Bad Oldesloe : Trave Arkaden – Kunst muss weg

Nur noch ein Haufen Schutt: Der Abriss der Post geht voran. Spätestens Ende nächster Woche muss auch die Kunst-Säule von Erich Lethgau verschwinden.
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Nur noch ein Haufen Schutt: Der Abriss der Oldesloer Post geht voran. Spätestens Ende nächster Woche muss auch die Kunst-Säule von Erich Lethgau verschwinden.

Der Abriss des ehemaligen Postgebäudes läuft auf Hochtouren. Für die Lethgau-Stelen an der Spitze des Grundstück gibt es noch eine Gnadenfrist bis Ende nächster Woche.

Andreas Olbertz. von
10. Juli 2015, 06:00 Uhr

Stück wird Stück fällt die ehemalige Post an der Lübecker Straße dem Abrissbagger zum Opfer. Von vorne sieht das Gebäude noch einigermaßen intakt aus, doch wer von hinten guckt, stellt sofort fest: Außer der Fassade ist da nur noch Bauschutt.

Zwei Betonsäulen stehen noch. Fast trutzig recken sie sich je nach Perspektive aus dem Trümmerfeld empor. Der Künstler Erich Lethgau aus Stubben hat die Stele 1986 für 100  000 Mark geschaffen. Mehr noch: „Ich habe vor 29 Jahren den Vorplatz gestaltet“, schlug der bundesweit aktive Künstler jetzt im Bauausschuss Alarm. Der Investor habe ihn angerufen und ihm seine Säulen für den Vorgarten angeboten.

„Es gab doch mal einen Deal mit dem vorherigen Investor“, erinnerte Ausschussvorsitzende Maria Herrmann (SPD). Investorin Alexandra Weber war in einer Sitzung der Kragen geplatzt und sie verlangte, dass damit aufgehört werden solle, immer neue Forderungen zu erheben, schließlich habe sie sich sogar bereit erklärt „die blöde Stele“ zu retten. Aber das war nur eine mündliche Absprache. Ehepaar Weber ist raus, die List-Gruppe an deren Stelle getreten und besagte Zusage ging verloren.

Bei den Bauausschussmitgliedern kam kein Aktionismus auf. „Wenn ich das richtig sehe, ist es kein städtisches Kunstwerk“, so Hans-Jochim Stolten (CDU): „Es wäre also nur good will.“ Doch davon will Maria Herrmann nichts wissen: „Ich sehe nicht, dass wir in die Bresche springen.“

Darf so ein Kunstwerk einfach vernichtet werden? Wie Rechtsanwalt Christoph Weiß von der Kieler Kunstrechts-Kanzlei ausführt, stehen sich in so einem Fall Eigentumsrechte und das Urheberpersönlichkeitsrecht, das unter anderem Kunstwerke vor Entstellung schützt, diametral gegenüber. In der Rechtsprechung gebe es zwei Strömungen. Die ältere besage, eine Zerstörung sei keine Entstellung – damit wäre der Weg für den Abriss frei. In neueren Urteilen werde argumentiert: Natürlich ist die Zerstörung eine Form der Entstellung – aber daraus lasse sich kein generelles Abrissverbot herleiten. Es müsse vielmehr eine „angemessene Interessensabwägung“ stattfinden.

Rechtsanwalt Weiß: „Das ist eine moderne Umschreibung von: Ich muss mich nicht festlegen und anything goes. In der Regel ist aber anzunehmen, dass die Eigentumsinteressen überwiegen.“ Obwohl ein Grundsatzurteil des BGH noch ausstehe, gäbe es gewichtige Stimmen in der Literatur, die einem Künstler in solchen Fällen ein Recht auf Rückgabe zubilligen wollen.

Das räumte Investor List ein. „Da wir einen engen Zeitplan haben, müssen wir spätestens Ende nächster Woche auch an dem Teil des Geländes arbeiten, auf dem das Kunstwerk steht, sodass der Rückbau in Kürze erfolgen wird“, erklärt Unternehmenssprecherin Laura Raasch. Auch Bauamtsleiter Thilo Scheuber holte sich bei den Nordhornern eine Abfuhr – kein Geld für eine Rettung. „Ich wüsste jetzt nicht, was ich weiter machen sollte“, sagt er: „Vielleicht kommt ja noch ein Dringlichkeitsantrag zur Stadtverordnetenversammlung.“ Er beziffert die Kosten grob mit 65  000 Euro.

Jurist Christoph Weiß engagiert sich in der Kunstszene, trotzdem steht er einem öffentlichen Engagement in solchen Fällen kritisch gegenüber. „Dann ist der Rest des Kulturetats für die anderen platt“, argumentiert er: „Ich bin sehr dafür, viel Geld in die Kultur zu geben – aber in die Zukunft gerichtet, nicht fürs Archivieren.“

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