ein Viertel sind Aufträge von Fremdfirmen, ein weiteres Viertel geht direkt an die Krankenhäuser, ein Markt, der für Rotexmedica immer wichtiger werde, so Lever.

Das Unternehmen liefert in mehr als 80 Länder und verfügt weltweit über 700 Registrierungen für Medikamente. Konkurrenz haben die Trittauer nicht nur national, sondern auch international, wenngleich sich Arzneimittel nicht so einfach herstellen lassen wie Gartenstühle. Um sich behaupten zu können, setzt man bei Rotexmedica auf Know-How, Flexibilität und Effizienz. "Bei der Auftragsfertigung mischen die Trittauer nicht einfach nur etwas zusammen, sondern bieten die komplette Produktion vom Rohstoff-Einkauf bis zur Endkontrolle. "Und wir versuchen, jedes Jahr zwei neue Produkte auf den Markt zu bringen", so Lever - immer mit der Hoffnung verbunden, damit auch Marktführer zu werden.

Das ist Panpharma in Frankreich mit neuen Infusions-Bags gelungen, die man in Trittau gerne auch für Deutschland herstellen würde. Wenn der Aufsichtsrat grünes Licht gibt, würde Rotexmedica erweitern. Auf dem Nachbargrundstück ist eine Firma in Insolvenz gegangen, "das wäre ideal", so Norbert Leinius, Chef der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS). Er sah sich mit Wirtschaftsminister Jost de Jager, Bürgermeister Walter Nussel und CDU-Politikern die Produktion in der Trittauer Bunsenstraße an. Unterstützung für die Erweiterung könnte auch aus Kiel kommen. Man werde prüfen, ob für Rotexmedica eine Innovationsförderung möglich sei, versprach Jost de Jager.

Auf seinem Weg zur Schützenhalle, wo der Wirtschaftsminister zum Thema "Zukunftsland Schleswig-Holstein" sprach, geleiteten ihn die Trittauer auch über die Rausdorfer Straße. Seit den 70er Jahren wird über die Sanierung der Landesstraße geredet, "getan hat sich nichts", so CDU-Ortsvorsitzender Bernd Geisler.

Versprechungen wollte de Jager aber nicht machen: "Ich möchte Ihnen keine Hoffnungen auf einen vorzeitigen Baubeginn machen. Das wäre unseriös. Aber für 2013 können wir die Straße in den Plan aufnehmen." Norbert Leinius und Walter Nussel versuchten, den Minister auch zum Ausbau der B 404 zu drängen "Wir werden das Thema A21 weiter hochhalten", so Leinius. Nur wenn Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen gemeinsam auftreten, werde es gelingen, die A21 im nächsten Verkehrswegepan in den vordringlichen Bedarf zu bekommen.

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