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"Das Tüpfelchen auf dem i" : Tipps zum richtigen Schreiben

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Oldesloer Journalist Franz W. Kuck hat einen Leitfaden für Mikrotypografie geschrieben

von
erstellt am 19.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Ja, wenn denn alles so einfach wäre, dann bräuchte man ihr Buch vermutlich nicht. „Das Tüpfelchen auf dem i“, heißt das Werk von Franz W. Kuck und Christian Stang, und das da, also auf das kleine i, ein Punkt gehört, weiß jeder. Aber wie sieht es denn mit der D. Martin Luther Straße aus? Muss da nicht ein Bindestrich hin? Gar drei? Oder doch lieber der Mittelweg mit zwei Strichen. Was schreibe ich denn da? „Strich“?! Um Gottes Willen, was für eine sträfliche Vereinfachung, so eine Schrift kennt gleich mehrere Striche: Den Bindestrich, den Gedankenstrich, den Unterstrich, das Minus... Franz W. Kuck kennt sie alle, kann sie unterscheiden und vor allem: Er weiß, wann sie, also all jene kleinen, teilweise unsichtbaren Zeichen zwischen Worten und Zahlen, korrekt angewendet werden müssen.

Franz W. Kuck ist Journalist im Ruhestand. Aufgewachsen in Bremen, führte ihn der berufliche Werdegang über den Hamburger Springerverlag nach Hessen. „Man sollte keinen ins Leben entlassen, der das nicht beherrscht“, lautet Kucks Credo. Mit „das“ meint er Rechtschreibung und Typografie. „Angefangen hat es mit meiner Zeit bei der Frankfurter Neuen Presse“, erzählt der Wahl-Oldesloer. Dort sei er als Chef vom Dienst (CvD) damit betraut worden, ein digitales Redaktionssystem einzuführen und die Redakteure für die Arbeit am Bildschirm zu schulen. Bis dahin wurden die Texte in Schreibmaschinen gehackt und anschließend in Blei gegossen. Die Setzer wussten noch, was Hurenkinder und Schusterjungen sind, wo Achtelgevierte hingehören, denen konnte man kein x für ein Malzeichen vormachen. Das mussten jetzt die Redakteure lernen und anschließend übernahm Kuck auch die Ausbildung der Volontäre. „In der Zeit sind auch meine Übungsbögen entstanden. Wer die nicht richtig ausfüllen konnte, hatte gewisse Schwierigkeiten, ins Redakteursverhältnis übernommen zu werden“, berichtet Kuck: „Einige haben sich nachher für das Getrieze bedankt.“ Er dementiert entschieden, besessen zu sein, nein, das sei nur sein Hobby. Aber er kann es eben nicht lassen und ein gewisser Stolz ist als Unterton schon herauszuhören, wenn er erzählt: „Immer wenn ich bei dpa angerufen habe, hieß es: ‚Was haben wir denn jetzt schon wieder falsch gemacht?‘“ Egal ob Spiegel oder Stormarner Tageblatt – sie bekommen alle ihr Fett weg. Alle! „Die Führungsnull, für die unsere Verwaltung ja so eine Schwäche hat“, lästert er über die Oldesloer Rathausmitarbeiter und meint damit nicht den Verwaltungs-Chef, sondern die Unsitte, vor einstellige Zahlen eine Null zu setzen. Auch bei Rechtschreibpapst Christian Stang kannte Kuck kein Pardon. Er wies ihn auf typografische Fehler in seinen Texten hin und Stang reagierte sofort: „Da müssen wir ein Buch draus machen!“ So kam gewissermaßen das Tüpfelchen auf das i.

„Oberstes Prinzip ist die
Lesefreundlichkeit“, schildert Kuck seinen Ansatz: „Man sollte den Leser nicht zum Stolpern bringen, dann steigt er aus dem Text aus.“

„Das Tüpfelchen auf dem i“ ist ein Sachbuch und deshalb auch nicht witzig wie die Bücher von Bastian Sick. Das Autorenduo Kuck-Stang erklärt die Regeln und gibt Anwendungsbeispiele. Darüber hinaus bekommt der Leser auch gleich Tipps, wo gewisse Zeichen auf der Tastatur liegen oder wie man sich solche Sonderzeichen sinnvoll in Word anglegt.

 

 

„Das Tüpfelchen auf dem i“, 125 Seiten, mit 100 Übungsaufgaben, erschienen im Stiebner Verlag, 12,90 Euro.

Lösung: D-Martin-Luther-Straße

 

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