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Stormarner Tageblatt

18. Oktober 2017 | 04:34 Uhr

Stormarn : Trauer um ein Original

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Leonhard Hundsdoerfer ist mit 82 Jahren in Großensee verstorben. Er hatte stets den Schalk im Nacken

Große Trauer um Leonhard Hundsdoerfer. Der Landwirt, ehemalige Bürgermeister und   langjährige Plattdeutsch-Kolumnist des Stormarner Tageblatts ist Ostersonnabend – wenige Wochen nach seinem 82. Geburtstag – in Großensee gestorben.

Die Familie Hundsdoerfer stammte ursprünglich aus dem Salzburger Land, hatte später bei Königsberg das Gut Rathstal aufgebaut, und musste Ostpreußen gegen Kriegsende verlassen. Auf der Flucht, mit zehn Jahren, fuhr Leonhard das Gespann, so hat er es selbst beschrieben: „Tein Joahr old, ein jämmerlichen Dwarg, un denn in den endlosen Treck feuhrn. Föfftein Stunnen, fiefuntwintig Grad Frost! Ick weur total stievfroren, un de Fruens geben mi „Kutscherwien“ dat ick dörchhollen kunn. Dicht achter uns weur de Front un wi hüürten all de Ketten vun de russischen Panzer.“ Aber er schaffte es!

 Kurz nach Weihnachten 1945 kam der Rest der Familie nach 14 Tagen Irrfahrt im Güterwaggon in Altona an. Mit der U-Bahn ging es nach Schmalenbeck und von dort zu Fuß nach Großensee. „Der Herrgott hat es gut mit uns gemeint, als er uns in Großensee stranden ließ“, schrieb Hundsdoerfer 1989 im Stormarner Tageblatt.

 Dazwischen lagen fast zehn Jahre als Bürgermeister, mehr als 40 aktive Jahre in der Freiwilligen Feuerwehr, die ihn zum Ehrenmitglied ernannte. 17 Jahre war Hundsdoerfer zudem Vorsitzender des Gewässerpflegeverbands Bille und zehn Jahre Schiedsmann des Amts Trittau. Als er stellvertretender Bürgermeister war, zeichnete er den Entwurf eines Großenseer Wappens und wurde verlacht. In seiner Zeit als Bürgermeister wurde es dann mit dem Segen der Heraldiker amtlich. Hundsdoerfer gab grünes Licht für das Feuerwehrgerätehaus, ließ das Freibad bauen und machte das Dörphus zum Gemeindezentrum.

 Große Bekanntheit erlangte Leonhard Hundsdoerfer durch seine erzählten Geschichten und Scherze. „Der Ostpreuße liebt humorvolle besinnliche Gedichte und Geschichten mit überraschend kräftiger Schlusspointe. Einen Witz trägt er in voller epischer Breite und mit schauspielerischem Können vor“, hat er mal beschrieben, wofür ihn die Menschen liebten. Mehr als 30 Jahre schrieb er Plattdeutsch-Kolumnen für das Stormarner Tageblatt und ließ uns in „Hundsdoerfers Woche“ an seinem Leben teilhaben.

 Er erzählte von Lehrjahren in Niedersachsen und Oberbayern, von seiner Frau Anneliese, die er 1956 heiratete, nachdem er als studierter Agraringenieur aus Hildesheim zurückgekommen war und mit der er den Hof in Großensee führte. Seine Leidenschaft galt den Pferden, nicht den Trakehnern seiner Kindheit, sondern den Holsteinern, so wie ihm Stormarn zur Heimat geworden war (bis aufs Wetter). 1987 übernahmen seine Tochter Sabine und ihr Mann Maik Pokupic den Hof, von denen die Tageblatt-Leser ebenso viel erfahren durften wie von Enkel Philip, der 1988 geboren wurde, und von Monika Fuchs, die nach dem Tod seiner Frau an der Seite von Leonhard Hundsdoerfer war.

Als er 1945 in Großensee ankam, wähnte er sich fast in Dänemark, weil er nichts verstand, was die Menschen redeten. Er hat sich das Niederdeutsche nicht nur zu eigen gemacht, sondern auch lieben gelernt. Mit Platt begann er auch die Geschichten aufzuschreiben und vorzutragen, zunächst für Hochzeitszeitungen und Nachbarn. Der „Durchbruch“ kam mit der Reportage über die „verrückte Kuh Suleika“, 1974, die ausgebrochen und zur Insel im Großensee geschwommen war, von wo sie sich zwei Tage lang nicht retten lassen wollte – bis er sie auf einem selbst gebauten Floß an Land holte. „Das Tageblatt hat sie gedruckt, obwohl ich beim Vorstellungsgespräch in Stallklamotten und Gummistiefeln keinen guten Eindruck hinterlassen habe“, erzählte er schmunzelnd. Zwei Bücher „Hunsdoerfliches“ hat er geschrieben und Hörbuch-CD eingelesen.

 Seinen 80. Geburtstag feierte er vor zwei Jahren mit mehr als 100 „Freunden und Verwandten, mit denen ich ein ganzes Leben verbracht habe“. Es war ein erfülltes Leben. Und vermutlich bringt Hundsdoerfer mit dem Schalk im Nacken jetzt die Engel im Himmel zum Schmunzeln. Wir werden ihn vermissen. Mach’s gut, Leonhard Hundsdoerfer!


>Die Trauerfeier findet am Freitag, 8. April, um 14 Uhr in der Tymmo-Kirche zu Lütjensee statt.

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