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Asbestose : Tödliches Risiko schlummert immer noch überall

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

„Asbest - die tödliche Gefahr“ heißt das Thema, zum dem Afa Stormarn und die SPD am 2. November zur öffentlichen Informationsveranstaltung „in den Kreistagssitzungssaal einladen.

Asbest – da war doch mal was? In den 80er und 90er Jahren war Asbest in aller Munde, als es sich herumgesprochen hatte, welche großen gesundheitlichen Risiken vom Asbest ausgehen, so dass dessen Verwendung in Deutschland 1993 schließlich verboten wurde. Aber heute droht doch keine Gefahr mehr durch Asbest, oder? Mitnichten, sagen Harald Niemann von der Selbsthilfegruppe Asbestose und Uwe Teut, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (Afa) in Stormarn. Die Gefahr, die von Asbest auch heute noch ausgeht, ist riesengroß. Deshalb laden die Afa und die SPD am Sonnabend, 2. November, von 11 bis 15 Uhr zu einer öffentlichen Veranstaltung mit dem Titel „Asbest – die tödliche Gefahr“ in den Kreissitzungssaal, Reimer-Hansen-Straße 3, ein.

„Wir wollen keine Panikmache betreiben, aber die Sorglosigkeit im Umgang mit Asbest ist erschreckend und muss gestoppt werden“, sagt Uwe Teut. Schuld daran sei auch, dass das Thema Asbest nicht mehr in den Köpfen der Menschen sei. „Es hat sich inzwischen wieder eine fahrlässige Sorglosigkeit breit gemacht“, kritisiert der Vorsitzende der Afa, die es sich jetzt zur Aufgabe gemacht hat, die Lebensgefahr durch Asbest wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Schließlich sterben etwa 3000 Menschen jährlich an Krankheiten, die durch Asbest verursacht wurden, wie etwa die weit verbreitete Asbestose, von der auch Harald Niemann als Betroffener ein Lied singen kann. Der Norderstedter arbeitete in den 60er Jahren als Elektriker im Schiffsbau auf norddeutschen Werften, wo der Werkstoff Asbest allgegenwärtig war. „Wir haben auf den Schiffen in riesigen Asbeststaubwolken ohne Atemschutz gearbeitet. Die Luft flimmerte regelrecht von winzigen Asbestfasern, die beim Zersägen von Platten frei wurden und keiner von uns wusste damals, dass das Zeug so gefährlich ist“, erzählt Harald Niemann, Vorsitzender der Asbestose Selbsthilfegruppe in Hamburg und Schleswig-Holstein. Asbest wurde damals das Wundermaterial mit den 1000 Möglichkeiten genannt, was es einerseits ja auch ist. Erst Anfang der 80er Jahre wurde auch auf die vielfältigen gesundheitlichen Gefährdungen hingewiesen. Harald Niemann hatte Glück im Unglück, seine Asbestose wurde diagnostiziert und 2009 als Berufskrankheit anerkannt. „Vom ersten Einatmen bis zur Anerkennung vergingen aber 48 Jahre“, so Niemann, auf dessen Lunge sich die Asbestfasern durch Kalkablagerungen abgekapselt haben. Dennoch: Die tückische Krankheit ist unheilbar und selbst nach zwei bis vier Jahrzehnten kann bei Betroffenen noch Lungenkrebs ausbrechen. Darüberhinaus kann sich ein Mesotheliom ausbilden, ein bösartiger Tumor des Rippenfells. Asbest führt also die Liste der krebserzeugenden Arbeitsstoffe mit großem Abstand an, und 2005 verzeichneten die Berufsgenossenschaften mehr als 3700 neue, durch Asbest verursachte Berufskrankheiten. Die jährlichen Leistungen an die rund 30000 anerkannten Betroffenen sind beträchtlich, es geht um Milliardenbeträge für die Berufsgenosenschaften.

Allerdings sei der Nachweis für die Erkrankten schwierig, weiß Dr. Evelyn Glensk vom Bundesverband der Asbestose Selbsthilfegruppen. Deshalb müsste die Beweislast umgekehrt werden. „Es ist ein ungeheurer Skandal, wie mit den Menschen, die damals ihre Gesundheit ruiniert haben, umgegangen wird“, so die Historikerin. Schwerkranke Menschen würden in Sozialgerichtsverfahren getrieben.

Auch Erwin Draeger, ehemaliger Handwerksmeister und SPD-Mitglied, hat so seine Erfahrungen im Umgang mit Asbest. Erst letztens habe er auf einer Baustelle in der Turmstraße die Mitarbeiter einer Dachdeckerfirma dabei beobachtet, wie sie Wellasbest ohne jegliche Schutzvorrichtungen reinigten, was streng verboten ist. Und auch Ewald Liebe macht auf die vielfältigen Gefahren aufmerksam. „In den Kleingartenvereinen sind die meisten Lauben noch mit Eternitplatten eingedeckt. Damit wird allzu sorglos umgegangen“, so der stellvertretender Vorsitzender der Afa. Auch in den meisten Eigenheimen, die in den 50er bis 80er Jahren gebaut wurden, schlummert noch jede Menge Asbest, das nun fachgerecht entsorgt werden müsste.

Hier möchte die Info- und Diskussionsveranstaltung „Asbest - die tödliche Gefahr“ am 2. November Hilfestellungen geben. Harald Niemann wird die Arbeit der Selbsthilfegruppe Asbestose vorstellen und Prof. Dr. Xaver Baur von der Berliner Charité wird über Mängel der medizinischen Begutachtung bei den Berufskrankheitsverfahren referieren. Nach einem gemeinsamen Mittagessen und Austausch mit den Referenten berichtet der Unternehmer Edmund Zielke über Asbestvorkommen und deren aufwändige Sanierung. Zum Abschluss klärt Gerhard Citrich vom Europäischen Gewerkschaftsbund über das Engagement auf Arbeitnehmerebene zum Schutz der Bevölkerung auf.

Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig.



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erstellt am 13.Okt.2013 | 10:34 Uhr

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