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Marlene Schlüter : Tausend Erinnerungen an die Jahre 1928 bis 1954

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Kremperin veröffentlicht Buch über Familiengeschichte - Lesung am 5. November

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erstellt am 03.Nov.2009 | 02:37 Uhr

Krempe | - "Und genau an dem Tag, an dem meine Mutter in Eppendorf ins Krankenhaus ging, waren deutsche Truppen in Polen einmarschiert. Gerade an diesem 1. September 1939 befanden wir uns mit meiner kranken Mutter in Hamburg. Dieser Freitag war der Tag, an dem ich meine Mutter das letzte Mal sah." Der Zweite Weltkrieg, die Jahre davor und danach, sind für die meisten Bürger bloße Fakten, ein grausames Stück deutscher Geschichte, aber es ist nicht ihre eigene Geschichte. Für Marlene Schlüter (81) aus Krempe war die Zeit um den Zweiten Weltkrieg nicht nur Krieg, es war ihre Kindheit, Jugend, ihr Weg zur Frau - ein Teil ihrer Familiengeschichte. "Eigentlich wollte ich meinen Kindern meine Erinnerungen widmen", sagt die Rentnerin aus Krempe. "Dann kam mir der Gedanke, ein Buch zu schreiben." Von der Idee bis zur Fertigstellung dauerte es zwei Jahre. Herausgekommen ist ein persönliches Stück Zeitgeschichte: "Marlene - Als sie noch Hinz hieß. Tausend Erinnerungen an die Jahre 1928 bis 1954".

"Nachdem mein Mann 1997 starb, hatte ich keinen Gesprächspartner mehr. Statt Selbstgespräche zu führen, legte ich für meine erwachsene Kinder Ringordner an, in denen ich meine Erinnerungen festhielt." Als die Kremperin mit dem Schreiben begann, wollte sie herausfinden, wie weit sie sich zurückerinnern kann. "Je intensiver ich nachdachte, desto mehr Erinnerungen stellten sich ein."

Ihr vielschichtiger Rückblick reicht zurück bis zu ihrer Hochzeit mit Peter Schlüter im Jahr 1954. Mit ihren authentischen und emotionalen Schilderungen berührt sie nicht nur Familienangehörige, sondern auch Außenstehende. "Was ich geschrieben habe, sind wahre Begebenheiten. Wenn einige Personen sich wiedererkennen, müssen sie es akzeptieren. Ich habe mich auch nicht verschont."

Unverblümt schildert sie Freud und Leid aus ihrer Zeit als Kind, Jugendliche und junge Frau an der Nordsee bevor sie 1952 nach Krempe kam, um sich dort als Kraft im Kremper Hof und später Ehefrau von Peter Schlüter ein neues Leben zu beginnen. "Familiengeschichte ist stets gebunden an eine Gegend. Marlene Schlüters Erinnerungen sind damit auch ein wichtiger Beitrag zur norddeutschen Heimat- und Regionalgeschichte", unterstreicht die Lektorin des Buches Birgit Rentz.

Marlene Schlüter erzählt vom kargen, kantigen Leben auf dem Land, ein Einblick in eine andere Zeit als ein eigenes Bett noch keine Selbstverständlichkeit war. Mit ihren Zeilen gewährt sie Einblick in die Normalität einer längst vergangenen Zeit und den Kriegsalltag. Sie schildert, wie das Umfeld sich in Nazisympathisanten und -gegner spaltete, von Verrat und Schuldgefühlen und von den Unsicherheiten des Lebens. "Im Dezember 1941 hatte man sie (Marlene Schlüters Schwiegermutter) wegen Bezugs von Butter zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Gefängnis bedeutete KZ." Die Kremperin berichtet aber auch von Liebe in den Wirren des Krieges. "Er war ein intelligenter, junger Mann, [...] seine Laufbahn durch den verdammten Krieg unterbrochen. Seine Pflicht musste er am Westwall in Frankreich erfüllen. Die ersten Briefe ließen nicht lange auf sich warten."

Authentisch wird das Buch zudem durch die zahlreich hinzugefügten historische Dokumente wie Briefe ihres Mannes von der Front. "Osten, den 4.3.1945: Gestern ist mein bester Freund gefallen. [...] Die Läuse machen uns zu schaffen. Habe meinen Pullover vor Verzweiflung in hohem Bogen weggeschmissen."

Marlene Schlüter hat mit ihrem Buch ein Stück Kriegsgeschichte hautnah und emotional anrührend nicht nur für ihre eigenen Nachkommen festgehalten. Am Donnerstag, 5. November, liest sie im Ratskeller in Krempe um 16 Uhr aus ihrem Buch vor.

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