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Rümpel im Kreis Stormarn : Tödlicher Unfall am Bahnübergang – Schrankenwärter angeklagt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Nach dem schwerem Unfall am Rümpeler Bahnübergang beginnt jetzt der Prozess wegen Fahrlässiger Tötung. Angeklagt ist ein 58-jähriger Bahnübergangswärter. Er soll duchrch Fehlverhalten den Tod der Rümpelerin verursacht haben.

Rümpel | Vor dem Amtsgericht Ahrensburg hat am Mittwoch der Prozess gegen einen Bahnmitarbeiter begonnen, der einen tödlichen Unfall an einem Bahnübergang bei Bad Oldesloe verschuldet haben soll.

Mit einem Blitzschlag 2013 nahm das Drama seinen Anfang. Heute wird mit einem Totschlagsprozess hoffentlich das Ende eingeleitet. Es geht um den Bahnübergang Rümpel/Rohlfsagen. Die Elektronik der Anlage war im April 2013 bei einem Gewitter zerstört worden. Anschließend musste der Bahnübergang von Streckenposten gesichert werden – erst einer, kurze Zeit später zwei. Immer wenn auf der vielbefahrenen Strecke ein Zug nahte, mussten sie mit rot-weißem Flatterband die Straße sperren.

Schnell zeichnet sich ab, dass eine Reparatur der Anlage nicht möglich ist. Ein Neubau muss her und bis so etwas im Bahnhbehördendschungel genehmigt ist, vergeht einige Zeit. Im Mai 2014 wird eine provisorische Anlage aufgestellt. Anstelle der Girlande kommen zwei Halbschranken und eine Ampel zum Einsatz. Für die Bedienung wird nur noch ein Posten benötigt. Die Kraft vor Ort drückt einen Knopf, woraufhin die Schranken geschlossen werden und die Ampel auf Rot schaltet.

Im November 2014 passiert dann das schreckliche Unglück: Auf dem Bahnübergang erfasst ein Regionalexpress in Richtung Hamburg den Ford einer 56-jährigen Rümpelerin. Der Kleinwagen wird 500 Meter weit mitgeschleift, bevor der Zug zum Stehen kommt. Die Frau, sie arbeitete im Haushalt von Altbundeskanzler Helmut Schmidt, war sofort tot.

Die Fahrdienstleiter von Bad Oldesloe und Bargteheide melden beim Streckenposten im Rümpel ankommende Züge an. Nur wenn der Posten die Meldung korrekt bestätigt, bekommt der Zug freie Fahrt.

Trotzdem kommt es zu dem tödlichen Unfall. Noch in der Unglücksnacht berichten Zeugen, dass die Ampel zwar rot geleuchtet habe, die Schranken aber offen gewesen seien. Im Januar 2015 bestätigt Oberstaatsanwalt Günter Möller, den Sachverhalt. „Dass das möglich ist, will einem nicht einleuchten“, so Möller damals. Ein Fehler in der Steuerung oder von Menschenhand herbeigeführt? Seinerzeit waren die Untersuchungen dazu noch nicht abgeschlossen.

Inzwischen ist sich die Staatsanwaltschaft sicher. „Wir gehen von einem fahrlässigen Verstoß aus“, so Oberstaatsanwalt Dr. Ralf Peter Anders. Nach Ansicht der Ankläger hat sich der Streckenposten nicht vergewissert, ob ein Zug kommt, oder nicht. Sie legen dem 58 Jahre alten Angeklagten zur Last, im November 2014 als Bahnübergangsposten in Rümpel vorschriftswidrig die Öffnung der Bahnübergangsschranken veranlasst zu haben. „Vielleicht hat er die Daten falsch verstanden“, so Dr. Anders: „Er hat noch versucht, den Fehler zurückzudrehen. Doch da war es schon zu spät.“ Das mögliche Strafmaß bei einer Verurteilung reicht von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft.

Das Ahrensburger Amtsgericht hat für die Hauptverhandlung bislang drei Termine vorgesehen, zu denen neun Zeugen und zwei Sachverständige geladen worden sind.

 

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 10.02.2016 | 00:00 Uhr

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