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Stormarner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 02:54 Uhr

Rümpel : Tödliches Drama am Bahnübergang

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Haben Menschen oder Technik versagt? Wie konnte es zur Kollision von Zug und Auto kommen?

Am Tag nach dem tödlichen Unfall am Bahnübergang in Rümpel herrscht Entsetzen: Wie konnte es geschehen, dass der Ford einer 56-jährigen Rümpelerin, bei der es sich nach Informationen unserer Zeitung um die Pflegekraft von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt handeln soll, vom Regional-Express erfasst und mehre hundert Meter mitgerissen wird?

Es ist ein Horrorunfall auf der Strecke von Lübeck nach Hamburg. Am Bahnübergang bei Rohlfshagen erfasst ein Regionalexpress einen Kleinwagen und schleift ihn trotz Notbremsung fast 500 weit mit. Die 56-jährige Fahrerin aus Rümpel ist sofort tot. Die Bahnstrecke bleibt bis zum frühen Morgen voll gesperrt.

Die Ermittler überprüfen zurzeit, ob die Schranken geschlossen oder geöffnet waren, als es zu dem schrecklichen Unfall kam. Da die Halbschranken völlig unversehrt sind, spricht einiges dafür, dass sie geöffnet waren und die Frau ungehindert auf die Gleise fahren kann, wo sie im selben Moment vom Regionalexpress mit Tempo 120 erfasst wird. Zu dieser Vermutung passt die Aussage von Bundespolizei-Sprecher Gerhard Stelke. Als die ersten Rettungskräfte ankommen, soll demnach das rote Licht zwar geleuchtet haben, die Schranken seien aber geöffnet gewesen.

Etwa 150 Züge passieren die Strecke täglich. Jedes Mal muss der Fahrdienstleiter aus Bad Oldesloe oder Bargtheide den Bahnübergangsposten in Rümpel anrufen und den nächsten Zug ankündigen. So ist es auch in dieser Nacht. Der Posten nimmt den Anruf entgegen und bestätigt korrekt. Ohne diese Rückmeldung hätte die Bahn rechtzeitig vor den Schranken gestoppt. Kurze Zeit nach dem Anruf ist der Zug auch schon am Übergang. Nach Aussage von Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis funktioniere die provisorische Schrankenanlage einwandfrei und sei auch wieder in Betrieb. Weder der Streckenposten, noch der Lokführer können zum Hergang der Katastrophe befragt werden. Sie stehen beide schwer unter Schock und müssen notärztlich behandelt werden.

Gespentische Szenen: Auf den Gleisen liegen nur der Frontspoiler eines Autos, ein Scheinwerfer sowie Plastikteile. Die Rückleuchten des Zuges sind gerade noch im dichten Nebel dieses Abends zu erkennen. Blaulichter der Rettungswagen, der Feuerwehr- und Polizeiautos zucken in der Dunkelheit.

Als die ersten Sanitäter über das Gleisbett vom Zug zurückkommen, ist ihren Gesichtern und der Körperhaltung anzusehen, dass ein Mensch dort sein Leben gelassen hat. Das Auto hängt völlig zertrümmert an der Frontpartie des Triebwagens. Solange die 186 Passagiere aus dem Zug evakuiert werden, deckt die Polizei das Wrack ab. Beamte der Bundespolizei sichern in der Zwischenzeit Spuren an der Strecke und am Zug.

Nachdem der Leichnam der Autofahrerin geborgen ist, ziehen Feuerwehrleute das Autowrack unter der Lok hervor. Ein anderer Lokführer fährt den Zug zum Bahnhof nach Bad Oldesloe zurück. Das Autowrack wird von einem im Oldesloer Bahnhof stationierten Arbeitszug abtransportiert.


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