Lütjensee : Treffen der jungen Generation

Leiteten das Wochenende im Lütjenseer Gästehaus des KJR (von links): Ann-Kathrin Wulf, pädagogische Mitarbeiterin des KJR, Dr. Christian Meyer-Heidemann, Landesbeauftragter für politische Bildung, Klaus Meeder, Jugendabteilung im Sozialministerium, Julia Jastremski, pädagogische Geschäftsführerin des KiJub Ahrensburg, und Stefan Kühl, Vorsitzender des Kreisjugendrings.
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Leiteten das Wochenende im Lütjenseer Gästehaus des KJR (von links): Ann-Kathrin Wulf, pädagogische Mitarbeiterin des KJR, Dr. Christian Meyer-Heidemann, Landesbeauftragter für politische Bildung, Klaus Meeder, Jugendabteilung im Sozialministerium, Julia Jastremski, pädagogische Geschäftsführerin des KiJub Ahrensburg, und Stefan Kühl, Vorsitzender des Kreisjugendrings.

Zehn Jahre „Partizip Action“ – mit 26 Teilnehmern im Jugendgästehaus am Lütjensee.

shz.de von
28. Oktober 2018, 14:39 Uhr

Seit zehn Jahren gibt es die Veranstaltung „Partizip Action“, bei der sich Jugendliche des Landes Schleswig-Holstein, die kommunalpolitisch aktiv sind, zum Beispiel im Kinder- und Jugendbeirat ihrer Gemeinde, zum gegenseitigen Austausch und zur intensiven Fortbildung in Workshops treffen. Seit neun Jahren veranstaltet das Treffen der Kreisjugendring, insgesamt gab es zwölf Zusammenkünfte. Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit.

Stefan Kühl, Vorsitzender des Kreisjugendrings Stormarn (KJR), konnte 26 Teilnehmer im Jugendgästehaus am Lütjensee begrüßen. Und hatte ein beeindruckendes Ergebnis früherer Arbeit im Gepäck: „Vor zwei Jahren kam beim Treffen das Thema auf, das in Schulen zu wenig über Kommunalpolitik gelehrt wird. Meist ist die Bundes- oder Außenpolitik Thema. Wir haben gemeinsam mit Experten, darunter auch Lehrer, ein Unterrichtsmodul entwickelt, damit Jugendliche mehr über die Politik direkt vor ihrer Haustür erfahren“, so Kühl. Information könne zu Engagement führen und das wirke Politikverdrossenheit entgegen.

Nach § 47 der Gemeindeordnung müssen Kinder und Jugendliche entweder zu Projektbeteiligungen, wie etwa bei der Planung eines Spielplatzes oder durch die Gründung eines Kinder- und Jugendbeirats (KiJub) an der Kommunalpolitik beteiligt werden. „Das ist auch bei allen Bürgermeistern angekommen. Aber wenn es Geld kostet, schrecken viele zurück“, weiß Kühl. Vorbildlich läuft es seit vielen Jahren in Ahrensburg. Hier gibt es in der Person von Julia Jastremski eine pädagogische Geschäftführerin des KiJub, die das Gremium bei der Arbeit unterstützt. „Erwachsene Ehrenamtler haben ihre Verwaltung als Unterstützung. Jugendliche können die ganzen Einladungen zu Sitzungen und die zahlreichen Beratungsvorlagen nicht alleine bewältigen“, so Klaus Meeder, zuständig im Sozialministerium für Jugendarbeit und Organisator von „Partizip Action“ von Beginn an. Er zieht zudem eine positive Bilanz der 10 Jahre: „Am Anfang gab es in Schleswig-Holstein 30 KiJub, jetzt sind es etwa 64. Neumünster, Eutin und Plön haben gerade Beiräte aufgestellt, kleinere Gemeinden tun sich schwerer.“

Das neue Unterrichtsmaterial soll neue Impulse bringen. „Jugendliche interessieren sich dafür, warum beispielsweise in ihrer Schule gerade etwas gebaut wird und fragen uns, was da passiert“, so Kühl. Ahrensburg sei auch ein gutes Beispiel dafür, dass das frühe politische Engagement den Parteien den Nachwuchs sichere. „Jede Partei im Stadtrat hat mindestens einen Abgeordneten dabei, der früher im KiJub aktiv war“, sagt Kühl. Der KJR fordert eine regionale Servicestelle, angesiedelt beim KJR, der sowieso schon immer von interessierten Bürgermeistern angesprochen wird. „Aber unsere Kapazitäten sind begrenzt, wir brauchen mehr Mitarbeiter“, betont Kühl, der selbst als Mitglied im Ahrensburger KiJub begann, dann vom Teilnehmer zum Veranstalter wurde und jetzt Vorsitzender ist. „Manchmal entwickeln sich so etwas wie Berufsjugendliche“, sagt er scherzhaft. Der Landesbeauftragte für politische Bildung, Dr. Christian Meyer-Heidemann, fordert, den WiPo-Unterricht zu stärken und Kommunalpolitik zum Inhalt zu machen. „An Gemeinschaftsschulen gibt es nur Weltkunde, was mehrere Fächer vereint. Das sollte man wieder auflösen, damit es qualifizierten Politikunterricht gibt.“

In den Workshops beschäftigten sich die Teilnehmer mit den Themen „Demokratie direkt vor unserer Haustür“, mit Projektmanagement und Moderation.

>Nominiert: Das Projekt Partizip Action ist eines von neun aus 120 ausgesuchten Projekten, das für den schleswig-holsteinischen Bürgerpreis nominiert ist. „Das ist ein toller Ausdruck dafür, wie hoch das Engagement bewertet wird“, so Meeder.


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