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Tödliche Messerstiche nach Streit um Drogen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Rauschgiftbesitz und Totschlag: Stormarner Fall vor Lübecker Landgericht

Dem 45-jährigen, der wegen Drogenbesitz und Totschlag angeklagt ist, sieht man seine Drogenvergangenheit auf den ersten Blick nicht an. Er wirkt unscheinbar und gelassen, antwortet ruhig auf die Fragen, die der Richter, der Anwalt des Nebenklägers und der Staatsanwalt im großen Saal des Landgerichts Lübeck stellen.

Ali A. aus dem Iran hatte 2012 wegen angeblicher Bedrohungen in seiner Heimat einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Er lebte in einer städtischen Unterkunft am Mühlenweg in Reinbek. Dort war er im Mai 2013 mit einem Freund aus alten Tagen aneinandergeraten, einem Vater von vier Kindern, der in Köln wohnte. Er hatte beschuldigte Ali A., ihm eine erhebliche Menge Opium, Kokain und Heroin gestohlen zu haben. Im Streit – der „Freund“ habe ihn mit einem Elektroschocker zur Herausgabe der Drogen gezwungen – soll Ali A. mehrmals auf den Mann eingestochen und ihn dabei so schwer verletzt haben, dass dieser noch im Zimmer der Unterkunft seinen Verletzungen erlag.

Fieberhaft habe der Angeklagte versucht, seine Tat zu verbergen. Er habe ein Auto zum Abtransport leihen wollen und vergeblich versucht, den Betonboden seines Zimmers aufzustemmen, um die Leiche dort zu verstecken. Als die Kriminalpolizei nach mehreren Hinweisen eine Woche später am Tatort eintraf, ergab sich Ali A. ohne Widerstand. Die Beamten stellte vor Ort 84 Gramm Heroin, 13 Gramm Opium und 17 Gramm Kokain sicher. Eine Polizistin aus Reinbek erinnerte sich im Zeugenstand daran, dass zum Zeitpunkt der Tat laut Zeugenangaben im Fernsehen ein Champions League-Spiel lief.

Die Lebensgeschichte des 1968 in Teheran geborenen Iraners verlief tragisch und sehr turbulent. Seit seinem 14. Lebensjahr hatte Ali A. mit Drogen aller Art zu tun. Was mit Zigaretten und Alkohol begann, endete mit Kokain, Opium, Heroin und Crack. Seine Versuche, auf die Beine zu kommen, scheiterten wegen seiner Drogenabhängigkeit und brachten ihn mehrmals hinter schwedische Gardinen.

Nur durch eine Entziehungskur in Deutschland kam er für fünf Jahre von den Drogen los, wurde jedoch wieder rückfällig und geriet erneut in Schwierigkeiten.

„Ich habe mich immer einsam gefühlt. Mein Vater hat mich nie geliebt“, versucht er, seinen Drogenkonsum zu erklären. Einen festen Job hatte er nur selten, arbeitete in einer Bürstenfabrik, als Lackierer und als Kranfahrer, leistete zwei Jahre Militärdienst, hielt sich mit dem Verkauf von Drogen an seine Landsleute über Wasser. Sein Weg führte vom Iran für drei Jahre nach Japan, wo er sich mit seinem späteren Opfer anfreundete. „Wir lebten damals in einem Haus“, sagt er aus.

Von Japan ging es in die Ukraine, wo er sein Leben durch Drogenhandel finanzierte. Er habe Opium verkauft, aber nie Heroin, obwohl er selbst acht Jahre lang Heroin gespitzt habe, betonte Ali A. auf der Anklagebank. Anschließend lebte er 18 Jahre lang in der Türkei. Insgesamt 26 Monate saß er dort wegen Drogendelikten ein. Zurück im Iran sei er zwei mal wegen Drogenbesitzes inhaftiert gewesen. Nach seinen Angaben war er dann in eine Schlägerei im Haus des Präsidenten geraten und musste daher über die Türkei nach Deutschland fliehen, wo er Asyl beantragte. Sein Verfahren läuft noch.

Im Gerichtssaal sitzen auch Angehörige des Opfers. Einmal muss der Verteidiger den Nebenkläger, einen Bruder des Getöteten, zurechtweisen: er habe abfällige Gesten in Richtung des Angeklagten gemacht. Weitere neun Verhandlungstage sind angesetzt. 19 Zeugen sind geladen.

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erstellt am 04.Feb.2014 | 13:37 Uhr

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