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Bargteheider Doppelquartett : Tod auf der Bühne – ein Chor im Unglück

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Sänger des Bargteheider Doppelquartetts beginnen ihr Konzert. Plötzlich fällt ein Sänger überraschend um und stirbt später. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art.

Bargteheide | Alles war vorbereitet: Die Kirche weihnachtlich geschmückt, die Stuhlreihen gut besetzt, die Stimmen bestens trainiert. Der Chor intonierte das Eröffnungslied „Weihnacht“, die Herzen des Publikums flogen den Sängern zu. Nur eines auf der Bühne mochte nicht mehr schlagen. Das 89-jährige Mitglied des Bargteheider Doppelquartetts fiel während des Konzerts einfach um und verstarb noch am Abend. Doppelter Schock für das Doppelquartett: Denn gleiches hatten die Sänger bereits drei Jahre zuvor erleben müssen, als bei beim traditionellen Adventssingen des Chors ein Mitglied nach seinem Solo in einer Seniorenresidenz in Hamburg-Rahlstedt noch den Applaus genoss, dann umfiel und ebenfalls am Abend verstarb. Und wie zum Hohn hatte „der Bläserchor kurz zuvor angefangen ,Alle Jahre wieder’ zu spielen“, erinnert sich Chor-Mitglied Eberhard Frenzel an das Adventskonzert 2013 – und an den zweiten Toten. „Es war wie eine Doublette und für alle ein Katastrophe“, sagt Frenzel, 1. Tenor und mit 77 Jahren einer der Jüngeren im Doppelquartett.

Der dramatische Tod der beiden Sänger saß – und sitzt noch immer – tief. Nach dem Unglück im vergangenen Dezember stand für viele fest: „Das war der letzte öffentliche Auftritt“. Entsprechend überschattete die mögliche Auflösung die Jahreshauptversammlung des Doppelquartetts Bargteheide vor wenigen Tagen. Doch Trotz der tragischen Ereignisse beschlossen die Mitglieder einstimmig den 90-jährigen Chor am Leben zu erhalten – nach dem Motto „Jetzt erst recht“. „Das sind wir unseren treuen Anhängern und Förderern, der Stadt Bargteheide und den Pastoren der evangelischen Kirchengemeinde Bargteheide mehr als schuldig“, betont Wolfgang Freund, seit 44 Jahren Vorsitzender der Sängertruppe.

Doch zum Weitermachen fehlt der Nachwuchs. Zurzeit zählt das Doppelquartett noch elf Sänger – „Das ist zu wenig“, sagt Freund, denn erst ab zwölf dürfe man sich offiziell Chor nennen. Und was viel wichtiger ist: Das vierstimmige Singen klappt dann erst richtig. Verstärkung muss also her.

Wer Chor-Luft schnuppern möchte, hat dazu bei den Proben (immer donnerstags um 19.30 Uhr im Stadthaus Bargteheide) Gelegenheit. „Anschließend sitzen wir immer noch gemütlich zusammen und klönen über ,Ditt und Datt’, sagt Freund – getreu dem Motto: „Freude am Gesang und der Geselligkeit!“

Noch finden die Proben alle 14 Zage statt. Wünschenswert wären wöchentliche Übungsabende, sagt Frenzel, denn so könnten auch wieder mehr Auftritte pro Jahr ins Auge gefasst werden – dann auch Mal in kleinerer Besetzung als Gastensemble.

Mitbringen müssen neue Mitsänger im Grunde nur den oft zitierten Spaß an der Freude. Notenkenntnisse seien keine Vorraussetzung, so Frenzel. Vor allem solle man sich erst mal ausprobieren und schauen, ob das Singen gefällt lädt Frenzel Interessierte ein.

Ziel soll es sein, das umfangreiche Repertoire intensiv aufzufrischen, „um neue, singfreudige Männer – ob jung oder alt –, die Spaß an anspruchsvoller Chormusik haben, für das Doppelquartett zu gewinnen“, sagt Eberhard Frenzel, dessen Sohn René ebenfals im Doppelquartett mitsingt. „Er ist mit 50 unser Küken“, scherzt Frenzel. „Anspruchsvolle Musik“ stehe auf dem Programm, so Frenzel. Und das heißt, dass neben Klassikern der 20er und 30er Jahre bald Swing-Songs und selbst Stücke der Beatles erklingen sollen. Neben dem traditionellen Frühlingsfest (in diesem Jahr am 25. Mai) soll auch das Adventskonzert am selben Ort zur gleichen Zeit wieder stattfinden – nach dem Neustart unter einem besseren Stern.

Wer beim Doppelquartett Bargteheide mitsingen möchte, kann sich bei Wolfgang Freund unter Telefon (04532) 2860966 melden.
 

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erstellt am 22.Jan.2014 | 15:46 Uhr

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