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Trendwende: Immer mehr Ärzte bleiben im Land

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Arztberuf hat an Attraktivität gewonnen / Ambulante Versorgung: Praxis-Nachfolge ist derzeit kein Problem

von
erstellt am 23.Mär.2015 | 17:22 Uhr

Der Exodus junger Mediziner scheint gebrochen: Meldeten sich bei der Ärztekammer in Bad Segeberger 2008 noch knapp 70 Mediziner ab, weil es in Skandinavien oder England bessere Arbeitsbedingungen gab, waren es im vergangenen Jahr nur noch 47. Auch die Anzahl approbierter Ärzte, die nicht in ihrem ursprünglichen Beruf arbeiten, sondern sich bei Versicherungen oder Pharmafirmen verdingen, sinkt rapide . „Der Beruf des Arztes hat offensichtlich wieder an Attraktivität gewonnen“, stellt man bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Bad Segeberg (KVSH) mit Genugtuung fest.

Besonders erfreulich: Viele Ärzte zieht es in den ambulanten Bereich. Die Praxis-Nachfolge ist deshalb momentan im Regelfall kein Problem. „Allein von Mitte 2012 bis Jahresanfang 2015 haben sich 400 Ärzte im Norden niederlassen. Viele von ihnen werden voraussichtlich noch Jahrzehnte praktizieren, denn eine ganze Reihe von ihnen sind noch keine 40 Jahre alt“, erklärte gestern KV-Sprecher Marco Dethlefsen.

Auch der Präsident der Ärztekammer, Franz-Joseph Bartmann findet die jüngsten Zahlen ermutigend: „Wir dürfen davon ausgehen, dass die Versorgung der Menschen durch niedergelassene Haus -und Fachärzte auch in Zukunft sichergestellt werden kann, wenn auch in anderer Organisationsform als gewohnt“. Denn es sei deutlich erkennbar , dass sich das Berufsbild des Arztes verändere. „Nur noch wenige streben in das wirtschaftliche Risiko der eigenen Praxis, die meisten bevorzugen das Angestelltenverhältnis“. Entsprechend hat sich die Zahl der nicht selbstständigen Ärzte in den Praxen Schleswig-Holsteins binnen eines Jahres deutlich erhöht – von 689 auf 861. Das schließt allerdings eine spätere Praxisübernahme nicht aus: Unter den 400 neu niedergelassenen Ärzten waren 66, die zuvor im Angestelltenverhältnis gearbeitet hatten.

Die hohe Zahl der angestellten Ärzte führt allerdings auch dazu, dass mehr Ärzte nachfolgen müssen als tatsächlich ausscheiden. „Perspektivisch gehen wird davon aus, dass demnächst drei Ärzte notwendig sind, um zu zwei Praxisinhaber zu ersetzen“, erklärt KV-Sprecher Dethlefsen. „Selbstständige arbeiten oft bis zu 12 Stunden am Tag, Angestellte wollen nach acht Stunden nach Hause“. Kommentar Seite 2


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