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Fehmarnbelt-Querung : „Teuer, laut und unsinnig“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fehmarnbelt-Querung: Die Planungsunterlagen sind öffentlich einzusehen. Die Grünen laden zur Podiumsdiskussion ins Bargteheider Ganztagszentrum.

Bargteheide | Es ist erstaunlich ruhig. Politisch, wie an der Schiene. Noch. Die feste Fehmarnbelt-Querung sei laut den Grünen wieder so ein Projekt aus der Riege „unkalkulierbare Gigantomanie“. Mit optimistischer Verdoppelung, so wie geschätzt, der heutigen Zahl von zirka 5000 Autos, die den Tunnel unter dem Fehmarn-Belt (Planzahl Femern) am Tag nutzen sollen, werde in Deutschland häufig nicht mal eine Bundesstraße gebaut, heißt es bei den Grünen. Zum Vergleich: „Über die Eiffestraße in Hamburg fahren täglich knapp 55.000 Autos. Die Hinterlandanbindung blieb bei den Planungen bisher weitgehend unberücksichtigt. Eklatantestes Beispiel ist die anfangs nicht bedachte und erst nicht kalkulierte Erneuerung der Fehmarn-Sund-Brücke. Die favorisierte Trassenführung läuft mitten durch die Touristenhochburgen der Ostsee“, erklärt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms.

Die Planung und Durchführung der S 4 solle unbeeinflusst bleiben. „Und das bei etwa 80 Güterzugfahrten pro Tag – die meisten fahren allerdings nachts. Die Güterfahrten laufen heute schon auf anderen Trassen nach Dänemark, würden also vom ersten Tag an fahren“, so Wilms weiter. Führe man die optimistischen Planungszahlen fort, sei auch hier mit massiver Steigerung zu rechnen. Einige Gemeinden würden wohl gezwungen sein, teure Unterführungen zu bauen, damit ein zügiger Seitenwechsel überhaupt möglich sei (wie in Reinfeld). Wilms: „Die Kalkulation begann einst bei etwa 870 Millionen Euro und ist momentan ,noch’ im einstelligen Milliardenbereich. Dagegen ist der Berliner Flughafen am Ende ein Schnäppchen. Mit massiver Umweltschädigung durch den Absenktunnel geht es weiter. Es ist höchste Zeit, sich dem Unsinn und Milliardengrab zu entsagen.“

Zum Thema „Fehmarn-Belt – teuer, laut, unsinnig“ veranstalten die Grünen am Donnerstag, 15. Mai, ab 19.30 Uhr eine Podiumsdikussion mit Valerie Wilms im Ganztagszentrum Bargteheide, Am Markt 2. Gäste sind willkommen, der Eintritt ist frei.

Die Planungsunterlagen für den geplanten Tunnel zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland liegen seit Montag auf Fehmarn, an einigen weiteren Orten im Kreis Ostholstein und in Kiel öffentlich aus. Damit gehe die deutsche Genehmigung des größten Verkehrsprojekts in Nordeuropa in die entscheidende Phase, sagte der Vorstandsvorsitzende der staatlichen dänischen Projektgesellschaft Femern A/S, Claus F. Baunkjær. Vier Jahre lang seien technische, umweltfachliche und Sicherheitsaspekte intensiv untersucht worden. Das Milliardenprojekt sei transparent geplant, solide finanziert und werde beide Länder noch näher zusammenbringen.

Der Bau des 18 Kilometer langen Tunnels soll 2015 beginnen und 2021 abgeschlossen werden. Das dänische Parlament sowie der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein müssen das Vorhaben noch genehmigen. Die Planungsunterlagen können nun einen Monat lang auf Fehmarn, an einigen weiteren Orten im Kreis Ostholstein und in Kiel eingesehen werden. Betroffene Bürger, Behörden und Umweltverbände können dann Stellungnahmen abgeben. Anschließend wird der Landesbetrieb Erörterungstermine abhalten, die unterschiedlichen Interessen abwägen und mit seinem Planfeststellungsbeschluss eine abschließende Entscheidung treffen.

Die Umweltverbänden hätten nur einen Monat lang Zeit, die mehr als 10.000 Seiten umfassenden Planungsunterlagen zu prüfen und Stellung zu beziehen, rügte der Nabu und kritisierte, dass das Verfahren überhaupt formal eröffnet wird. „Es ist wieder mal ein trauriger Tag für den Umwelt- und Naturschutz“, sagte Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Auf Teufel komm raus soll in diesem sensiblen Bereich der Ostsee ein ökonomisch wie ökologisch überflüssiges Gigantomanie-Projekt realisiert werden.“ Wenn die Prüfung der Unterlagen entsprechend ausfalle, werde der Nabu gegen den Planfeststellungsbeschluss juristisch vorgehen.

Der Verband sieht erhebliche ökologische Risiken, weil die Ostsee eines der am stärksten gefährdeten und belasteten Ökosysteme weltweit sei. Die Rinne des Fehmarnbelt stünden als Teil eines Verbundes von Natura 2000-Schutzgebieten nach EU-Recht unter besonderem Schutz. Das Tunnelprojekt werde nachhaltige Schäden anrichten. Schweinswale, Kleinlebewesen und Fische fänden in dem Gebiet Rückzugsmöglichkeiten und ausreichend Nahrung.Der Nabu hat Deutschland und Dänemark wiederholt aufgefordert, aus dem Vorhaben auszusteigen. „Aufgrund fehlerhafter Berechnungen des Bedarfs und verschleierter Folgekosten reiht sich die Fehmarnbelt-Querung nahtlos in andere ökonomisch unsinnige Großprojekte wie Berliner Flughafen, Stuttgart 21 oder die Elbphilharmonie ein“, sagte Bundesgeschäftsführer Miller.

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