Kettenrettung bei Barsbüttel : Transporter kracht auf A1 in Stauende: Fahrer wird schwer verletzt

<p>Der Fahrer hatte offenbar den Stau vor dem Autobahnkreuz Hamburg-Ost übersehen.</p>

Der Fahrer hatte offenbar den Stau vor dem Autobahnkreuz Hamburg-Ost übersehen.

Mit einer Kettenrettung wurde der verunglückte Mann aus dem Fahrzeug geborgen. Er hatte den Stau übersehen.

shz.de von
06. Juni 2018, 12:03 Uhr

Barsbüttel | Bei einem schweren Unfall wurde am Mittwoch auf der A1 bei Barsbüttel (Kreis Stormarn) der Fahrer eines Transporters der Sprinterklasse in seinem total zertrümmerten Fahrzeugwrack eingeklemmt. Der Mann war Richtung Hamburg unterwegs und hatte offenbar einen Stau übersehen, der sich vor dem Autobahnkreuz Hamburg-Ost gebildet hat. Mit voller Wucht war er deshalb in einen Lastwagen am Stauende gekracht, der Transporter wurde dabei etwa eineinhalb Meter eingedrückt.

<p>Der Zustand des Unglücksfahrzeugs zeigt die Schwere des Aufpralls.</p>
Peter Wüst/rtn

Der Zustand des Unglücksfahrzeugs zeigt die Schwere des Aufpralls.

„Durch die Wucht des Aufpralls war der Transporterfahrer dermaßen schwer in den Trümmern eingeklemmt, dass wir ihn auf Anforderung des Notarztes mit einer Kettenrettung ganz schnell aus dem Auto herausholen mussten“, sagte Frank Becker, Einsatzleiter der Feuerwehr. Während dieser Arbeiten hielten die Feuerwehrleute an der Unfallstelle Decken hoch, um Gaffern und Handyfilmern auf der Gegenfahrbahn die Sicht zu nehmen.

Was ist eine Kettenrettung?

Diese Art der Rettung stammt aus Norwegen und geht von diesem Szenario aus: Nach einem schweren Verkehrsunfall ist eine Person im Fahrzeug eingeklemmt, etwa im Fußraum. Der Notarzt stellt fest, dass der Zustand der Person äußerst kritisch ist und entschließt sich somit, eine „Crash-Rettung“ oder in Deutschland auch „Schnellrettung“ genannt, einzuleiten, um schnellstmöglich eine umfassende medizinische Versorgung zu gewährleisten.

Dabei geht es nicht mehr darum, den Patienten so schonend und behutsam wie möglich aus dem Fahrzeug zu befreien, sondern jede Sekunde zählt. Um die Kettenrettung durchzuführen, wird das Fahrzeug zunächst in eine „Standard-Position“ gebracht, also herumgedreht oder aus der Böschung gezogen. Währenddessen befindet sich im Idealfall ein Rettungsassistent oder ein Arzt im Inneren des Fahrzeuges, um die verletzte Person zu betreuen. Steht das Fahrzeug in einer guten Ausgangslage, so werden vorn und hinten an den Dachstreben Ketten befestigt, die jeweils mit einem Feuerwehrfahrzeug verbunden werden. Mit einer hydraulischen Rettungsschere werden anschließend Teile des Fahrzeugs eingeschnitten. Mit Hilfe einer Seilwinde zieht nun eines der beiden Feuerwehrfahrzeuge den verunglückten Wagen auseinander, der Verletzte ist frei, kann geborgen und versorgt werden.

Diese Art der Rettung bei schweren Unfällen ist in Deutschland noch gänzlich unbekannt und wird nicht praktiziert. Im Norden Dänemarks setzten die Feuerwehren die Methode bereits seit über fünf Jahren ein, die Einsatzkräfte im Süden folgen nun ebenfalls nach und nach. Der Vorteil bei dieser Rettung ist der Faktor Zeit: Zusammen mit dänischen Einsatzkräften brauchten die deutschen Feuerwehrmänner bei der Übung im Schnitt zehn Minuten, um einen Patienten aus der misslichen Lage zu befreien. (Bejamin Nolte)

 

Nach einer Erstversorgung durch den Rettungsdienst und Notarzt wurde der lebensgefährliche verletzte Fahrer des Transporter in die Unfallklinik nach Hamburg Boberg gebracht. Während der aufwändigen Rettungs- und Bergungsarbeiten war die A1 in Richtung Hamburg voll gesperrt. In der Folge staute sich der Verkehr weit hinter die Anschlussstelle Ahrensburg zurück.

Im Einsatz waren: Freiwillige Feuerwehr (FF) Barsbüttel, FF Stemwarde, FF Stapelfeld, Rettungsdienst mit mehreren Rettungswagen und Notarzt, Rettungshubschrauber Christoph Hansa und die Autobahnpolizei Bad Oldesloe.

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