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Stormarner Tageblatt

20. Oktober 2017 | 03:37 Uhr

Ahrensburg : Treffen der Generationen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Tobias-Haus in Ahrensburg geht mit der Zeit: Das Heim hat ein Blog-Projekt über das Alter gestartet.

Die Bewohner des Alten- und Pflegeheims Tobias-Haus sind zwar alt, aber nicht von gestern. In einem Senioren-Blog geben einige der 63- bis 107-Jährigen ihre Sicht auf das Leben und Alter preis. Für das Projekt kooperiert das Tobias-Haus mit der Hamburgerin Kati Borngräber, die einen Blog über das Alter betreibt. Unter dem Motto „Alter, du bist mir wichtig!“ porträtiert sie Senioren, Pflegekräfte und auch Angehörige.

„Ich möchte die Menschen, um die es bei der Altenpflege geht, in den Mittelpunkt stellen und ihre ganz persönliche Geschichte erzählen“, sagt die 37 Jahre alte Frau. Die Bewohner, die sich darauf einlassen, können gleichzeitig neue Erfahrungen mit den sozialen Medien sammeln.

„Einige haben bereits einen Internetzugang und surfen regelmäßig im Netz. Mit der Blog-Kooperation gehen wir noch einen Schritt weiter, und ermöglichen es ihnen, selbst im Internet in Erscheinung zu treten“, sagt Tobias-Haus-Heimleiterin Christine Berg.

Kati Borngräber ist Redakteurin in einer Agentur für Kommunikation in Hamburg. „Nachdem mein Opa an Demenz erkrankte, begann ich ein Masterstudium am Department für Pflegewissenschaften der Universität Witten/Herdecke. Um die Arbeit mit Senioren auch in der Praxis kennenzulernen, machte ich ein Praktikum in einem Pflegeheim in Dänemark und war nach einer Ausbildung zur Alltagsbegleiterin Betreuerin im Tobias-Haus in Ahrensburg“, so die 37-Jährige, die sich zudem in zwei Kulturprojekten für Menschen mit Demenz engagiert.

Das Tobias-Haus unterstützt sie seit kurzem auch bei der Öffentlichkeitsarbeit. „Die Idee, Bewohner in meinem Blog zu porträtieren, hatte ich schon vorher. Ich mache das, weil ich die Geschichten der Bewohner spannend finde. Ich brenne geradezu für das Alter. Unendlich vielseitig, oft tragisch und berührend und manchmal auch lustig: Das ist es, worüber ich schreiben will“, sagt Kati Borngräber. Einen Blog zu entwickeln, der dem Alter eine Stimme verleiht, kritisch hinsieht aber auch Mut macht, sei die logische Konsequenz und „die perfekte Symbiose aus Job, Studium und meiner Leidenschaft fürs Schreiben.“

Der erste Beitrag im Internet unter www.katicares.com/umzug-ins-pflegeheim befasst sich mit dem pensionierten Handelsschullehrer Uwe, der mit seiner Frau ins Tobias-Haus gezogen ist. Er hat sich dafür entschieden, weil die Erkrankung bei ihm – anders als bei seiner Frau – noch in einem sehr frühen Stadium ist. Aufgewachsen ist Uwe in Bad Oldesloe als eins von elf Kindern eines Landhandelskaufmanns. Als Kind träumte er von einem kreativen Beruf wie Schneider oder Innenarchitekt, doch das hätte sein Vater nicht akzeptiert. So machte er eine kaufmännische Ausbildung in der Textilindustrie und wurde dann Diplom-Handelsschullehrer. In Stade musste er zwar seine Freunde zurücklassen, dafür wohnt er jetzt im Tobias-Haus näher zu seinen beiden Söhnen, die in Hamburg leben.

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