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Stormarner Wochenschau : Theater – nicht nur auf der Bühne

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das ist ja wieder einiges los gewesen. Eine Arbeitsschutzbehörde geht gegen Weihnachtsmärchen vor, Plöger gegen Albig, der wiederum gegen Stormarns Geld und die AWSH gegen den Müll. Letzterer soll angeblich billiger werden, es sei denn ...

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erstellt am 07.Dez.2013 | 08:00 Uhr

Statisten

Das ist es mal wieder und ziemlich lautstark sogar: Das Wiehern des Amtsschimmels. Die Arbeitsschutzbehörde hat jetzt doch allen Ernstes Amateurtheatergruppen aufs Korn genommen, bei denen Kinder mitwirken. Die Beamten wittern einen Verstoß gegen das Verbot von Kinderarbeit, Polizeibeamte sollen die Kleinen von der Bühne holen.

Um es deutlich zu sagen: Jugendschutz ist richtig und wichtig! Viele Familien könnten behördliche Unterstützung gebrauchen, in Extremfällen verwahrlosen Kinder oder werden misshandelt. Da wäre staatliche Hilfe dringend nötig, sie bleibt aber in vielen Fällen aus, weil die Behörden heillos überlastet sind. Aber um die Theaterkinder sollen sich kümmern und entsprechende Anträge begutachten. Was für ein Schwachsinn. Das muss man mal weiterdenken: Wenn diese Rechtsauffassung Bestand haben sollte, was ist dann, mit dem Kindergarten der bei der Seniorenweihnachtsfeier im Dorf ein paar Lieder singt? Müssen die dann auch eine Genehmigung vorlegen? Fußballturniere sind doch ebenfalls Veranstaltungen, Pampersliga ist nur die Vorstufe der Champiosnleague – und da fließen bekanntlich Millionen. Da müsste der Arbeitsschutz eigentlich auch mal vorbeischauen.

Dreh- und Angelpunkt dürfte die Frage sein, was ist ein Arbeitgeber, was ein Beschäftigungsverhältnis und was ist unter gewerblich zu verstehen. Diese Begriffe tauchen in den entsprechenden Paragrafen auf. Trotz Nachfrage war dazu von der staatlichen Arbeitsschutzbehörde keine Auskunft zu bekommen – die werden schon wissen warum.

 

Fairpay

Bei der AWSH ist man richtig stolz auf und völlig überzeugt vom neuen Tarifsystem. Sonst wäre man wohl auch nicht auf den Namen „Fairpay“ gekommen. Es erinnert an Fairplay und fair gehandelten Kaffee Die AWSH als Partner der Bürger, die Gutes tun, wenn sie mitmachen – Bio in die Biotonne, Glas in den Glas-Container und den alten Fön in einen Elektroschrott-Behälter werfen. Das alles könnte in Zukunft besser klappen. Nach Jahren der Aufklärung und wohlmeinender Appelle an den Verstand geht es nun an das Portemonnaie des Stormarners. Und zwar mit der besten Botschaft mit der man so was machen kann: Es wird billiger, für alle bis auf die, die ihren Abfall partout nicht trennen und ihre große graue Tonne – und nur die – behalten wollen. Wer sich das – koste es, was es wolle – leisten möchte, soll das tun. Fast alle anderen können auch etwas tun und dabei ein paar Euro im Jahr sparen.

Ausnahmefälle sind nur die, die auch jetzt schon mit dem Minimal-Volumen auskommen. Ihre Tonne kann nicht kleiner werden, deshalb wird es für sie teurer. Mehr als ein „Kollateralschaden“ ist das nicht. Ein echter Schwachpunkt des neuen Systems ist, dass es dort am schlechtesten wirken kann, wo es am nötigsten wäre. Den meisten Bioabfall im Restmüll findet man im Geschosswohnungsbau. Dort entscheidet nicht der einzelne, sondern Vermieter oder Verwalter über die Tonnenauswahl. Und da gibt auch jetzt schon die hoffnungslosen Fälle, bei denen die AWSH die Getrenntsammlung eingestellt hat, weil sich sowieso keiner dran gehalten hat. Das sind allerdings keine abfallwirtschaftlichen, sondern gesellschaftliche Probleme.

Wenn das AWS-Konzept aufgeht, sollten die Preise weiter sinken können. 2015 läuft die (teure) Bioabfall-Entsorgung im Kompostwerk Tangstedt aus, 2016 die (teure) Müllverbrennung in der MVA Stapelfeld. Und wenn es dann wie geplant ein paar zehntausend Tonnen weniger Restmüll sind, kann man sich gegenseitig auf die Schultern klopfen.

 

Parteifreund

Was ans Geld geht, wirkt. Das gilt nicht nur für real materiellen Müll. Nur weiß man bei geistigen Entwürfen nicht, ob sich daraus noch ein Wertstoff recyclen lässt. Beim Finanzausgleichsgesetz scheinen Landrat und Politik in Stormarn alle Hoffnung aufgegeben zu haben. Vom Besuch des Ministerpräsidenten Torsten Albig hatte man erwartet, dass er die Kritik annehmen und den Stormarnern irgendwie entgegenkommen würde. Pustekuchen. Dass sich der Kreis durchaus solidarisch zeigen und seinen Beitrag leisten wolle, reicht in Kiel offenbar nicht. Wieso sollte man den kleinen Finger annehmen, wenn Stormarn jedes Jahr 13 oder 14 Millionen wegnehmen kann? Dass man die bestraft, die gespart haben, und die belohnt, die lieber mit dem Finger auf andere zeigen – für Albig nicht wirklich ein Argument. Bei Geld hört eben die Freundschaft auf, die Parteifreundschaft sowieso. Als Mensch schätze er Albig nach wir vor, sagte Klaus Plöger. Als Landrat will aber seine Truppen sammeln und in Stellung bringen. Und die Kriegsrethorik ist Absicht.

 

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