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Stormarner Tageblatt

18. Dezember 2017 | 15:41 Uhr

Bad Oldesloe : Tegelkamper machen mobil

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Gegen die geplante Bebauung formiert sich Widerstand. Die Anlieger fordern eine übergreifende, transparente Planung für das Stadtgebiet.

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erstellt am 14.Apr.2015 | 06:00 Uhr

Das könnte mal weder ein volles Haus geben: Kommenden Dienstag, 21. April, lädt Bürgerworthalter Rainer Fehrmann (CDU) um 19.30 Uhr zur nächsten Einwohnerversammlung in die Festhalle ein. Es geht um die geplante Bebauung hinter der Straße Tegelkamp. Dagegen hat sich mittlerweile eine Bürgerinitiative gebildet, mehr als 230 Unterschriften wurden gesammelt. Sprecher der Gruppe ist Ludwig Lutter.

Im Februar waren im Bauausschuss Pläne öffentlich vorgestellt worden, im rückwärtigen Bereich der Straße Tegelkamp ein neue Baugebiet zu erschließen (wir berichteten). Die SIG hat sich dort ein Grundstück gesichert. Alleine auf dem Stück könnten bis zu 110 Wohneinheiten erschlossen werden. Als „verträglich“ wurden allerdings lediglich 50 Wohneinheiten angesehen. Einstimmig war im Februar ein Beschluss vertagt worden – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Die Grünen wollen die Außenbereiche nicht erschließen und fordern ein stadtübergreifendes Konzept, die SPD will Gespräche über sozialen Wohnungsbau führen. Den lehnt die CDU zwar ab, aber die will erst mal die Einwohnerversammlung abwarten, und die FBO schlägt vor, eine andere Form der Erschließung zu finden.

Während den zahlreich erschienenen Anliegern im öffentlichen Teil etwas von 50 Wohneinheiten erzählt wird, kommen hinter verschlossenen Türen ganz andere Zahlen auf den Tisch: Weitet man die Fläche etwas aus, wären noch mal 130 Wohneinheiten zusätzlich möglich. Nur mit knapper Mehrheit war die Beschlussempfehlung, die entsprechenden Grundstücke zur Bodenbevorratung zu kaufen, abgelehnt worden. Heimlich, still und leise sollte da ein großer Deal klar gemacht werden.

Dabei sind die Pläne nicht mal neu, sie wurden bereits vor zehn Jahren diskutiert und seinerzeit verworfen. Offiziell wegen ungenügender verkehrlicher Erschließung. Eine neue Erschließung gibt es immer noch nicht, aber die Pläne liegen wieder auf dem Tisch. „Die einzige Zuwegung soll über die sehr schmale – teilweise nur 3,30 Meter breite – Straße am Tegel erfolgen. Warum soll heute richtig sein, was vor rund zehn Jahren noch aus gutem Grund verworfen wurde“, will die Tegel-Initiative wissen.

„Das finde ich eine Frechheit“, macht Ludwig Lutter seinem Unmut über das Vorgehen der Verwaltung Luft: „Das ist eine starke Beschädigung des Vertrauens. Die Gewinninteressen der SIG hält die Stadtverwaltung offensichtlich für wichtiger und vorrangiger als die Interessen und Belastungen eines ganzen bestehenden Stadtteils.“ Schon im Februar hatte Lutter im Ausschuss einige Ungereimtheiten angesprochen. An der Stelle wird die Initiative kommenden Woche erneut einhaken. „Wir sind doch kein SIG-Profit-Beschaffungsverein“, findet Lutter: „Die Stadt soll nicht konzeptlos vorgehen, sondern eine vernünftige Planung betreiben.“

Die Tegelkamper fordern eine transparente Prüfung und Priorisierung der Entwicklungsmöglichkeiten in der Stadt. Wo stehen Flächen zur Verfügung? Wie sieht es mit der Ökologie aus, der Belastung von Anliegern? Wird dem demografischen Wandel Rechnung getragen. Um nur einige Bewertungskriterien zu nennen. Ludwig Lutter verspricht: „Wenn unser Bereich der am wenigsten schlimme ist, werden wir dem nicht im Wege stehen.“ Aber er hat da so seine Zweifel: Im städtischen Wohnraumkonzept werde von einem Bedarf für Ein- bis Zwei-Kopf-Haushalte geschrieben. „Dem kann man doch nicht mit Einfamilienhäusern begegnen“, findet BI-Sprecher Lutter.

Die Initiative hat die Devise: „Der Tegel ist überall“ ausgegeben und hofft auf stadtübergreifende Solidarität. „Hier wird einem Investor nach dem Mund geredet“, sind Lutter und seine Mitstreiter überzeugt. Ohne ein schlüssiges Konzept zur Stadtentwicklung könne das jedem anderen Bereich in Bad Oldesloe ebenfalls sehr schnell blühen.

Auf der Tagesordnung der Einwohnerversammlung am Dienstag stehen Erläuterungen zum Verfahrensablauf bei der Aufstellung eines B-Plans sowie die Planungserfordernisse. Anschließend soll es konkret um den Tegelkamp gehen und die Möglichkeit bestehen, Fragen zu stellen oder zu diskutieren.

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